29-Jähriger spricht

Bleibt er? Oder geht er doch? Was passiert mit Fürths Kapitän Branimir Hrgota?

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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23.6.2022, 18:00 Uhr
Ach, Timmy: Branimir Hrgota (rechts) wirkt sehr glücklich im Trainingslager in Saalfelden. 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Ach, Timmy: Branimir Hrgota (rechts) wirkt sehr glücklich im Trainingslager in Saalfelden. 

Es dauerte nicht lange, bis Branimir Hrgota wieder das tat, was er seit drei Jahren macht. Die ersten eineinhalb Wochen der Vorbereitung verbrachte der Kapitän des Kleeblatts bei der schwedischen Nationalmannschaft, durfte in vier Länderspielen aber keine Sekunde mitwirken. Die Enttäuschung darüber ist Hrgota anzuhören, wenn man ihn auf die Zeit anspricht - lange aufhalten will er sich damit aber nicht.

Er hat ja eine Aufgabe, die in diesem Sommer noch ein bisschen größer ist als in früheren Jahren. Mit den Vize-Kapitänen Paul Seguin und Sascha Burchert, der sich noch immer individuell in Fürth fit hält, haben zwei Führungsspieler den Verein verlassen. Zwei Spieler, die prägend waren für die Mannschaft, die vorangingen, die das Wort ergriffen, auf dem Platz und in der Kabine.

Ein richtiger Anführer

Das war durchaus zu spüren in den ersten Tagen der Vorbereitung. Doch seit Branimir Hrgota von seiner Länderspielreise zurück ist, hat die Spielvereinigung wieder einen Anführer, der diese Rolle in jeder Sekunde mit voller Leidenschaft ausfüllt. Im Trainingslager in Saalfelden sieht man den 29-Jährigen derzeit viel reden und lachen, seine Ausstrahlung ist selbst einige Meter hinter der Seitenlinie noch zu spüren.

"Von meiner Seite hat sich ja nichts verändert", sagt Hrgota am Donnerstag. "Ich versuche die Mannschaft zu steuern und zu führen so gut ich es kann." Doch wie lange er seine jungen und nicht mehr ganz so jungen Kollegen noch führt, ist auch drei Wochen vor dem Saisonstart noch nicht klar. Schon seit mehr als einem Monat wird über die sportliche Zukunft des Kapitäns diskutiert, der einer Antwort auf die Frage immer wieder ausgewichen ist.

"Es ist Fakt, dass wir ihn sehr gerne behalten würden, aber trotzdem die Möglichkeit besteht, dass er noch wechselt", sagt Geschäftsführer Rachid Azzouzi. "Sein Ziel ist die erste Bundesliga, das ist auch kein verwerfliches Ziel." In der vergangenen Saison war Hrgota mit neun Toren und sechs Vorlagen an mehr als der Hälfte aller Fürther Tore beteiligt, "er hat eine gute Saison gespielt", betont Azzouzi. "Brane ist sehr gerne hier, aber er will mit 29 Jahren natürlich so hoch wie möglich spielen."

Wer Hrgota derzeit beobachtet, der hat tatsächlich nicht das Gefühl, dass er weg will aus Fürth. Das Kleeblatt ist für ihn längst mehr als ein Arbeitgeber in der oft schnelllebigen Branche Profifußball. Es ist ein Verein, bei dem er nach schwierigen Jahren wieder zu sich und Spaß am Spiel finden konnte. "Ich bin sehr lange hier und habe vieles erlebt", sagt er. "Ich liebe diesen Verein, ich liebe diese Jungs. Was wir hier geschafft haben, ist etwas besonderes."

Laut Azzouzi gibt es "Anfragen und Interesse" anderer Klubs, bislang aber keine konkreten Angebote. Wenn Hrgota allerdings ein solches bekommt, ist der Geschäftsführer bereit, zu verhandeln und eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. "In aller Offenheit: Wenn es etwas konkretes gibt und er sich das vorstellen kann, dann müssen wir sprechen und schauen, dass man eine Lösung findet", so Azzouzi.

Er schwärmt von Hrgotas "Persönlichkeit", davon, "wie er sich als Kapitän gibt", wie er vorangeht. Auch in diesen Tagen. "Momentan gibt er sich so, dass er mit uns in die Saison startet", findet der 51-Jährige, der es seinem Spieler hoch anrechnet, dass der nach dem Aufstieg gleich um drei Jahre in Fürth verlängert hat. "Er hat immer gesagt, dass wir als Verein nicht leer ausgehen sollen, falls er wechseln möchte", sagt Azzouzi. "Es geht auch anders. Das hat er aber nicht gemacht."

Geht er? Bleibt er? Branimir Hrgota kann verstehen, dass die Menschen in Fürth nervös sind angesichts der Unklarheit. "Ich verstehe die Fans, aber die Fans verstehen mich auch", sagt er. "Falls ich gehen sollte, hätten sie sicher Verständnis. Sollten wir getrennte Wege gehen, bleibt der Verein immer in meinem Herzen."

Es war ein Satz, in den man viel hineininterpretieren konnte. Für einen möglichen Abgang wappnet sich das Kleeblatt bereits, "wir haben immer ein Was-Wäre-Wenn im Kopf", sagt Azzouzi. Nach Informationen dieser Redaktion stehen die Fürther kurz vor einer Leihe von U19-Nationalspieler Armindo Sieb vom FC Bayern.

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