Kolumne zum Kleeblatt

Laubenweg 60: Zu viel Stille im Ronhof

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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24.1.2023, 15:00 Uhr
Bitte ein bisschen lauter: Alexander Zorniger will die Fans mitnehmen.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Bitte ein bisschen lauter: Alexander Zorniger will die Fans mitnehmen.

Dass er als Trainer gerne auch über den Tellerrand, pardon: über die Seitenlinie hinausschaut, hat Alexander Zorniger schon vor seinem ersten Spiel klargemacht. Ein paar Tage nach seiner Amtsübername empfing das Kleeblatt ja Arminia Bielefeld zum Krisengipfel, den Zorniger nur mithilfe der Fans zu gewinnen glaubte.

Also wandte er sich in einem Video an die Menschen, die ihr Herz an die Spielvereinigung verloren haben. Im Ronhof war es dann tatsächlich etwas lauter als sonst, ein paar Tage später peitschte der Trainer nicht nur seine Spieler, sondern auch die Menschen auf der Haupttribüne an. Ein bisschen lauter, bitte, schien er den Zuschauern dort zuzurufen - Eure Mannschaft braucht Euch.

Die Botschaft verfing, gegen den Hamburger SV sah man auch die Menschen auf der Gegengerade plötzlich ungewohnt emotional, mancher rannte bis zur Brüstung nach unten, um dem Linienrichter oder Hamburger Spieler kurz mal die Meinung zu sagen. Der Ronhof lebte, er sang, klatschte und trieb seine Mannschaft zweimal zum Sieg. Alexander Zorniger betonte immer wieder, wie gut er das fand, wie sehr ihm der Stimmungsumschwung, diese leidenschaftliche Positivität, gefiel.

Am Samstag beim Testspiel gegen Linz aber war es dem Trainer deutlich zu ruhig. Das war aber kein Vorwurf an die knapp 500 Menschen, die in den Ronhof gekommen waren. "Egal ob 16.000 oder 150", sagte Zorniger. "Der Zuschauer ist ein Indikator, wie gut du im Spiel bist. Es war in der ersten Halbzeit viel zu leise von den Rängen - weil wir sie nicht gezwungen haben, lauter zu werden."

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