Folgen der Pandemie

Messeplatz Nürnberg: Immer weniger Lagerfeuer - und Umsatz

Verena Litz
Verena Litz

Leiterin Redaktion Politik und Wirtschaft

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15.1.2022, 05:30 Uhr
Corona wirbelt den Veranstaltungskalender der NürnbergMesse kräftig durcheinander.

Corona wirbelt den Veranstaltungskalender der NürnbergMesse kräftig durcheinander. © Heiko Stahl, NZ

Die Spielwarenmesse, Weltleitschau ihrer Branche, ist abgesagt, das Öko-Duo Biofach/Vivaness, das ebenfalls im Februar stattfinden sollte, ist nun für 26. bis 29. Juli geplant. Damit nicht genug: Die Getränketechnologie-Messe BrauBeviale, die im November ihre Tore öffnen sollte, „setzt auf Wunsch der Branche aus“, wie die NürnbergMesse am Freitag auch gleich noch mitteilte. Und es dürften nicht die letzten Planänderungen gewesen sein im Jahr 3 der Pandemie.

Die Entwicklung treibt auch Udo Raab um. "Messen sind für den Standort Nürnberg wichtig - wirtschaftlich und auch mit Blick aufs Image", erklärt der Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken. Wenn Veranstaltungen - erst recht internationale - nicht stattfinden, dann ziehe das Kreise: "Auch Hotellerie, Gastronomie, Verkehrsbetrieben, Taxis und dem Einzelhandel fehlt dann Umsatz." Und die Unternehmen, die normalerweise auf den Messen Geschäfte abschließen, "müssen diese Aufträge nun auf andere Weise akquirieren".

"Mit allen Sinnen erleben"

Die digitalen Formate, mit denen die Messeveranstalter arbeiten, um ihren Kunden ein Forum zu bieten, seien wichtig, betont Raab. "Sie ersetzen aber die Präsenzveranstaltungen nicht, auf denen man die Produkte mit allen Sinnen erleben und persönliche Kontakte pflegen kann."

Das sehen die Verantwortlichen der NürnbergMesse und der Spielwarenmesse ebenso. NürnbergMesse-Chef Peter Ottmann hat Präsenzschauen im Interview mit dieser Zeitung einmal als "eine Art Lagerfeuer für die jeweiligen Branchen" charakterisiert.

Eine Definition, die Spielwarenmesse-Chef Christian Ulrich wohl sofort unterschreiben würde. Für die Spielwarenmesse ist es bereits die zweite Präsenzschau in Folge, die wegen Corona abgesagt wurde - zuletzt traf sich die internationale Spielwaren-Szene Anfang 2020 in Nürnberg.

Spielwarenmesse zieht die Reißleine

Vor einem Monat noch hatte die Spielwarenmesse eG – sie ist Eigentümerin der Weltleitschau - gemeldet, dass das Treffen Anfang Februar in den Ausstellungshallen in Langwasser stattfindet. Nun musste doch die Reißleine gezogen werden.

"Wir haben intensiv gekämpft"

„Für eine Durchführung der Präsenzveranstaltung haben wir intensiv gekämpft und dafür zunächst auch starke Unterstützung aus den weltweiten Spielwarenmärkten erhalten“, sagt Ulrich. Gerade die Vielzahl an Anbietern ohne internationales Vertriebsnetz hatte noch im Dezember an die Organisatoren appelliert, die für ihr Auslandsgeschäft wichtige Messe aufrecht zu erhalten, heißt es vonseiten des Unternehmens. Doch Omikron zerstörte alle Hoffnungen.

Ulrich und sein Team setzen nun auf "Spielwarenmesse Digital", eine multifunktionale Plattform, die Aussteller bereits fleißig bestückt haben und die am 19. Januar für das Fachpublikum an den Start geht. "Wir wären heuer sowieso hybrid gefahren und das wird auch weiterhin so sein - mit und ohne Corona", sagt Ulrich. Die Sonderschau "Toys go Green" werde ebenfalls auf der digitalen Plattform zu finden sein und auch die Vorträge des "Toy Business Forums".

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