Klauß und eine kuriose Serie

"Der Club kann Drama gut": Warum es gegen Darmstadt (fast) immer turbulent wird

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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17.9.2022, 05:59 Uhr
Da traf sogar der Relegations-Schleusener: Spiele gegen Darmstadt sind für den Club neuerdings immer interessant.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Da traf sogar der Relegations-Schleusener: Spiele gegen Darmstadt sind für den Club neuerdings immer interessant.

3. Spieltag Saison 2020/21

Ob das etwas werden könnte zwischen dem beinahe tief gefallenen Club und dem jungen Trainer Robert Klauß wusste man zu Beginn des ersten gmeinsamen Jahres noch nicht. Immerhin war man ordentlich und mit vier Punkten aus zwei Spielen gestartet. Dann aber kam Anfang Oktober Darmstadt ins Max-Morlock-Stadion und sorgte für die erste Saisonniederlage des Clubs (ein Muster, das sich in der nächsten Spielzeit wiederholen sollte). Der Club sah nicht schlecht aus und führte 1:0 und 2:1. Am Ende aber setzte sich in einem temporeichen Spiel dennoch der Gast mit 3:2 durch - mit einem Tor durch Nicolai Rapp weit in der Nachspielzeit (auch das ein Muster, das sich wiederholen sollte).

20. Spieltag 20/21

Bis zum Rückspiel waren die Zweifel an der Beziehung zwischen Club und Klauß gewachsen. Der FCN hatte einen schrecklichen Januar hinter sich und drohte sich schon wieder in einer ungute Ingolstadt-Relegations-Richtung zu bewegen. In Darmstadt sah man dann beiden Mannschaften an, dass sie in dieser Saison nicht zu den besseren der Liga gehörten. Immerhin traf passend zum Ingolstadt-Motto Fabian Schleusener spät zum 1:0 für die Gäste. Darmstadt aber glich per Elfmeter in der 90. Minute aus, Nürnbergs Sorg flog auch noch vom Platz. Für den erlösenden Club-Sieg sorgte dann aber doch noch: wieder Rapp. Der Darmstädter köpfelte einen weiten Schlag von Nürnbergs Torwart Christian Mathenia zum großen Erstaunen aller Beteiligten in der Nachspielzeit ins eigene Tor. Und Klauß hatte den Club endgültig verstanden. "Das ist der Club. Der Club kann Drama gut", sagte er nach den verrückten finalen Minuten. Es war für den Club die Wende hin zu einer dann am Ende doch ordentlichen Spielzeit.

12. Spieltag 21/22

Die nächste begann dann noch besser. Elf Ligaspiele war der Club ungeschlagen geblieben und musste nach einem kräftezehrenden Pokalspiel gegen den Hamburger SV wieder ans Böllenfalltor. Dort gab es wie im Jahr zuvor die erste Saisonniederlage. Turbulent waren allerdings diesmal vor allem die Begleitumstände: Keine 72 Stunden nach der Niederlage den HSV sah der Club eigentlich nicht schlecht aus, hatte zwischenzeitlich über 70 Prozent Ballbesitz, am Ende aber eben auch keine Chance. Darmstadt verteidigte entspannt, traf einmal vor und einmal nach der Pause und hatte gegen einen müde werdenden Club keine Schwierigkeiten, auch die Nachspielzeit zu überstehen.

29. Spieltag 21/22

Anders als in der vorangegangenen Saison waren diesmal beide Mannschaften bis zum Ende Spitzenteams. Am 29. Spieltag sah man das im Max-Morlock-Stadion, als die Tore von Dovedan und Schleimer den Club bis in die Nachspielzeit hinein knapp mit 2:1 führen ließen - dort sorgte dann Andre Leipold für das obligatorische späte (Eigen-)Tor und das 3:1 für den Club, der sich danach wie ein potenzieller Aufsteiger hat fühlen können. Dummerweise folgte zwei Wochen später das berüchtigte Eckengegentorspiel gegen den SV Sandhausen, aber das ist eine andere Geschichte.

Und diesmal?

Würde sich Klauß schon freuen, wenn die Serie der Darmstadt-Spiele so weitergehen würde. "Die waren teilweise kurios", sagt er vor seinem fünften Treffen mit dem SVD, will aus der Vergangenheit aber erst einmal noch nichts auf die Gegenwart ableiten: "Das spielt jetzt aktuelle nicht mehr die große Rolle." Wichtiger sei, in "welcher Situation wir und Darmstadt uns aktuell befinden". Und da sieht es eben so aus, dass der Club nach wie vor damit beschäftigt ist, sich von einem nicht gerade gelungenen Saisonstart zu erholen und die Darmstädter nach einem sehr wohl gelungenen Saisonstart zuletzt dreimal in Serie nur Remis gespielt haben. Leicht favorisiert gehen die Gastgeber trotzdem in die Partie im ausverkauften Stadion. "Wir müssen ihre Wucht verteidigen", sagt Klauß zu einem Aspekt der Herangehensweise gegen eine Mannschaft, der bislang 15 Tore gelungen sind an den ersten acht Spieltagen. Eine Einschränkung macht Klauß dann aber doch noch mit Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: "Wenn wir nach dem Spiel wieder über eines reden, das kurios bis zum Ende war, dann können wir mal schauen, ob das irgendwann statistisch wertvoll wird." Schade ist in dieser Hinsicht nur, dass Nicolai Rapp inzwischen in Bremen spielt.

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