Gelb-Rot für Jung

Lange in Unterzahl: Kleeblatt holt beim 1:1 in Darmstadt einen Punkt

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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13.11.2022, 15:26 Uhr
Die Belohnung für eine gute erste Hälfte: Damian Michalski glich kurz vor der Pause fürs Kleeblatt aus.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Die Belohnung für eine gute erste Hälfte: Damian Michalski glich kurz vor der Pause fürs Kleeblatt aus.

Beim SV Darmstadt bauen sie gerade an einer erfolgreichen Zukunft. Das altehrwürdige Böllenfalltor haben sie in den letzten Jahren schon weitgehend in ein modernes Fußballstadion verwandelt, wenngleich die Haupttribüne noch nicht ganz bezugsfertig ist. Sportlich haben sie sich ebenfalls eine Mannschaft zusammengebaut, die erfolgreichen Fußball spielt - und die sich als sogenannter "Herbstmeister" große Hoffnungen machen darf, in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen.

Zum Jahresausklang empfing der SVD am Sonntagnachmittag das Kleeblatt. Dessen neuer Trainer Alexander Zorniger hatte am Freitag extra nochmal betont, dass sich die Stimmung in Fürth nach drei Siegen in Folge anfühle, als würde die Spielvereinigung bereits "an die Aufstiegsplätze anklopfen. Fakt ist aber, dass wir drei Punkte von einem direkten Abstiegsplatz entfernt sind." Nach dem 1:1 (1:1) in Darmstadt beendet das Kleeblatt die Hinrunde mit 20 Punkten auf Rang zehn - und mit weiterhin drei Zählern Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Drei Wechsel beim Kleeblatt

Für das letzte Spiel des Jahres auf der Baustelle Böllenfalltor musste Zorniger seine Startelf umbauen - allerdings gezwungenermaßen, wie er vorab bereits angekündigt hatte. Im Tor vertrat Leon Schaffran den an der Wade verletzten Andreas Linde, Gideon Jung übernahm in der Innenverteidigung für den gelbgesperrten Sebastian Griesbeck, Marco Meyerhöfer durfte nach einem Spiel Pause wieder auf der rechten Außenbahn im 3-4-1-2 ran.

Nach zwei Minuten endete die schöne Fürther Zu-Null-Serie bereits - mit einem maximal einfachen Darmstädter Angriff. Phillip Tietz verlängerte einen Abstoß von Alexander Brunst in den Lauf von Braydon Manu, der mit dem Ball am Fuß quer zum Fürther Sechzehner lief und dann für Emir Karic auflegte. Der Darmstädter Außenverteidiger nahm das Zuspiel direkt und traf genau in den Winkel zum frühen 1:0.

Es war der perfekte Start für den Herbstmeister, der das ohnehin schon euphorisierte Publikum damit sofort mitnahm. Abgesehen von einem Flachschuss von Armindo Sieb aufs kurze Eck, der kein Problem für Brunst war (7.), wurde das Kleeblatt in der Anfangsviertelstunde nicht wirklich gefährlich - wirkte aufgrund des Rückstandes aber keineswegs schockiert, sondern war spielerisch die bessere Mannschaft.

Doch nach knapp 20 Minuten folgte der zweite Rückschlag. Ragnar Ache hatte in einem Sprintduell von Darmstadts Manu einen Schlag abbekommen, war deshalb am Oberschenkel behandelt worden und saß wenig später wieder auf dem Boden. Für den verletzten Angreifer kam Julian Green aufs Feld, der die Zehnerposition von Branimir Hrgota übernahm, der wiederum auf Aches Position im Angriff rückte.

In der 24. Minute hatten die mitgereisten Fans im Gästeblock den Jubelschrei bereits auf den Lippen. Die Fürther führten einen Freistoß im Mittelfeld schnell aus, Marco John flankte perfekt auf den mitgelaufenen Damian Michalski, der den Kopfball eigentlich auch perfekt gegen die Laufrichtung des Darmstädter Torhüters setzte. Doch Brunst bekam irgendwie noch seinen Finger an den Ball und lenkte ihn so an den Pfosten. Der Ausgleich wäre aufgrund des weiterhin mutigen Auftritts des Kleeblatts inzwischen längst verdient gewesen.

