Neustart am Valznerweiher

Weinzierl legt los: Welcher Club-Profi keine guten Erinnerungen an den Trainer hat

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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6.10.2022, 05:51 Uhr
Der neue Wegweiser: Rund 300 Fans verfolgten am Valznerweiher die erste Einheit unter Trainer Markus Weinzierl.

© Sportfoto Zink / Boris Schumacher, Sportfoto Zink / Boris Schumacher Der neue Wegweiser: Rund 300 Fans verfolgten am Valznerweiher die erste Einheit unter Trainer Markus Weinzierl.

Markus Weinzierl hatte es eilig – oder einfach keine Lust, wertvolle Zeit zu verlieren. Schon eine Viertelstunde vor dem offiziell für 10.30 Uhr angesetzten Trainingsbeginn standen am Mittwochvormittag die ersten Profis des 1. FC Nürnberg auf dem Platz, wenig später legte dann der neue Mann am Valznerweiher schon los – noch etwas skeptisch bis wohlwollend beäugt von immerhin rund 300 Menschen, die mal schauen wollten, was Weinzierl denn nun großartig anders macht als sein am Sonntagabend entlassener Vorgänger Robert Klauß.

Nun laufen erste Trainingseinheiten unter neuen Trainern gemeinhin recht vorhersehbar und unspektakulär ab. Die Spieler versuchen, beim Vorgesetzten gleich einen guten Eindruck zu hinterlassen und präsentieren sich vielleicht einen Tick energischer und lauter. Der neue Trainer wiederum, sofern er nicht gerade Hans Meyer heißt, hält sich im Hintergrund, beobachtet das Geschehen mit verschränkten Armen und versucht, sich ein persönliches Bild von seinen Schützlingen zu machen.

Auch Weinzierl bildet da keine Ausnahme und überlässt zunächst seinen Assistenten Frank Steinmetz und Ersan Parlatan sowie dem Fitness- und Reha-Trainer Tobias Dippert, der das Aufwärmprogramm leitet, das Feld. Nur ein paar kurze, knackige Kommandos sind gelegentlich zu hören. "Mehr Tempo!" – "Schärfer!" – "Gut so!"

Lob für die Assistenten

"Heute war es erstmal so, dass ich mir einen Überblick verschaffen wollte, das wird aber noch variieren", sagte Weinzierl und verwies zugleich auf den "guten Trainerstab", den er hier vorgefunden habe. Deshalb wird man zunächst in dieser Konstellation weitermachen, auch wenn der 47-Jährige in Augsburg und Gelsenkirchen bevorzugt mit Tobias Zellner, früher unter anderem für den FCN und den SC Feucht aktiv, zusammengearbeitet hatte.

Einige Abläufe sind anders als unter Klauß, für ein paar Sprints geht es auf den kleinen Nebenplatz. Es folgen diverse Passübungen, Spielformen und ein Kleinfeldkick mit Torabschluss, bei dem Weinzierl schon deutlich präsenter agiert und Anweisungen erteilt. "Ich habe versucht, Schwung reinzubringen. Die Jungs haben das gut umgesetzt", lobte der Niederbayer.

Überhaupt sei der erste Eindruck "sehr positiv" und "die Stimmung gut", befand Weinzierl nach der knapp 80-minütigen Einheit. Was auch daran liegen dürfte, dass er zum Einstand einen Kader in fast kompletter Personalstärke um sich scharen darf – ein Luxus, der seinem Vorgänger zuletzt kaum einmal vergönnt war. Mit Ausnahme des Kreuzband-Patienten Tim Handwerker sind alle Profis zumindest phasenweise an Bord.

Mats Möller Daehli (Adduktoren) und Florian Hübner (Rücken) üben zwar nur individuell, dafür mischen Lukas Schleimer, Fabian Nürnberger und Taylan Duman nach mehr oder weniger längeren Verletzungspausen wieder voll mit. Ob das Trio schon am kommenden Sonntag bei Weinzierls Zweitliga-Premiere gegen Holstein Kiel (13.30 Uhr) eine Option sein kann, ließ der Coach noch offen.

Geis und das Kopfzerbrechen

Zu den Profis, die sich von einem Trainerwechsel bessere Einsatzchancen erhoffen, dürfte auch Johannes Geis zählen. Der Routinier war nach ansprechendem Beginn unter Klauß zuletzt wieder zur Teilzeitkraft mutiert. Und er kennt Weinzierl aus gemeinsamen Tagen beim FC Schalke 04. Die Erinnerung daran dürfte allerdings eher gemischte Gefühle auslösen. "Ich hatte keinen festen Platz. Mal habe ich gespielt, mal war ich raus aus dem Kader. Ich habe mir immer den Kopf darüber zerbrochen, was die Gründe dafür waren", klagte Geis 2017 im "kicker", nachdem Weinzierl von Domenico Tedesco abgelöst worden war.

"Wir hatten auf Schalke einen guten und großen Kader, da muss man als Trainer immer wieder mal Entscheidungen treffen", erklärte Weinzierl nun und versicherte, dass Geis in seinen Planungen natürlich "wie jeder andere auch" eine Rolle spiele. Mit Kapitän Christopher Schindler hat sich Weinzierl bereits ausgetauscht, "er ist und bleibt mein erster Ansprechpartner".

Unabhängig davon "weiß ich natürlich, was in den letzten Monaten hier war und kenne auch die Qualitäten aller Spieler", betont Weinzierl, Ende August etwa war er im Max-Morlock-Stadion Augenzeuge der 0:2-Niederlage gegen den Hamburger SV. "Es geht nicht um einzelne Personen, wir müssen als Mannschaft funktionieren und ein besseres Bild abgeben als in den letzten Auswärtsspielen".

Die Fortschritte verfolgen können die Fans nun übrigens wieder öfter. Unter Weinzierl soll es während der Woche zumindest zwei öffentliche Einheiten geben. "Ich habe auf Schalke gelernt, dass es der Fan als sehr wichtig empfindet, da dabei zu sein. Und wir wollen ja Nähe haben", sagte Weinzierl. Nur empfiehlt es sich vielleicht, künftig vorsichtshalber etwas früher zu kommen.

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