Repair-Cafes haben ihren Sachverstand angeboten

Lieber reparieren statt wegwerfen

17.10.2021, 17:00 Uhr
Kaputt? Die Experten der Repair-Cafes wissen Rat.  

© Tobias Tschapka, NN Kaputt? Die Experten der Repair-Cafes wissen Rat.  

Einen großen Beitrag wider die Wegwerfgesellschaft leisten Repair-Cafés, einige davon im Landkreis Roth. Am Eisenhammer in Eckersmühlen fand am Samstag erstmals eine Veranstaltung der „Füreinander“-Kontaktstelle des Landratsamts mit den Repair-Cafés Hilpoltstein und Georgensgmünd sowie dem Näh-Repair-Café der Landwirtschaftsschule Roth statt.

Den ganzen Nachmittag über konnte man - nach Anmeldung - defekte Gerätschaften kostenlos reparieren lassen. Zudem informierten die ehrenamtlichen Reparateure über nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, wie man die Lebensdauer von Geräten verlängert. „Nicht allen, aber den meisten konnte geholfen werden“, so Sonja Winkler von „Füreinander“.

Laubbläser und Heckenschere

Über 30 hätten sich und ihre defekten Gerätschaften angemeldet: Laubbläser, Heckenschere, Kofferradios oder Kaffeemaschinen. „Einer berichtete von seiner defekten Jukebox aus den 50-ern, die aber zu groß war, um sie mitzubringen. Das wäre ein Fall für unsere geplanten mobilen Repair-Cafés, die Anfang 2022 ihren Dienst aufnehmen sollen“, so Winkler.

Das Repair-Café Hilpoltstein war mit drei Reparateuren vertreten und stand als Ansprechpartner zur Verfügung. Oder zur Vermeidung von Reparaturen. So informierte man über die Verlängerung der Nutzungszeit von Tintenstrahldruckern durch Reinigen der Permanent-Druckköpfe. Und konnte erklären, wie ein Drucker aus dem auf Maisstärke basierenden Filament PLA kleine Ersatzteile druckt.

Dem vierjährigen Julian konnte schnell geholfen werden: Bei seinem Spielzeugauto war nur ein Rad locker. Bei Susanne Schüberl aus Schwabach war es komplizierter. Bei ihrem rund 30 Jahre alten Plattenspieler stellte Reparateur Martin Kaiser vom Gmünder Repair-Café fest, dass der Magnet kaputt war. „Das lässt sich leider nicht reparieren“, so Kaiser. „Immerhin weiß ich jetzt, woran es liegt, und vielleicht kann ich irgendwo ein passendes Ersatzteil auftreiben“, freute sich Schüberl. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Plattenspielers machte Kaiser der Besitzerin wenig Hoffnung.

Ein Problem, vor dem Repair-Cafés öfters stehen. „Gerne würden wir auf Recycling-Höfen Ersatzteile suchen, aber aus rechtlichen Gründen geht das nicht, denn die Geräte gehen nach der Abgabe ins Eigentum des Entsorgers über.“ Er und seine Kollegen wünschen sich, dass man eine flexible Lösung findet, mit der alle Beteiligten zufrieden sind.

"Pippi-Max"

Einen ungewöhnlichen Reparaturfall hatte Thomas Seefried aus Schwabach mitgebracht: Einen Spielzeug-Hund, der nicht mehr pinkeln kann. Um den „Pipi-Max“ von Sohn Noah zu reparieren, war fachübergreifender Austausch von Repair-Café und Näh-Repair-Café nötig. Während sich Ute Mahl dort meistens mit Brandlöchern oder anderen Schäden an Klamotten beschäftigt, stand sie nun vor der Herausforderung, dem Beagle das Fell so aufzuschneiden, dass der Reparateur an die technischen „Innereien“ des Hundes kam.

Während im Gebäude operiert und repariert wurde, gab es draußen eine Schmiede-Aktion unter dem Motto „Aus Alt mach Neu“. Eisenhammer-Schmied Robert Mullee bot an, mitgebrachte Dinge aus Eisen nach Wunsch umzugestalten. Anne Thümmler von „Füreinander“ nutzte diese Gelegenheit, um sich ihre siebenzinkige Kartoffelgabel zu einem Meisenknödelhalter mit integrierter Vogeltränke umgestalten zu lassen.

Kreativ wurde auch der Staufer Künstler Tevauha, der vor den Augen des Publikums an einer Skulptur arbeitete: Eine Stele aus Eimern, Gießkannen, Pfannen und alten Töpfen, die allesamt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammen. Ganz oben an der Spitze befand sich eine alte Kaffeemühle. „Ich will demonstrieren, wie man aus alten Sachen was Neues machen und ihnen eine neue Wertigkeit verleihen kann“, brachte er nicht nur sein Kunstwerk, sondern den Nachhaltigkeits-Gedanken dieses ersten offiziellen Repair-Days des Landkreises auf den Punkt. Besucht wurde er von rund 130 Menschen - mit oder ohne kaputtes Gerät.

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