Jubel im Ronhof

Höchster Sieg der Saison: Kleeblatt schießt Aufsteiger Darmstadt 4:0 ab

Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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28.5.2023, 17:55 Uhr
Ein perfekter Nachmittag: Hier feiern die Fürther Spieler Simon Asta für sein Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:0.

© Sportfoto Zink / Peter Kotzur, Sportfoto Zink / Peter Kotzur Ein perfekter Nachmittag: Hier feiern die Fürther Spieler Simon Asta für sein Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:0.

Dass die Zukunft beim Kleeblatt längst begonnen hat, sah man am Sonntagnachmittag um kurz vor Halb Drei. Als Kapitän Branimir Hrgota seine Mannschaft ein letztes Mal in dieser Saison auf den Rasen des Ronhofs führte, da tat er das in ungewohnter Arbeitskleidung. Nicht mehr mit weiß-grünen Blockstreifen, wie bei den 16 Heimspielen zuvor, sondern mit einem komplett in Weiß gehaltenen Oberteil mit feinen grünen Streifen - mit dem neuen Heimtrikot, mit dem die Fürther in der neuen Saison sehr viele Erfolge feiern wollen.

Einen Vorgeschmack auf das, was sie da in der kommenden Spielzeit erwartet, bekamen die 14.333 Zuschauer aber bereits am 34. Spieltag der alten Saison. Das 4:0 gegen den Aufsteiger SV Darmstadt machte Lust auf Mehr - nicht nur wegen der vier Tore, sondern auch wegen der Spielfreude, die die Fürther Mannschaft beim höchsten Sieg der Saison ausstrahlte. Mit 41 Punkten und 47:50 Toren beenden die Fürther die Saison auf dem zwölften Tabellenplatz - in der kommenden Spielzeit soll es wieder weiter nach oben gehen.

Beim Saisonabschluss war Alexander Zorniger zu größeren Umbauten gezwungen. Neben den verletzten Damian Michalski und Oussama Haddadi fiel auch noch Sebastian Griesbeck, der vor dem Anpfiff verabschiedet worden war, angeschlagen aus, sodass der Fürther Trainer eine neue Dreierkette zusammenstellte. Anstelle Griesbecks durfte der 21 Jahre junge Maximilian Dietz sein Startelfdebüt geben, neben ihm verteidigten Gideon Jung und Luca Itter. Zudem begannen Lukas Petkov und Simon Asta anstelle von Armindo Sieb und Marco Meyerhöfer.

Nach 25 Sekunden hatten die Menschen im Ronhof den Torschrei bereits auf den Lippen. Vom eigenen Strafraum kombinierte sich das Kleeblatt schnell nach vorne, Asta flankte aus dem Halbfeld auf Petkov, dessen Schuss Alexander Brunst aber noch zur Ecke ablenken konnte. Die Devise aber war klar: Die Spielvereinigung wollte sich mit einem Sieg in die Sommerpause verabschieden. Doch statt zu jubeln hielten alle Weiß-Grünen ein paar Minuten später den Atem an.

Gideon Jung blieb nach einer Rettungstat auf dem Boden liegen und musste behandelt werden, ehe die Physiotherapeuten anzeigten, dass der Fürther Abwehrchef ausgewechselt werden muss (12.). Jener Gideon Jung, der in seinen zwei Jahren beim Kleeblatt ja schon so viel Verletzungspech hatte - der nach eingehenden Tests und mit einem Verband am rechten Oberschenkel aber ohne fremde Hilfe zur Ersatzbank zurücklaufen konnte.

Zorniger entschied sich, nicht den 17 Jahre jungen Ben Schlicke, der als einzig verbliebener Innenverteidiger auf der Bank saß, auf den Platz zu schicken, sondern mit Tobias Raschl einen zentralen Mittelfeldspieler. Mit dessen Einwechslung stellten die Fürther auf ein 4-4-2 mit Raute um, in dem Raschl und Green die beiden Achterpositionen übernahmen (15.). Danach flachte das Spiel erst einmal ein bisschen ab - doch dann durften die Fürther Fans und Spieler erstmals jubeln - allerdings nur kurz.

Raschl trifft zur Führung für Fürth - Abseits

Julian Green dribbelte auf den Darmstädter Sechzehner zu und legte dann quer zu Ragnar Ache, dessen Schuss Brunst nur nach vorne abwehren konnte, wo Raschl richtig stand und den Ball mit etwas Darmstädter Hilfe im Tor unterbrachte. Großer Jubel, Tormusik, doch dann folgte Ernüchterung. Ache war bei seinem Schuss klar im Abseits gestanden, sodass der Treffer nicht zählte (26.).

