Sieg beim Spitzenreiter

Akzeptiert in einem exklusiven Kreis: Ice Tigers überzeugen in München

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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15.10.2022, 14:40 Uhr

© Heike Feiner/Imago Images

Der Geschmack seines zweiten Kaugummis war m Freitagabend noch nicht verflogen, als Ryan Stoa bereits zweimal getroffen hatte. Seit etwas mehr als einem Jahr spielt der US-Amerikaner für die Nürnberg Ice Tigers, er war Stefan Ustorfs Königstransfer im Sommer 2021. Anders als viele seiner jungen neuen Kollegen hatte er auf jedem erdenklichen Niveau Eishockey gespielt: NHL, KHL, Olympia, schwedische Liga. In einer schnellen, nicht immer bedacht agierenden Mannschaft strahlte er Ruhe aus, von seinem stets malmenden Kiefer mal abgesehen. Wie wichtig er in Nürnberg sah man vor allem, als er in den Playoffs fehlte. Erst in seiner zweiten Saison aber zeigte der mittlerweile 35-Jährige, welch herausragender Offensivspieler er sein kann. Am Freitag hat das auch der Rest der Liga nicht mehr übersehen können.
Stoa trug zum 4:3 beim Spitzenreiter zwei Tore bei, einen souverän verwandelten und das besondere Kunststück, einen Münchner Schuss beinahe auf der Torlinie abzuwehren. Zwischen Elis Hede und Dennis Lobach profitierte er von der Schnelligkeit und den perfekten Pässen seiner Flügelspieler. „Was heute die Reihe um Ryan Stoa geleistet hat, war bemerkenswert“, stellte Manuel Kofler danach nüchtern fest. Der Co-Trainer vertrat Tom Rowe bei der Pressekonferenz. Schon zwei Tage zuvor hatte Kofler geahnt, was seine Mannschaft in München zu leisten im Stande sein könnte. „München, da spielen wir immer gerne. Da freue ich mich drauf.“

Überragender Treutle

Mit ihm freute sich dann das Publikum im Olympia-Eissportzentrum. Denn nach fünf eher einseitigen Spielen des EHC Red Bull München traf der Spitzenreiter der DEL auf einen Gegner, der nicht nur unangenehm, sondern vor allem sehenswert dagegen hielt. „Es war ein ungewöhnliches Spiel für uns“, sagte Don Jackson mit der Erfahrung von mehr als 1000 Spielen als Trainer in der DEL. „Wir sind zurückgekommen und haben die Führung übernommen und hatten die Chancen, die Führung auszubauen. Niklas Treutle hat überragend gespielt und viele Saves gemacht.“ Und dann sagte Jackson noch: „Ich kann mich nicht darüber beklagen, wie wir gespielt haben.“

Anders als noch fünf Tage zuvor, als die Ice Tigers mit den Eisbären den amtierenden Meister kurz vor einer Heimniederlage hatten, relativierte der Favorit Nürnbergs Leistung nicht mit einem Hinweis auf die eigene Schwäche. Zumindest Jackson scheint die Mannschaft um Ryan Stoa in den Kreis jener Gegner aufgenommen zu haben, gegen die selbst sein EHC München mal zu Hause verlieren kann. Kofler dazu: „Wir haben heute gegen eine sehr gute Mannschaft sehr gut gespielt. Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung von hinten bis vorne.“

Zwei Kaugummis pro Drittel

In dieser DEL aber verhindert es schon der Spielplan, dass man sich allzu lange freuen kann. Am Dienstag (19.30 Uhr/MagentaSport) steht für die Ice Tigers in Wolfsburg das dritte von vier Auswärtsspielen an. Am Freitag (19.30 Uhr) geht es in Frankfurt weiter.

Für Ryan Stoa werden wieder Kaugummis bereit liegen. Sein Konsum liegt bei zwei pro Drittel, die Kosten dafür übernimmt sein Arbeitgeber. In München hat der Mann aus Minnesota seine Saisontreffer sieben und acht erzielt. Besser könnten die Ice Tigers ihr Geld kaum investieren.

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