Verjüngung der Bestände

Wie der Klimawandel den heimischen Wald verändern wird

20.1.2022, 15:00 Uhr
Im Schulwald der Grundschule Neuhaus/Pegnitz kümmern sich die Kinder um Neuanpflanzungen. Hier mit Förster Helmut Lay und Dr. Steffen Taeger.

© Foto: Grundschule Neuhaus Im Schulwald der Grundschule Neuhaus/Pegnitz kümmern sich die Kinder um Neuanpflanzungen. Hier mit Förster Helmut Lay und Dr. Steffen Taeger.

Der Klimawandel lässt sich beim Blick auf die Fakten nicht leugnen. Seit 1951 gibt es laut Veröffentlichung des Bundesumweltministeriums 49 Prozent weniger Tage mit durchgehendem Schneefall und mit Minusgraden. Auf der anderen Seite wurden in Deutschland dreimal so viele Tage mit über 30 Grad gemessen als noch 1951. Auch der Wald leidet zunehmend unter den Folgen des Klimawandels. Stürme, lang anhaltende Dürre, überdurchschnittlich viele Waldbrände und Borkenkäferbefall haben den Wäldern in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zugesetzt.

Einige Baumarten kommen besser mit den neuen Bedingungen zurecht als andere. Für Waldbewirtschafter und Forstämter heißt das Motto daher "klimafreundlicher Waldumbau". Auch die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Eschenbach kümmert sich schon über zehn Jahre um aktiven Waldumbau, erklärt Geschäftsführer David Karl. Dazu werden die vorhandenen Bestände aus Fichte und Kiefer mit klimatoleranten Baumarten unterbaut und so der Wald mehrschichtig gestaltet. "Den Superbaum gibt es bis jetzt noch nicht. Grundsätzlich sind Mischbestände am besten."

Die Frage nach klimaresistenten Baumarten lasse sich nicht einfach beantworten, sagt auch Jörg Berendes von der Waldbesitzervereinigung (WBV) Sulzbach-Rosenberg. Neben der Bodenart, der Nährstoffversorgung und dem Wasserspeichervermögen spiele auch die Temperatur eine wichtige Rolle. Es wäre ein Fehler, sich auf wenige, vielleicht erfolgversprechende Baumarten zu konzentrieren. "Wir wissen nicht, wie groß die klimatische Veränderung ausfällt, welche neuen Krankheiten und Schädlinge die einzelnen Baumarten bedrohen. Ab zwei Grad mehr werden wir weitgehend mit unserem Latein am Ende sein."

Der beste Rat für Waldbesitzer sei, sich bei der Baumartenwahl möglichst breit aufzustellen. Über geeignete waldbauliche Maßnahmen sollten so viel Baumarten wie möglich zur Waldverjüngung gepflanzt werden. Wenn eine Baumart ein Problem bekommt, habe man noch andere Baumarten auf der Fläche.

Als weniger empfindlich gelten beim Laubholz Eiche, Ahorn, Buche, Flatterulme und Elsbeere; beim Nadelholz vor allem Weißtanne, Douglasie und Lärche, zählt David Karl auf. Es werde inzwischen auch vermehrt auf fremdländische Baumarten gesetzt, wie beispielsweise die Baumhasel, Atlaszeder, Esskastanie, Schwarznuss oder auch die Roteiche.

Wälder werden resistenter

Im Bereich der FBG Eschenbach werden pro Jahr auf den Flächen der Mitglieder rund 70 000 bis 10 0000 Jungbäume gepflanzt. So wollen die Fachleute die Wälder fit für die Zukunft machen und vor allem klimaresistenter und vielseitiger bepflanzen. "Für uns ist das eine wichtige und zukunftsträchtige Aufgabe!"

Auch bei der WBV Sulzbach-Rosenberg steht das Thema ganz oben auf der Agenda. Im Rahmen einer fachlich fundierten Beratung versuchen die forstlich ausgebildeten Geschäftsführer, den naturnahen Waldbau auf Basis des aktuellen Wissensstandes den Waldbesitzern nahe zu bringen. Eine zentrale Rolle spiele die Anpassung der Wälder an den fortschreitenden Klimawandel. "Dabei stoßen wir schnell an die Grenzen des waldbaulich Machbaren", erklärt Jörg Berendes. Dies liege schon allein daran, dass die Waldbesitzer bei ihren Entscheidungen eigentlich die nächsten 100 Jahre im Blick haben müssten.

Aktuell könne aber niemand sagen, in welcher Größenordnung die durchschnittliche Erwärmung in 50 oder 100 Jahren liegen werde. Tatsache sei, dass die Wälder große Probleme bekommen werden, wenn die Zwei-Grad-Marke überschritten wird. "Über die zwei Grad hinaus wird es den Wald, wie wir ihn heute kennen und lieben, nicht mehr geben."

Fichte und Kiefer seien die ersten Baumarten, die im fortschreitenden Klimawandel ausfallen. Wärmeres und trockeneres Klima vertragen am ehesten Tanne, Douglasie, Buche, Eiche, Spitz- und Feldahorn, Kirsche und Elsbeere, so der WBV-Geschäftsführer. Auch werde diskutiert über den Anbau sogenannter Exoten wie Zeder, Küstentanne, Esskastanie, Baumhasel, Schwarznuss oder Blauglockenbaum. Es spreche nichts dagegen, einzelne dieser Baumarten im Wald mit zu beteiligen. "Wir appellieren jedoch dringend, zu Fragen der Baumartenwahl den staatlichen Revierleiter oder den zuständigen WBV-Förster zu Rate zu ziehen."

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