Auch in "Kalb" geplant

Konservative sind gegen Segen für alle: "Anbiederung der Kirchen an die LGBTQI+-Community"

Daniel Staffen-Quandt/epd

15.2.2023, 18:58 Uhr
Die Rieterkirche in Kalbensteinberg wird am 23. März einer von zwölf Standorten der Aktion "Einfach heiraten" sein, so die Ankündigung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

© Melissa Schwestak, NN Die Rieterkirche in Kalbensteinberg wird am 23. März einer von zwölf Standorten der Aktion "Einfach heiraten" sein, so die Ankündigung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Auch Schwule, Lesben und alle weiteren LGBTQI+-Menschen seien ausdrücklich willkommen, heißt es in einer Ankündigung der Landeskirche aus der vergangenen Woche. Die Aktion ist unter anderem in Kalbensteinberg im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen geplant.

Der konservative Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) spricht von einem "Verramschen" und einer immer weiteren Aushöhlung der Ehe durch die "Anbiederung der Kirchen an die LGBTQI+-Community". ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger sagte laut einer Mitteilung, der Kirche gehe es nur noch darum, als religiöser Dienstleister wahrgenommen zu werden. Der Vorsitzende des ABC, der Lohrer Dekan und Pfarrer Till Roth, sprach von einer "billigen Vermarktung des Segens Gottes".

Der ABC fordert den sofortigen Stopp der Aktion. Es gebe für die Aktion keine theologische Begründung. Zudem wird kritisiert, dass "die Art der Partnerschaft" keine Rolle spiele. Diese Aktion widerspreche der ökumenisch einmütigen Überzeugung, "dass Gott die lebenslange, verbindliche Treuebeziehung von Mann und Frau will", sagte Vieweger.

"Berührende Momente", kein Ausverkauf

Die Landeskirche wollte auf die Presseerklärung des ABC nicht eingehen und verwies auf einen Brief an Dekan Roth vom vergangenen Freitag. Darin schreibt der unter anderem für kirchliches Leben zuständige Oberkirchenrat Michael Martin, dass es seit Jahren rund um den Valentinstag verschiedene Segnungsgottesdienste gebe, die an "keine Vorgespräche und Bedingungen geknüpft" seien. Solche Aktionen seien kein "Ausverkauf der Kirche", sondern "berührende Momente". Denn den Menschen sei es ja gerade nicht um große Hochzeitsfeiern gegangen, sondern um den "Kern dessen, was uns als Christen" wichtig sei.

Vor gut einer Woche hatte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) über die Aktion "Einfach heiraten" informiert. Unter dem Motto "Einfach machen, unkompliziert einen Segen bekommen" wolle man den Menschen den Segen Gottes für ihre Partnerschaft zusprechen. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Paare bereits standesamtlich verheiratet seien oder ob man sich den Segen Gottes anlässlich eines Ehejubiläums wünsche. LGBTQI+-Menschen seien ausdrücklich willkommen, hieß es in der Pressemitteilung. Auch eine Kirchenzugehörigkeit sei nicht nötig, weil der Segen Gottes an keine Vorbedingungen geknüpft sei.

Ersetzt nicht das Standesamt

Der Segen soll in einer etwa 20-minütigen Feier zugesprochen werden. Unterlagen oder Anmeldung seien nicht erforderlich. Für die Aktion stünden an dem Tag 50 Pfarrerinnen und Pfarrer in zwölf Gemeinden bereit. Die Segensfeier ersetze aber nicht die standesamtliche Eheschließung. Paare, die sich eine kirchliche Trauung - mit Eintrag in die Kirchenbücher - wünschen, könnten die nötigen Unterlagen - also die Heiratsurkunde vom Standesamt und den Nachweis, dass mindestens einer evangelisch ist - nachreichen. Das Gottesdienstinstitut hat einen Ablauf für eine "agendarische kirchliche Trauung" in 20 Minuten entwickelt, erläuterte Martin.

Der ABC ist nach eigenen Angaben entstanden als "Gemeinschaft von Gemeinschaften". Im Arbeitskreis haben sich Verantwortliche aus rund 20 kirchlichen Gemeinschaften, Verbänden und Werken vorrangig aus dem charismatischen, hochkirchlichen und pietistischen Spektrum in der Landeskirche zusammengetan.

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