Wasserversorger äußert sich

Harrlach: ICE-Ausbesserungswerk eine Gefahr fürs Grundwasser?

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Stefan Bergauer..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Stefan Bergauer

Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

E-Mail zur Autorenseite

15.1.2022, 06:00 Uhr
Das ICE-Ausbesserungswerk ist in der Region umstritten. Angeführt wird auch eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung. Die Brunnbachgruppe, die für die Versorgung eines Werkes bei Harrlach zuständig wäre, teilt diese Bedenken nicht.
 

Das ICE-Ausbesserungswerk ist in der Region umstritten. Angeführt wird auch eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung. Die Brunnbachgruppe, die für die Versorgung eines Werkes bei Harrlach zuständig wäre, teilt diese Bedenken nicht.   © colourbox.de

Kürzlich hatte die Bürgerinitiative "Kein ICE-Werk bei Harrlach" in den Bannwald geladen, um auf die möglichen Gefahren für die Trinkwassergewinnung durch den Bau eines ICE-Werkes hinzuweisen (wir berichteten). Gekommen war auch der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung, denn die infra, der Fürther Wasserversorger, bezieht rund 40 Prozent ihres Wassers aus der Region zwischen Allersberg und Harrlach.

In Trockenzeiten sei der Grundwasserspiegel dort um 1,50 Meter gesunken, so die BI in einer anschließenden Pressemitteilung des Gespräches. Gleichzeitig würde das ICE-Ausbesserungswerk rund 20 Prozent der Kapazität der Brunnbachgruppe benötigen. Die Befürchtung: Der Zweckverband zur Wasserversorgung könnte überlastet werden. Gleichzeitig gingen von dem ICE-Ausbesserungswerk Gefahren für das Trinkwasser aus, durch den Einsatz von Enteisern, Pflanzenschutzmitteln oder Ähnlichem. Schon jetzt bestehe eine Konkurrenzsituation unter den hiesigen Wasserversorgern sowie der infra.

Schon vor vielen Jahren Thema

Grundsätzlich wäre die Allersberger Brunnbachgruppe für die Versorgung des ICE-Werkes zuständig, sollte es zwischen Harrlach, Altenfelden und Pyrbaum gebaut werden – dieser Standort ist einer von drei möglichen, mit denen die Bahn in das Raumordnungsverfahren gehen will. Wäre die Wasserversorgung durch die Brunnbachgruppe gefährdet, sollte zusätzlich zu West I und II noch das ICE-Ausbesserungswerk entstehen? Und welche Auswirkungen hätte dies auf den Wasserpreis für die Anschlussnehmer?

Zunächst einmal ist das Thema Grundwasser im Raum Brunnau nicht neu. Schon 1976 befürchteten Allersberger Landwirte eine Absenkung des Grundwasserspiegels – damals durch Bohrungen der infra. Auch im Zuge der Auseinandersetzungen um West I und II war das Thema wieder hochgekommen.

Grüne und Bürger hatte Bedenken wegen Beeinträchtigungen des Wasserschutzgebietes angemeldet. Das Wasserwirtschaftsamt hatte diese jedoch zurückgewiesen, da die beiden Flächen nur an das Wasserschutzgebiet angrenzen. Das Gewerbegebiet (West II) und das Sondergebiet Logistik (West I) könnten wasserrechtlich sogar in der äußeren Zone 3 des Schutzgebietes liegen. Zugleich sind tiefergehende Baumaßnahmen ausgeschlossen, um die wasserführende Schicht nicht zu verletzen.

Heute fördert die Brunnbachgruppe jährlich etwa 550.000 Kubikmeter und dürfte diese Menge auf 600.000 Kubikmeter erhöhen. Zugleich kann sie 150.000 Kubikmeter Wasser von der infra Fürth zukaufen. Für West I und II hat die Brunnbachgruppe vorsorglich 55.000 Kubikmeter Verbrauch jährlich festgesetzt – maximal. "Aus Gründen der Vorsicht", sagt Daniel Horndasch, Vorsitzender der Brunnbachgruppe und Bürgermeister Allersbergs. Denn noch stehe nicht fest, welche Unternehmen sich ansiedeln.

Man hätte noch Luft

"Die geplante Logistik in West I hat kaum Wasserbedarf", so Horndasch. Gemeinderat und Zweckverbandsversammlung seien weitgehend einig gewesen, Logistikbetriebe mit höherem Wasserbedarf nicht ansiedeln zu wollen – auch aus Rücksicht auf die infra. Mit dem Verkauf von West I an P3 und nach dem derzeitigen Stand "ist von einem deutlich geringeren Wasserverbrauch" von West I und West II auszugehen.

Für das ICE-Werk wiederum sei im Rahmen der Bürgerbeteiligung ein Verbrauch von 85.000 bis 90.000 Kubikmetern pro Jahr seitens der Bahn genannt worden. Auf Nachfrage wurde dies konkretisiert auf maximal rund 240 Kubikmeter pro Tag – macht im Jahr knapp 87.600 Kubikmeter. Noch hat ja nicht einmal das Raumordnungsverfahren begonnen. Ausgehend von der derzeitigen durchschnittlichen Förderleistung der Brunnbachgruppe von 550.000 Kubikmetern wären 20 Prozent 110.000 Kubikmeter.

