Wie schnell sind die Einsatzkräfte?

Gunzenhausen: So lange warten wir auf die Feuerwehr

Jürgen Eisenbrand
Jürgen Eisenbrand

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10.1.2022, 06:08 Uhr
Sie sind – laut Statistik – besonders schnell am Einsatzort: Die Floriansjünger aus Heidenheim, hier bei einem Einsatz im vergangenen Juli.

Sie sind – laut Statistik – besonders schnell am Einsatzort: Die Floriansjünger aus Heidenheim, hier bei einem Einsatz im vergangenen Juli. © Wolfgang Dressler, NN

Der Jahreswechsel ist brandgefährlich: Bundesweit kommt es in der Advents- und Weihnachtszeit zu rund 29000 Bränden, meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zuletzt. Dafür sorgen vor allem Adventskränze mit echten Kerzen, aber auch viele Weihnachtsbäume. Umso wichtiger ist es, dass die Rettungskräfte schnell vor Ort sind: In Bayern gilt eine gesetzliche Hilfsfrist von 12 Minuten, in ländlichen Bereichen von Thüringen sind es 17, in Nordrhein-Westfalen sind per Gesetz acht Minuten vorgesehen.

In Westheim am schnellsten

Rund um Gunzenhausen wird das 12-Minuten-Limit laut der IW-Studie deutlich unterschritten: Am schnellsten sind demnach die Brandlöscher in Westheim vor Ort (1,9 Minuten), am längsten müssen Betroffene in Theilenhofen (8,0), Alesheim (8,8) und Ornbau (10,5) auf die Helfer warten. Übertroffen wird das 1600-Einwohner-Städtchen in Altmühlfranken nur von Bergen (12) und Ettenstatt (13,4), wo die gesetzliche Frist nur knapp beziehungsweise nicht gehalten wird. Besonders flott sind die Feuerwehren hingegen in Heidenheim (2,5 Minuten), Gnotzheim (3,1), Muhr am See (3,2) und Markt Berolzheim, gefolgt von Unterschwaningen und Wolframs-Eschenbach (je 4,2), Mitteleschenbach (4,4) und Absberg (4,9). Mehr als 5 Minuten Anfahrt zum Brandherd benötigen laut Statistik die Feuerwehrler in Haundorf (5,1), Gunzenhausen und Meinheim (je 5,4), Merkendorf (5,5) und Dittenheim. Und mehr als sechs Minuten muss man auf die Kameraden aus Arberg (6,0), Weißenburg (6,5), Pfofeld (6,7) und Spalt (6,9) warten – allesamt Hilfsfristen, die weit unter den gesetzlichen Anforderungen liegen.

Besonders schlecht schneiden übrigens Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ab: In Warrenzin sind die Retter mehr als 30 Minuten unterwegs, ehe sie am Einsatzort ankommen. Aber auch in einigen Regionen im Westen braucht die Feuerwehr recht lange: Dazu zählen niedersächsische Gemeinden wie Haselünne (12 Minuten), aber auch Gemeinden im Schwarzwald wie Schenkenzell (13 Minuten) oder Regionen in Rheinland-Pfalz wie Bad Breisig (16 Minuten). Insgesamt brauchen die Retter in rund zwei Prozent der deutschen Kommunen länger als 12,5 Minuten. Die Großstädte schneiden mit Werten zwischen sechs und acht Minuten mittelmäßig ab. Besonders schnell ist die Feuerwehr rein rechnerisch in den thüringischen Gemeinden Rattelsdorf und Seisla mit jeweils nur rund 30 Sekunden Anfahrzeit.

Fünf Prozent Berufsfeuerwehren

Von allen Feuerwachen in Deutschland sind laut IW nur etwa fünf Prozent Berufsfeuerwehren, alle anderen zählen zur Freiwilligen Feuerwehr. Ohne sie wären die Anfahrtszeiten besonders auf dem Land um ein Vielfaches länger, da die Hauptberufler aus weit entfernten größeren Städten anrücken müssten. Für die Studie haben die IW-Experten Geokoordinaten von rund 26.000 Feuerwehren, die im Open Street Map Datensatz hinterlegt sind, berücksichtigt und berechnet, wie lange die Fahrt ohne Stau oder andere Hindernisse zu 95 Prozent der Haushalte in der jeweiligen Region dauert. In einzelne Gemeinden können die berechneten Ergebnisse durch fehlende oder zu Unrecht im Datensatz hinterlegte Feuerwachen verzerrt sein, räumen die Fachleute ein. Gemessen wurde nur die reine Fahrzeit, keine Anreise zur Wache und keine Rüstzeit – dadurch liegt es nahe, dass vor allem Freiwillige Feuerwehren zum Einsatzort tatsächlich etwas länger brauchen, als in der Analyse berechnet.

Die interaktive Karte des IW ist unter www.https://www.iwkoeln.de/presse/ interaktive-grafiken/henry-goecke-wo-die-feuerwehr-schnell-zur-stelle-ist.html zu finden