Furioses Comeback

26:25 gegen Lemgo: Das Feuer beim HC Erlangen brennt wieder

Sebastian Gloser

Sportredakteur

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8.2.2024, 20:50 Uhr
Alle auf die Vier: Der Körper von Stephan Seitz wurde nach der Schlusssirene von den Kollegen einem Belastungstest unterzogen. Der 22-Jährige hatte maßgeblich zum Comebacksieg beigetragen.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Alle auf die Vier: Der Körper von Stephan Seitz wurde nach der Schlusssirene von den Kollegen einem Belastungstest unterzogen. Der 22-Jährige hatte maßgeblich zum Comebacksieg beigetragen.

An Weihnachten hatten sie beim HC Erlangen jede Christbaumkugel und jeden Strohengel umgedreht. Das Unentschieden gegen Aufsteiger Balingen-Weilstetten und die Niederlage gegen Eisenach, ebenfalls ein Aufsteiger, in den Tagen zuvor hatte das Vertrauen nachhaltig erschüttert, ob sie im vergangenen Sommer alles richtig gemacht haben.

Cheftrainer Hartmut Mayerhoffer? Durfte weitermachen. Bekam mit Johannes Sellin aber einen meinungsstarken Co-Trainer an die Seite gestellt. Spielmacher Veit Mävers? Durfte nicht weitermachen. Dazu kamen weitere Personalentscheidungen, die zumindest als Fingerzeig für die kommende Saison gelten durften. Bevor sie sich noch ausführlicher um eine schönere Zukunft in der Handball-Bundesliga bemühen dürfen in Erlangen, müssen sie aber erst einmal sicherstellen, dass sie weiterhin ein Mitglied dieser Handball-Bundesliga bleiben.

Die richtigen Anpassungen?

Dem Heimspiel gegen den TBV Lemgo Lippe am Donnerstagabend zum Neustart nach der Europameisterschaft kam diesbezüglich bereits große Bedeutung zu. Ein Sieg gegen einen Gegner auf Augenhöhe sollte alle Beteiligten ja darin bestärken, dass sie um den Jahreswechsel herum die richtigen Anpassungen vorgenommen haben.

Nach dem 26:25 (13:15) gegen Lemgo lässt sich das natürlich noch nicht abschließend bewerten, das Feuer ist aber auf jeden Fall wieder entfacht.

Während der EM hatte Mayerhoffer versucht, seinen Spielern im Abschluss mehr Vertrauen und mehr Präzision anzutrainieren, das Tempospiel und "die Verantwortung für den Ball", wie es der Cheftrainer formulierte, verbessert werden. Effizienter, schneller, konzentrierter im Angriff - so lautete der Plan, mit ihrer Abwehr konnten sie ja meistens recht zufrieden sein.

Mayerhoffer sieht Gelb

Zu Beginn war davon gegen Lemgo allerdings nur wenig zu sehen. Fünf Minuten dauerte es, bis Hampus Olsson den ersten Erlanger Treffer erzielte, auch danach taten sich die Gastgeber schwer, sich gute Gelegenheiten zu erspielen, dafür häuften sich die technischen Fehler. Nach sieben Minuten erzielte Nationalspieler Christoph Steinert das 3:1, danach gaben bis zur Pause die Gäste den Ton an.

Wie wichtig die Partie für beide Mannschaften war, verdeutlichten auch zwei Szenen ohne Torbeteiligung: Weil er sich zu intensiv über eine Entscheidung des Schiedsrichterduos beschwerte, sah Mayerhoffer Gelb (15.), wenig später wollten Nikolai Link und der frühere Erlanger Nicolai Theilinger nicht voneinander lassen (18.). Die Nerven lagen frühzeitig blank.

Hitzige Stimmung bereits Mitte der ersten Halbzeit: In dieser Szene gerieten Nikolai Link und sein ehemaliger Erlanger Kollege Nicolai Theilinger aneinander.

Hitzige Stimmung bereits Mitte der ersten Halbzeit: In dieser Szene gerieten Nikolai Link und sein ehemaliger Erlanger Kollege Nicolai Theilinger aneinander. © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr

Obling, Seitz, Steinert!

Dass der Rückstand zur Halbzeit nur zwei Tore betrug, war vielleicht die beste Nachricht für die Erlanger nach 30 Minuten. Nach dem Seitenwechsel folgten noch mehr bessere Nachrichten. Erst glich Jonathan Svensson das Spiel aus (16:16, 33.), dann hielt der kurz vor der Halbzeit für den blassen Klemen Ferlin eingewechselte Bertram Obling einen Siebenmeter (34.), vier Minuten später brachte Tim Zechel den HCE vor 4532 euphorisierten Zuschauern sogar wieder in Führung (18:17, 38.).

Bis tief in die zweite Halbzeit hinein blieb es danach eine ausgeglichene Begegnung, doch dann vergaßen die Erlanger Handballer wieder die Verantwortung für den Ball und führte Lemgo plötzlich mit 25:22 (53.). Mit dem Mut der Verzweiflung, dem furiosen Stephan Seitz und einem starken Obling kämpfte sich der HCE noch einmal heran, glich erst aus und holte sich dann dank Steinert und per Siebenmeter die Führung 16 Sekunden vor Schluss zum bestmöglichen Zeitpunkt zurück. Als der letzte Lemgoer Wurf an der Latte zerschellte, schien die ganze Arena zu brennen.

Erlangen: Ferlin, Obling; Zechel 5, Svensson 5, Heiny 3, Seitz 3, Steinert 3/1, Büdel 2, Bissel 2, Olsson 2, Jeppsson 1, Link, Gömmel, Bauer.

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