Nach zwei Niederlagen

"Diese Qualität ist zu wenig da": Fürths Trainer Schneider fordert mehr Kampf

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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3.8.2022, 06:00 Uhr
"Ankommen kannst du nur, wenn du dich als Einheit dagegen stemmst, dich wehrst": Rachid Azzouzi fordert mehr Zusammenhalt seiner Mannschaft.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink "Ankommen kannst du nur, wenn du dich als Einheit dagegen stemmst, dich wehrst": Rachid Azzouzi fordert mehr Zusammenhalt seiner Mannschaft.

Was zwei Spiele und 180 Minuten Fußball alles verändern können. Vor knapp zwei Wochen schwärmte Fürths Trainer Marc Schneider noch von seiner Mannschaft, von deren Mentalität, Einstellung und Zusammenhalt. Hinter Kapitän Branimir Hrgota gebe es "ganz viele Spieler, die Verantwortung übernehmen sollen", sagte der Trainer. Und: "Die Mannschaft soll kollektiv viel Verantwortung übernehmen."

Dann aber kamen das 0:2 im Derby beim 1. FC Nürnberg und das blamable 0:2 im DFB-Pokal beim Fünftligisten Stuttgarter Kickers. Es waren zwei Spiele, die sehr viel verändert haben in Fürth. Die Stimmung unter den Fans hat sich um 180 Grad gedreht, aus Begeisterung ist Fassungslosigkeit geworden. Am vergangenen Samstag pfiffen die mitgereisten Anhänger die Spieler nach dem Schlusspfiff sogar lautstark aus.

Und auch die Worte von Marc Schneider klingen ganz anders als noch vor zwei Wochen. "Wir haben nicht die Typen auf dem Platz um zu reagieren, um die Stimmung reinzubringen und die Zweikämpfe zu gewinnen", kritisierte der Trainer in Stuttgart. Es fehlte an Spielern, die vorangehen, die auch mal dazwischenhauen, die Zeichen setzen - nach innen, in die Gruppe, aber nach außen. Gegenüber dem Gegner, dem Schiedsrichter und dem ganzen Stadion.

"Das ist auch eine Art Qualität", sagte der Trainer. "Diese Qualität ist zu wenig da." Er sei "überzeugt, dass der ein oder andere das in sich hat, sich aber noch nicht so exponiert, dass er das ständig auf dem Platz abliefert." Schon im Trainingslager in Saalfelden hatte Schneider erklärt, dass sich niemand in eine Führungsrolle pressen lasse, dass es Zeit brauche, um den nächsten Schritt auf der Hierarchie-Leiter zu gehen und auch für alle sichtbar den Führungsspieler zu geben.

"Das gilt es anzunehmen"

Dabei nahm er ausdrücklich auch jene Spieler in die Pflicht, die zuletzt schon in der ersten Liga dabei waren. Gegen Kiel und in Nürnberg waren es jeweils neun, in Stuttgart immerhin acht Fürther, die auch schon gegen Bayern und Dortmund auf dem Platz standen. "Vielleicht", überlegte Schneider, "ist in den Köpfen noch drin: Okay, ich habe ja Bundesliga gespielt." Jetzt aber kickt das Kleeblatt wieder eine Etage tiefer, dort, wo Fußball oft mehr gearbeitet als gespielt wird - "das gilt es anzunehmen", forderte Schneider.

Eine generelle Debatte über fehlende Struktur und Führung innerhalb des Teams hält Rachid Azzouzi für übertrieben. In den vergangenen Jahren gab es mit Paul Seguin und Sascha Burchert zwei prägende Spieler, die bislang noch keiner so recht ersetzen kann. "Auch die Jungs sind in diese Rollen reingewachsen", sagt der Geschäftsführer. "Wir haben jetzt Spieler, die da reinwachsen sollen." Doch das gestaltet sich natürlich mit jeder Niederlage schwieriger, weshalb der Geschäftsführer an den Zusammenhalt appelliert.

"Ankommen kannst du nur, wenn du dich als Einheit dagegen stemmst, dich wehrst", sagte er in Stuttgart. Doch eine Einheit, die gemeinsam für den Sieg kämpft, sah man am Samstagabend beim Fünftligisten nicht, was Rachid Azzouzi sauer aufstieß. "Was wir gemacht haben: Der eine hat gekämpft, der andere weniger, der eine ist gelaufen, der andere weniger. Dann reicht das auch gegen einen solchen Gegner nicht."

Damit es am Freitag reicht, wenn der Karlsruher SC um 18.30 Uhr in den Ronhof kommt, will Marc Schneider auch die enttäuschten Fans wieder mitnehmen. "Die Fans wollen den Kampf sehen, aber den haben wir nicht als Kollektiv auf den Platz gebracht", sagte der Trainer nach dem Pokal-Aus. "Es geht darum, sich nichts gefallen zu lassen, was wir zu viel gemacht haben in letzter Zeit." Jetzt soll die Mannschaft für den Umschwung sorgen. "Wir wissen, wer verantwortlich ist. Das sind wir. Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir da zusammen rauskommen und wieder zusammen Freude haben werden."

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