Zirkus für Straßenkinder

Neumarkter in Südafrika: Akrobatik als Weg aus der Armut

7.1.2022, 11:47 Uhr
Akrobatik vor weltberühmter Kulisse: Jannik Radeck mit einer Artistikpartnerin, im Hintergrund Robben Island, wo Nelson Mandela über 20 Jahre lang inhaftiert war.

Akrobatik vor weltberühmter Kulisse: Jannik Radeck mit einer Artistikpartnerin, im Hintergrund Robben Island, wo Nelson Mandela über 20 Jahre lang inhaftiert war.

Mitgerissen von der südafrikanischen Lebensfreude und der positiven Energie ist der Neumarkter Zirkusakrobat und -trainer Jannik Radeck von einem mehr als zweimonatigen Abenteuer in der Zirkusschule "ZipZap Circus" im südafrikanischen Kapstadt zurückgekehrt. Vorher hatte er einige Monate im Salzburger CircusTrainingsCentrum verbracht. Nach Abschluss seines dualen Studium des Sportmanagements erhielt er an dieser Zirkusschule eine einjährige Anstellung als Übungsleiter, die bis Mitte Oktober letzten Jahres andauerte.

Kaum aus Österreich zurückgekehrt, zog es den jungen Akrobaten des Artico e.V. weiter in den Süden Afrikas. In der dortigen Zirkusschule arbeitete Radeck als Volunteer. Er bekam also Unterkunft und Verpflegung gestellt, aber kein Geld für seine Arbeit. Diese bestand aus dem Choreografieren von Auftritten und dem Trainieren von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Rahmen des Projekts "Second Chance". Es ermöglicht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den kostenlosen Besuch der Zirkusschule. Der Neumarkter unterrichtete zwei Gruppen: "Dare to dream" und die "Zappers".

Spendengelder finanzieren den "ZipZap Circus". Er soll Jugendliche von der Straße holen und ihnen helfen, aus ihren teils prekären Lagen zu entkommen und ihnen so eine Zukunft bieten. Diese nehmen das Angebot auch freudig an. "Ich habe selten so dankbare Menschen erlebt", erzählt Radeck begeistert, "auch ist die Energie der Artisten bei einer Trainingsstunde ganz anders als in Deutschland."

Liebe für Tradition

Die Dankbarkeit komme nicht von ungefähr: "In Kapstadt sieht man die Schere zwischen Arm und Reich sehr drastisch auseinanderklaffen." An den Kapstadter Slums führen unbeirrt die luxuriösesten Sportwagen vorbei. Glücklicherweise gab es aber viele schöne Momente, die diese Schattenseiten überstrahlten.

Neben dem Feilen an seinen Trainerfähigkeiten fand Jannik Radeck auch Zeit, seine eigenen artistischen Künste zu erweitern. Er trainierte zwar auch mit dem für ihn altbekannten Diabolo, erwarb aber auch ihm vorher unbekannte Geschicke. Zum Beispiel das "Tricken". Hierbei wird Akrobatik mit Elementen aus Kampfsport und Tanz kombiniert. "Gerade letzteres ist eher unüblich in Deutschland, aber typisch für den afrikanischen Zirkus", berichtet er.

Obwohl er vor allem in Kapstadt war, um Neues zu entdecken, verhalf der Aufenthalt in Südafrika dem Artisten auch dazu, seine Liebe für den traditionellen Zirkus wiederzuerwecken: "Ich habe nach langer Zeit mal wieder viele alte, klassische Nummern wie etwa den Table Chair Act oder Lunatrics gesehen. Dabei handelt es sich um witzig inszenierte Kunststücke am Minitrampolin."

Für die Zukunft plant Jannik schon den nächsten Aufenthalt in einer Zirkusschule: "Es wird wohl nach Schweden oder Kanada gehen." Er zieht also vorerst weiter quer über den Globus. "Der Zirkus war schon immer mein Leben", so der Akrobat. Deshalb möchte er auf jeden Fall seinem Heimatverein Artico, in dem er aufgewachsen ist, treu bleiben und ihn irgendwann von seinen Eltern übernehmen und weiterführen.

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