Gutachten

Rente mit 68? Diese Jahrgänge wären betroffen

Manuel Kugler
Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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8.6.2021, 14:46 Uhr
Immer weniger Beschäftigte müssen für immer mehr Rentner aufkommen.

© Sebastian Gollnow, NNZ Immer weniger Beschäftigte müssen für immer mehr Rentner aufkommen.

Woher stammt die Forderung nach der Rente mit 68?

Aus einem neuen, knapp 60-seitigen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums. In dem Gremium, das Minister Peter Altmaier (CDU) berät, sitzen 39 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Stellvertretende Vorsitzende ist Regina T. Riphahn, Professorin für Statistik und empirische Wirtschaftsforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Auch die Nürnberger Wirtschaftsweise Veronika Grimm ist Teil des Gremiums, ihre Mitgliedschaft ruht allerdings.

Wie begründen die Experten ihren Vorstoß?

Immer weniger Beschäftigte müssen für immer mehr Rentner aufkommen – von diesem Grundproblem, das der Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand noch verschärfen wird, gehen die Autoren des Gutachtens aus. Die steigende Lebenserwartung führt ferner dazu, dass Menschen immer länger Rente beziehen.

Deshalb sei eine „Anpassung des Rentenzugangsalters an die Lebenserwartung (...) unerlässlich“, heißt es darin. Nach derzeit geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Danach müsste das Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2042 auf 68 Jahre steigen, so die Autoren. Betroffen wären alle Arbeitnehmer, die heute 47 Jahre oder jünger sind.

Und das gilt kategorisch?

Nein. Die Forscher plädieren dafür, die Norm einer für alle gültigen Regelsaltersgrenze durch das Konzept eines „Renteneintrittsfensters“ zu ersetzen, „innerhalb dessen die Menschen ihr Eintrittsalter frei wählen können und damit auch ihre genaue Rentenhöhe bestimmen“.

Was fordern sie noch?

Derzeit stellt eine Garantie sicher, dass Ruheständler zwar stets von steigenden Löhnen profitieren, bei sinkenden Löhnen aber keine Einbußen hinnehmen müssen – wie das auch in Coronazeiten der Fall ist. Auch im Nachhinein werden die Renten nicht mehr abgeschmolzen. Diese Garantie sorge für eine „einseitige Besserstellung“ der Rentner zulasten der Beitragszahler, „und zwar umso mehr, je tiefer die Rezession ausfallen wird“. Die Garantie solle, fordert der Beirat, noch vor 2025 abgeschafft werden.


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Wird das alles tatsächlich umgesetzt?

Nein. Das Gutachten sei zwar wichtig für die Debatte, teilte Altmaiers Ministerium mit, das Thema Rente sei jedoch eines für die Zeit nach der Bundestagswahl. Dass ein höheres Renteneintrittsalter so umstritten ist, liegt laut den Autoren übrigens an der „Fehlvorstellung“, der Gesundheitszustand der meisten älteren Menschen lasse es nicht zu, noch länger zu arbeiten. Auch gebe es „keine Evidenz“, dass die Arbeitsproduktivität im Alter tatsächlich nachlasse.

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