Auch in der Folgte hatte die Spielvereinigung nach dem Hamburger SV den nächsten Aufstiegsfavoriten weitgehend im Griff und spielte den schöneren Fußball spielte - ohne allerdings zu wirklich zwingenden Chancen zu kommen. In der 41. Minute lief Armindo Sieb seinem Gegenspieler davon, brachte nach einem langen Sprint über den halben Platz aber nicht mehr genügend Wucht in seinen Schuss, den Brunst noch zur Seite abwehren konnte.

Die nachfolgende fünfte Ecke des Kleeblatts im ersten Durchgang führte dann zum Erfolg: John brachte den Ball erneut perfekt auf Michalski, der ihn, bedrängt von drei Gegenspielern, zu seinem vierten Saisontor einköpfte (42.). Drei Minuten später hätte Sieb das Spiel sogar noch gedreht, sein Schuss sprang aber vom Innenpfosten nicht ins Netz, sondern zurück ins Feld, wo John einige Sekunden darauf nach Flanke von Hrgota deutlich über die Latte köpfte.

Gelb-Rot kurz nach Wiederanpfiff

Halbzeit. 1:1. Nur Eins-zu-Eins aus Sicht des Kleeblatts - das auch im vierten Spiel unter Alexander Zorniger einen sehr guten Eindruck machte und sich vom frühen Gegentor sowie der Verletzung von Ragnar Ache nicht aus dem Konzept bringen ließ. Die Unzufriedenheit der Menschen auf der Gegengerade des Böllenfalltors war ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Fürther sehr vieles richtig gemacht hatten.

Doch nur kurz nach Wiederanpfiff jubelte das Böllenfalltor. Gideon Jung, der in der 44. Minute seine erste, zu harte, Gelbe Karte gesehen hatte, stieg Tietz im Zweikampf auf den Fuß und flog deshalb in der 48. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Wutentbrannt stapfte der Fürther Unglücksrabe, der zuletzt im August 2021 von Beginn an gespielt hatte, vom Feld und donnerte eine Trinkflasche gegen die Tribünenwand.

Zorniger reagierte sofort, nahm mit Sieb einen Stürmer vom Platz und brachte Luca Itter. Der Wechsel hatte einige Umstellungen zur Folge. Oussama Haddadi rückte auf Jungs Position rechts in der Dreierkette, Itter dafür nach links. In Unterzahl zogen sich die Fürther natürlich weiter zurück, verteidigten weitgehend mit einer Fünferkette und in einem 5-1-2-1 mit Hrgota als einzigem Stürmer.

Offensiv lief so nicht mehr viel zusammen - dafür verteidigten die neun Fürther weiterhin sehr konzentriert - auch die wenigen Standardsituationen der "Standardkönige" der zweiten Liga, die zuvor zehn Tore nach Freistößen und Ecken erzielt hatten. Bei den wenigen Entlastungsangriffen in der Schlussphase fehlte dem Kleeblatt entweder die Kraft oder der Mut, um diese erfolgreich auszuspielen.

Zehn Minuten vor dem Ende musste Schaffran zweimal eingreifen, in der 84. Minute brachte Zorniger mit Dickson Abiama (für Hrgota) und Jeremy Dudziak (für Meyerhöfer) zwei frische Spieler, um das Unentschieden über die Zeit zu bringen. Das rettete drei Minuten vor Schluss Ersatztorhüter Schaffran mit einer starken Parade im Eins-gegen Eins gegen Tietz, Dudziak hatte zuvor das Abseits aufgehoben. Auch die Nachspielzeit überstand das Kleeblatt schadlos - und blieb so auch im vierten Spiel unter Alexander Zorniger ungeschlagen.

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