Steigende Temperaturen

Klimawandel: Alarmierende Zahlen aus Roth

9.1.2022, 18:00 Uhr
Auf dem Tower des Flugfeldes der Rother Otto-Lilienthal-Kaserne (hier ein Foto mit Besuchern aus Vor-Corona-Zeiten) befindet sich die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes. Bis 2014 wurde die Anlage militärisch betrieben.
 

Auf dem Tower des Flugfeldes der Rother Otto-Lilienthal-Kaserne (hier ein Foto mit Besuchern aus Vor-Corona-Zeiten) befindet sich die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes. Bis 2014 wurde die Anlage militärisch betrieben.   © Marco Frömter, NN

"Obwohl es im vergangenen Jahr durchweg kühler war, muss bei der Temperatur ein erneuter Anstieg des Klimawerts registriert werden", erklärt Neuweg. Für 2021 liege der Temperaturwert erneut um 0,03 Grad Celsius höher als für das Vorjahr. Bundesweit weist der Deutsche Wetterdienst für das vergangene Jahr eine Durchschnittstemperatur von 9,1 Grad aus. Das sind 0,9 Grad mehr als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. Zum elften Mal in Folge war das Jahr damit statistisch zu warm.

Deutlich wärmer und nasser

Die Rother Wetterstation hat für 2021 zwar eine Durchschnittstemperatur knapp unter neun Grad ermittelt. Dieser ist aber immer noch zu hoch und belegt damit den langfristigen Temperaturanstieg. Bis Ende der 1990er Jahre lag der Wert noch unter der Acht-Grad-Marke, 2017 überschritt er erstmals die neun Grad. Besonders warme Jahre waren 2014, 2015, sowie 2018 bis 2020, mit Durchschnittstemperaturen von jeweils deutlich über zehn Grad.

Die Klimadaten aus der Otto-Lilienthal-Kaserne.

Die Klimadaten aus der Otto-Lilienthal-Kaserne. © Grafik: NN

Auch die jährliche Niederschlagsmenge wächst laut Neuweg kontinuierlich. Aktuell liege sie bei 833,3 Millimetern pro Quadratmeter, das sind etwa 16 Prozent mehr als der langjährige Mittelwert von 718,3.

Bereits seit 1984 verfolgt Neuweg die Entwicklung des Klimas in der Region. Und das nicht nur für den Raum Roth-Schwabach: "Während meines Studiums war ich an der Aufstellung von Klimamodellen beteiligt und habe Regenereignisse für das südamerikanische Pazifikgebiet ausgewertet." Das Wetter habe ihn nicht nur als Hobby interessiert.

Im Gegenteil: "Während meines Dienstes bei der Bundeswehr war ich auch als Umweltoffizier eingesetzt", erzählt Neuweg. Seine Kontakte zur Klima- und Ozonlochforschung pflegte er auch darüber hinaus akribisch und ließ sich von diesen Stellen stets die aktuellen Datenerhebungen aushändigen. "Nach meiner Bürgermeisterzeit habe ich mich dann mit diesem Thema bei der Energieberatungsagentur ENA eingebracht."

In erster Linie ging es Neuweg bei seinem Engagement darum, die Prognosen der Computermodelle ab den 1980er Jahren zu überprüfen: "Ich wollte wissen, ob diese der Realität entsprechen." Für den ehemaligen Bundeswehr-Hubschrauberpiloten war der Besuch der Wetterstation im Tower des Rother Fliegerhorstes lange Zeit schon fast Routine. Bis 2014 arbeiteten dort bis zu 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mehrmals täglich Temperatur, Niederschlag, Wind, Wolken, Luftdruck und Luftfeuchte dokumentierten.

Nicht zuletzt waren diese Daten auch wichtig für den täglichen Flugbetrieb in der Kaserne. Mit der Auflösung des Kampfhubschrauberregiments verlor die "Flugwetterberatung" jedoch ihre Daseinsberechtigung. Die Wetterstation blieb auf dem militärischen Gelände erhalten – wenngleich ohne Personal. Die Station wurde automatisiert und wird nun vom Deutschen Wetterdienst betrieben.

Das dort über viele Jahre eingesetzte Fachpersonal habe Abnehmer weltweit mit Informationen versorgt, erinnert sich Neuweg. Heute würden die Wetter- und Klimadaten nur noch vom DWD abgerufen. Er selbst setze die damalige Arbeit der Diensthabenden auf eine gewisse Art und Weise fort. Warum? "Beim Klima muss man sehr besorgt sein. Das Wetter ist die Aneinanderreihung von Einzelereignissen. Hier gab es schon immer Gefahrenmomente, die sich aber in Klimawandel-Zeiten jetzt merklich verstärken und in der Anzahl zunehmen."

Politik braucht Nachhilfe

Wenig erfreut zeigt sich Neuweg über das Programm, mit dem die Bundesregierung dem Klimawandel begegnen will. "Es ist erschreckend", so sein Urteil. Als nicht ausreichend stufe er auch die Arbeit "auf allen politischen Ebenen" ein.

Deshalb fordert Neuweg mit Nachdruck: "Aufgabe der Politik ist es, sich erst einmal selbst richtig aufklären zu lassen – und zwar jetzt! Im kommunalen Bereich wird weiter Kohlenstoffdioxid erzeugt, das unsere Enkel bis 2050 wieder aus der Atmosphäre herausbringen müssen. Was für eine Bürde, die man den jungen Menschen heute auferlegt! Wenn Professoren immer noch der Meinung sind, dass beispielsweise Holz und Gas ,Grüne Energie’ seien, dann ist es mit Aufklärung von Politikern nicht getan. Hier sollten die neusten Forschungsergebnisse des Fraunhofer-Instituts genauer unter die Lupe genommen werden."