Kleiner Kompakter mit Dreizylinder-Motorisierung

Im Fahrbericht: Skoda Fabia 1.0 TSI

Ulla Ellmer

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13.5.2022, 18:43 Uhr
Die Vorgängergeneration gab es auch noch als "Combi". Der Fabia IV fährt ausschließlich als klassischer Fünftürer vor.

© Hersteller Die Vorgängergeneration gab es auch noch als "Combi". Der Fabia IV fährt ausschließlich als klassischer Fünftürer vor.

Wie er aussieht: Seit Herbst 2021 hat man es bereits mit der vierten Generation des Skoda Fabia zu tun. Der erste dieses Namens kam 1999 auf den Markt und löste den Felicia ab, über den die Automobilgeschichte anschließend den Mantel des Vergessens gebreitet hat. Hätte man damals schon einen Blick auf den Fabia IV werfen können, so wäre eine Klassifizierung als Kleinwagen wohl hohnlachend abgelehnt worden. 3,97 Meter maß der Fabia I in der Länge, sein heutiger Nachfolger bringt es auf 4,11 Meter. In diesen Regionen hat sich zwischen 1997 und 2003 der Golf IV bewegt. Mit dem größentechnischen Erwachsenwerden ist eine Maskulinisierung der Formensprache einhergegangen: Der Fabia pflegt eine sachlich-technoide Linienführung mit dekorativen Sicken und Kanten. Niedlich sieht definitiv anders aus.

Geblieben ist über die Jahre die enge Verwandtschaft mit VW Polo und Seat Ibiza, gemeinsam mit dem Audi A1 entsteht das MQB-A0-Plattformquartett.

Wie er eingerichtet ist: In allerbester Verarbeitungsqualität. Vom Hartplastik hat sich der Fabia zwar nicht befreit, aber erstens ist es von der schöneren, nämlich feinporigen Art und zweitens ging es in unserem Testwagen eine Koexistenz mit Chrom-Deko, Klavierlack, Stoffverbrämungen und Ambientelicht ein. Das ergibt eine sehr wohnliche Atmosphäre, in der es sich auf Annehmlichkeiten wie Zweizonen-Klimaautomatik, Smartphone-Anbindung sowie ein Szenario aus digitalem Fahrerdisplay und bis zu 9,2 Zoll großem Touchscreen zurückgreifen lässt.

Auf Wunsch lässt sich ein Digital-Cockpit ordern.

Auf Wunsch lässt sich ein Digital-Cockpit ordern. © Hersteller

Bedientechnisch macht der Fabia seinen Nutzern das Leben maximal leicht. Die Menüführung des Infotainments ist logisch aufgebaut, und Funktionen wie Sitzheizung und Klimatisierung lassen sich nach guter alter Analog-Schule direkt ansteuern. Wir werden uns sehnsuchtsvoll daran erinnern, wenn wir das nächste Mal in einem VW Golf oder ID.3 sitzen.

Gescheitert sind wir an der Sprachsteuerung, die muss erst über eine extra zu erwerbende App aktiviert werden.

Wie viel Platz er hat: Auch räumlich ist der Fabia aus den Kinderschuhen eines Kleinwagens herausgewachsen. Vorne wie hinten ist auf bequemen Sitzen gut leben, vor allem den Konkurrenten Opel Corsa mit seinem eng verknappten Fond stellt der Skoda klar in den Schatten. Auch das Gepäckabteil unterstreicht die Eignung für mehr als nur die kleine Reise. 380 bis 1190 Liter packt es weg, mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass nach Umlegen der Rücksitzlehnen keine ganz ebene Ladefläche entsteht. Wettgemacht wird das durch den variablen Ladeboden, die flexible Kofferraumabdeckung und die praktische Wendematte mit gummierter Unterseite, wobei es sich hier allesamt um aufpreispflichtige Details handelt.

Durch Umklappen der Rücksitzlehnen entsteht eine fast ebene Ladefläche.

Durch Umklappen der Rücksitzlehnen entsteht eine fast ebene Ladefläche. © Hersteller

Nicht unerwähnt lassen wollen wir auch weitere der teils optionalen „Simply Clever“-Details, das Regenschirmfach in der Fahrertür beispielsweise, die umklappbare Beifahrersitzlehne, die Multifunktionstasche, die unter der Gepäckraumabdeckung einzuhängen ist oder die Smartphone-Taschen an den Rückenlehnen der Vordersitze.

Was ihn antreibt: Ein Einliter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 81 kW/110 PS, der 200 Newtonmeter Drehmoment produziert. Sie lesen weder das Wort „Hybrid“ noch irgendwas von Elektrifizierung? Mit beidem kann der Fabia grundsätzlich nicht dienen, es würde ihn zu teuer machen, lässt Skoda wissen. Unser Testwagen war mit manuellem Sechsganggetriebe ausgestattet. Wer die Schaltarbeit lieber einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) überantwortet, kann dies gegen ein Aufgeld von 1500 Euro tun.