Vier Minuten später jubelte der Ronhof erneut - aus einem anderen Grund. Darmstadts Patric Pfeiffer hatte bei einem Zweikampf mit Ragnar Ache das Nachsehen und revanchierte sich mit einem klaren Tritt gegen den Bauch des Fürther Angreifers. Schiedsrichter Nicolas Winter hatte das zunächst nicht gesehen, schaute sich die Szene nach VAR-Einsatz aber nochmal am Videobildschirm an und zeigte dem Übeltäter die Rote Karte (30.).

Recht viel mehr passierte nicht mehr bis zur Halbzeit, weil es die Darmstädter meist nur mit langen Bällen versuchten, die für die Fürther Defensive aber kein größeres Problem waren. In der 42. Minute schaltete sich Dietz in seinem ersten Spiel von Beginn an nach vorne ein und suchte nach einem Doppelpass seinen Angriffskollegen Lukas Petkov, der im Strafraum aber nicht mehr an den Ball kam. Kurz vor dem Pausenpfiff verschätzte sich der junge Verteidiger bei einem langen Ball, Gefahr entstand daraus aber genauso wenig wie aus einem Darmstädter Freistoß.

Raschl schießt Fürth in Führung - diesmal zählt's

Fünf Minuten nach Wiederanpfiff wurde es wieder laut im Stadion - und diesmal zählte der Treffer auch. Marco Johns Zuspiel auf Raschl wurde von Darmstadts Phillip Tietz noch leicht abgefälscht und fiel dem Fürther genau vor die Füße. Raschl nahm Maß, traf den Ball aus sechs Metern perfekt und haute ihn unhaltbar zum 1:0 ins Tor (50.). Kurz darauf sorgte Andreas Linde auf der anderen Seite des Feldes mit einem zu kurz geratenen Zuspiel auf Raschl für ein Raunen im Ronhof, doch die gefährliche Situation ging glimpflich aus.

In der 58. Minute drehte Simon Asta den Lautstärkeregler dann auf Anschlag. John verlagerte das Spiel von der linken auf die rechte Seite, wo sein Außenverteidigerkollege ein paar Meter dribbelte und dann aus knapp 20 Metern abzog. Mithilfe der Unterkante der Latte schlug der wuchtige Schuss im Netz ein (58.), bei seinem Jubellauf an der Nordtribüne entlang wurde der Torschütze ausgiebig für sein Traumtor gefeiert.

Nur wenige Augenblicke nach dem 2:0 verhinderte Andreas Linde im Eins-gegen-Eins gegen Braydon Manu (60.) den Anschlusstreffer - der Darmstädter wäre aber ohnehin im Abseits gestanden. Statt 2:1 stand es nach 65 Minuten sogar 3:0 fürs Kleeblatt, nachdem Ache eine Flanke von Hrgota mit dem Bauch ins Netz befördert hatte, doch erneut zählte ein Fürther Tor wegen Abseits nicht.

Direkt nach seinem vermeintlichen Tor hatte Ache Feierabend, für ihn kam Sieb, der wenig später aus der Drehung knapp am Darmstädter Tor vorbeischoss (69.). Zwei Minuten später aber durfte auch der junge Fürther Angreifer wieder jubeln - zum ersten Mal seit dem 16. Spieltag, als er das Kleeblatt gegen den HSV zum Sieg geschossen hatte. Der erneut auffällige Green steckte durch auf Petkov, der genau auf den Kopf von Sieb flankte. Ein wuchtiger Kopfball, schon stand es 3:0 fürs Kleeblatt (71.).

Julian Green haut den Ball in den Winkel

Doch zufrieden gab sich das wie entfesselt aufspielende Kleeblatt damit noch lange nicht. Eine gute Viertelstunde vor Schluss zog Green von links in die Mitte und dann einfach mal aus 25 Metern ab. An einem Nachmittag, an dem alles zu klappen schien, schlug der Ball natürlich perfekt im Kreuzeck ein - 4:0 fürs Kleeblatt. Die euphorisierten Fans auf den Rängen dachten längst schon an Größeres - und sangen: "Deutscher Meister wird nur das Kleeblatt Fürth".

In der 83. Minute hatten Marco John, Lukas Petkov und Julian Green dann Feierabend, Oualid Mhamdi, Sidney Raebiger und Afimico Pululu durften zum Abschluss auch noch ein paar Minuten mitspielen. In den letzten Minuten erhob sich der Ronhof komplett, die Fans beklatschten ihre Mannschaft für eine in der zweiten Hälfte sehr gute Leistung. Um 17.19 Uhr pfiff der Schiedsrichter überpünktlich ein letztes Mal und beendete eine oft schwierige und anstrengende Saison - die für alle Fürtherinnen und Fürther sehr schön zu Ende ging.

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