Kein Glyphosat mehr

Das Wasser braucht die Bahn für die Außenreinigung und die Mitarbeiter, zudem führt eine Bahnsprecherin die Auffüllung der Tanks in den Zügen an (Toilette, Bordbistro). Um den Verbrauch niedrig zu halten, soll beispielsweise für die Außenreinigung möglichst viel Regenwasser genutzt werden, das auf dem Dach gesammelt werden soll – zudem soll das verwendete Wasser aufbereitet werden. "Wir können nicht erkennen, warum von einem ICE-Werk Gefahren für das Grundwasser ausgehen sollten", so die Bahn-Sprecherin.

Man halte sich an Gesetze und Vorschriften. Chemische Reiniger und Enteiser würden nur sparsam und in geschlossenen Gebäuden verwendet, dasselbe gilt für Betriebsstoffe wie Schmiermittel und Hydrauliköl. Glyphosat werde ab Ende 2022 von der Bahn gar nicht mehr eingesetzt. Eine Versickerung von Regenwasser würde bei Bedarf über Rückhaltebecken oder Rigolen weiterhin ermöglicht.

Zurück zur Förderleistung der Brunnbachgruppe. "Fest steht, dass der Zweckverband Brunnbachgruppe mit den aktuell vorhandenen Wasser- und Bezugsrechten keinerlei Probleme der Versorgung in seinem Gebiet hat – auch unter Einbeziehung der neuen Gewerbe- oder Sondergebiete sowie der neuen Baugebiete (und hier auch noch Reserven vorhanden sind)", so Horndasch.

Aber: "Ein darüber hinaus noch entstehender zusätzlicher Bedarf in Zukunft, in der Größenordnung 90.000 Kubikmeter pro Jahr, wäre (die Brunnbachgruppe und deren Brunnen alleine betrachtet) aber vermutlich schwierig, da damit deren Grenzen erreicht beziehungsweise Möglichkeiten überschritten werden könnten."

Auf der anderen Seite möchte sich Fürth für den Klimawandel rüsten, die infra will ihre Leistung bis Ende der 2020er Jahre auf 9,5 Millionen Kubikmeter jährlich erhöhen (zirka 25 Prozent). Dafür wird im Knoblauchsland ein Wasserwerk saniert. Inwieweit Allersberg betroffen sein wird, ist offen. Überhaupt ist noch nicht abzusehen, wie durchschnittliche Fördermengen und Wasserrechte in der Zukunft aussehen.

Keine Konkurrenz

Denn die Wasserversorger können nicht isoliert betrachtet werden. Sie haben ihre Brunnen und Wasserrechte, sind aber untereinander verbunden, helfen sich in Notsituationen aus. "Das Verhältnis ist nicht von Konkurrenz, sondern von Zusammenarbeit geprägt", stellt Horndasch fest. Wie das ICE-Ausbesserungswerk zu versorgen wäre, steht heute noch gar nicht fest und wird eben noch zu klären sein, wenn eine Standortentscheidung getroffen wird.

Zu den Kosten: Wer bezahlt die Erschließung von West I und West II und das ICE-Ausbesserungswerk, wird das Wasser für die Anschlussnehmer teurer? Auch hier gibt Horndasch Entwarnung. Für die Erschließung von West I ist P3 verantwortlich und übernimmt dort auch die Kosten. Zwar muss West II erschlossen werden, außerdem müssen Leitungen saniert werden, diese sind jedoch sowieso am Ende ihrer Lebensdauer.

Finanzielle Entlastung

"Umgekehrt erhält der Zweckverband aber seine satzungsgemäßen Herstellungsbeiträge", so Horndasch – auch für West I. "Insbesondere West I wird damit zur finanziellen Sanierung des Zweckverbands, zur Entlastung seiner Verschuldung und zur Dämpfung der Wasserpreise einen erheblichen Anteil leisten und damit alle Beitragszahler im Versorgungsgebiet für die Zukunft entlasten.

Darüber hinaus verteilen sich in Zukunft auch alle Lasten der Erhaltung des Netzes oder spätere Ergänzungsbeiträge auf die mit West I und West II breiteren Schultern, weil diese Betriebe dann neben den bisherigen Haushalten als Beitragszahler dabei sind. Kurz gesagt, der Zweckverband wie auch die Bürger werden durch West I und West II deutlich entlastet."

Zum derzeitigen Planungsstand zum ICE-Ausbesserungswerk lässt sich noch wenig sagen. Aber Leitungen wären schon in der Nähe, und auch die Bahn müsste Herstellungsbeiträge bezahlen. "Aufgrund der vorliegenden Daten würde ich deshalb wie auch bei West I und West II davon ausgehen, dass ein solches Vorhaben den Zweckverband und damit auch die angeschlossenen Haushalte finanziell letztlich deutlich entlasten statt belasten würde", so Horndasch.

Ob der derzeitige Wasserpreis von 1,87 Euro sogar sinken könnte, hängt aber eben auch davon ab, wie das ICE-Ausbesserungswerk versorgt würde. Eine Teuerung erscheint jedoch weniger wahrscheinlich als eine Vergünstigung.