Wie er sich fährt: Prima. Im unteren Drehzahlbereich lässt es das kleine Dreiender-Maschinchen zwar noch etwas verhaltener angehen, dann aber wird es richtig munter und bringt den Fabia ordentlich auf Trab. Wir finden: Dieser Antrieb ist eine sehr agiler und stimmiger, zumal sich der kleine Kompakte auch akustisch lobenswert gesittet verhält. Von 0 auf 100 km/h eilt er in 9,7 Sekunden, in der Spitze werden 205 km/h vorgelegt, das ist ziemlich respektabel.

Sieht man einmal von einer gewissen Abneigung gegenüber stößigen Querfugen ab, tendiert das Fahrwerk eher in Richtung Komfort, was aber nicht heißt, dass man den Fabia nicht auch engagiert um die Kurven treiben könnte, tadellos beherrschbar bleibt er sowieso.

Der Fabia verzichtet nicht nur auf Hybridisierung, sondern auch auf den Diesel.

Der Fabia verzichtet nicht nur auf Hybridisierung, sondern auch auf den Diesel. © Hersteller

Gegen Extra-Salär lässt sich viel elektronisches Dienstpersonal verpflichten. Die verlässlich funktionierende Verkehrszeichenerkennung beispielsweise, die Rückfahrkamera, den sehr gut arbeitenden Parklenkassistenten, den verbesserten Spurwechselassistenten, der bis zu 70 Meter entfernte Fahrzeuge erkennt, aber auch den sogenannten „Travel Assist“, der bis zu einem Tempo von 210 km/h den Abstand zum Vorausfahrenden wahrt und den Fabia dabei in der Spur hält.

Was er verbraucht: 4,5 bis 4,8 Liter pro 100 Kilometer, verspricht das Datenblatt. Da war unser Testwagen durstiger. Im Schnitt wollte er 6,2 Liter auf die Distanz haben. Wem die 40 Liter des Standard-Tanks nicht ausreichen, bekommt gegen 50 Euro Aufpreis einen größeren mit 50 Litern Fassungsvermögen.

Was er bietet: Der 1.0 TSI mit 81 kW/110 PS erfordert mindestens das mittlere Ausstattungslevel von fünfen. Es heißt „Ambition“ und hält unter anderem LED-Scheinwerfer, höhenverstellbare Vordersitze, Klimaanlage, Frontradarassistent mit City-Notbremsfunktion, Spurhalteassistent, Speedlimiter und Müdigkeitserkennung vor.

Unser Testwagen entsprach dem nächsthöheren „Style“-Level und zeigte trotzdem auf, was sich der Aufpreisliste noch so alles entnehmen lässt: Vom Business-Paket mit Top-Navi „Amundsen“, Verkehrszeichenerkennung, kabelloser Smartphone-Anbindung und variablem Ladeboden über das Funktionspaket, unter anderem mit Sitzheizung, beheizbarer Frontscheibe und Zweizonen-Klimaautomatik, bis hin zu Panoramaglasdach und Rückfahrkamera sind die Möglichkeiten, den Basispreis noch kräftig anzuheben, vielfältig.

Klare Linie: Die Designer haben auf Sachlichkeit gesetzt.

Klare Linie: Die Designer haben auf Sachlichkeit gesetzt. © Hersteller

Was er kostet: Ab 19.890 Euro. Unser Testwagen in „Style“-Ausstattung (ab 21.890 Euro) und mit zahlreichen Extras kam auf schon ziemlich happige 29.720 Euro.

Was wir meinen: Wertige Verarbeitung, wohnliches Ambiente, prima Infotainment, sehr gute Fahrleistungen und ein vergleichsweise hohes Maß an Funktionalität – unter den kleinen Kompakten zählt der Skoda Fabia zu den Besten, auch wenn ihm antriebstechnisch die fast schon allgegenwärtige Teilelektrifizierung abgeht. Die Qualitäten rechtfertigen auch einen Preis, der jenseits der Schnäppchen-Regionen angesiedelt ist.

Die Daten des Skoda Fabia 1.0 TSI :

Motor Otto

Hubraum 999 ccm

Zylinder 3

Leistung 81 kW/110 PS bei 5500/min

max. Drehmoment 200 Nm bei 2000 - 3000/min


Höchstgeschwindigkeit 205 km/h

Beschleunigung 0 - 100 km/h 9,7 sec


Normverbrauch WLTP 4,5 – 4,8 l/100 km

Testverbrauch 6,2 l/100 km

CO2-Emission 103 - 110 g/km

Schadstoffnorm Euro 6d ISC

Energie-Effizienzklasse B


Länge 4,11 m

Breite 1,78 m

Höhe 1,48 m

Sitzplätze 5

Gepäckraum 380 bis 1190 l

Kraftstoff-Tank 40 l, optional 50 l

Leergewicht 1165 - 1317 kg

zulässiges Gesamtgewicht 1561 - 1680 kg

Anhängelast 1100 kg (gebremst), 580 - 590 kg (ungebremst)


Manuelles Sechsganggetriebe, Frontantrieb


Versicherungs-Typklassen 14 (KH), 20 (TK), 19 (VK)


Preis ab 19.890 Euro

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