VNP-Aktion spürt wachsende Not

Gut 2,7 Millionen: So wurde bei "Freude für alle" für Olivia, Edgar und tausende andere gespendet

Max Söllner

Redaktion Neumarkt

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Wolfgang Heilig-Achneck

Lokalredaktion

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5.2.2024, 06:00 Uhr
2023 hat "Freude für alle" unter anderem die kleine Olivia sowie Egdar unterstützt, der von seiner Mutter gepflegt wird.

© Irini Paul, Stefan Hippel, Privat, NN 2023 hat "Freude für alle" unter anderem die kleine Olivia sowie Egdar unterstützt, der von seiner Mutter gepflegt wird.

Liebe Leserinnen und Leser der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung mit all ihren Ausgaben in der gesamten Region und unserer Online-Portale NN.de und nordbayern.de! Heute zieht die Aktion "Freude für alle" einen förmlichen Schlussstrich und sagt noch einmal in aller Form ein herzliches Dankeschön - für all Ihre Spenden, die uns einmal mehr stolz und sprachlos machen: 2,778 Millionen Euro sind seit Anfang November auf den Konten von "Freude für alle" eingegangen. Dies ist auch zahlreichen Unternehmen, engagierten Vereinen und rührigen Initiativen zu verdanken, die teils fünfstellige Summen gegeben haben.

Alle anvertrauten Zuwendungen bleiben in unserer Region. Diese Ausrichtung ist für "Freude für alle" Auftrag und Verpflichtung: Auch im 54. Jahr ihres Bestehens unterstützt die Weihnachtsaktion des Verlags Nürnberger Presse (VNP) in Not geratene Menschen zwischen Forchheim und Pappenheim, Pegnitz und Gunzenhausen sowie Neustadt an der Aisch und Neumarkt in der Oberpfalz - und zwar in noch größerem Umfang als in den Vorjahren: Waren bei der Weihnachtsaktion 2022/23 knapp 3900 Haushalte unterstützt worden, sind es seit November 2023 bisher schon mehr als 5000. Was zumindest ein kleines Indiz für eine Zunahme sozialer Probleme und Notlagen ist. Und ein dickes Paket an Anträgen bleibt noch zu bearbeiten. Das erklärt auch, dass zahlreiche Empfänger deutlich länger auf eine Hilfszahlung warten mussten als in den Vorjahren - was bedauerlich, aber auch nicht zu ändern ist.

Besonderes Augenmerk galt und gilt natürlich den Schicksalen, die in den Wochen vor Weihnachten beispielhaft vorgestellt wurden. Für diese insgesamt 36 "Fälle" haben Leserinnen und Leser insgesamt knapp 220.000 Euro zweckgebunden gespendet. Darunter sind allerdings nicht nur "echte" Einzelschicksale, sondern auch die Straßenambulanz, für die traditionell am meisten gespendet wird, in diesem Fall rund 38.000 Euro, aber auch die Tafeln oder das Blindeninstitut.

Gut helfen kann die Aktion aber zum Beispiel auch der kleinen Olivia aus Fürth und ihren Eltern, die wir als Fall 34 vorgestellt haben. Sie leidet an einem seltenen Gendefekt. Gut unter die Arme greifen kann "Freude für alle" ebenso einer 72-Jährige aus Nürnberg, der nach 40 Jahren der Verlust ihrer Wohnung droht (Fall 6). Daneben gingen für den schwerstbehinderten Edgar (Fall 31), der von seiner als Putzkraft arbeitenden Mutter aufopferungsvoll gepflegt wird, besonders viele Spenden ein.

Im deutschlandweiten Trend

Einen Wermutstropfen gibt es: Das vor einem Jahr erreichte Rekordergebnis von mehr als 3,3 Millionen Euro blieb diesmal ein zu fernes Ziel. Nun sind es gut 600.000 Euro weniger. Ein Rückgang, der allerdings ziemlich genau der deutschlandweiten Gesamtspendenentwicklung entspricht. Nach mehreren von Krisen und Ausnahmesituationen geprägten Jahren mit der Ahrtal-Flut oder dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sei das Spendenaufkommen, so der Deutsche Spendenrat, nun auf das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 zurückgekehrt.

Seit Jahrzehnten arbeiten wir vertrauensvoll mit kommunalen Sozialdiensten und etablierten lokalen Hilfsorganisationen zusammen. Sie begleiten in Not geratene Menschen über Monate, oft gar Jahre hinweg und wissen am besten, wer für was finanzielle Unterstützung in welcher Höhe braucht. So stellen wir sicher, dass Ihre Spenden zielgenau bei wirklich Bedürftigen ankommen.

Dennoch kommt es immer wieder einmal zu Diskussionen und Aufregung. Wie bei unserem Fall 11 aus Fürth: Das zugehörige Kurzvideo wurde auf Instagram über eine Millionen mal angesehen. Schimmel, sich von der Wand lösende Fliesen, ein kaputtes Fenster: Es zeigte, wie miserabel eine alleinerziehende Mutter mit ihren drei Söhnen in einem heruntergekommen und schlecht zu heizenden Haus wohnen muss. Neben zahlreichen Geldspenden gab ein Leser Gutscheine fürs Fürthermare. Eine Leserin brachte Bücher, Spiele und Kleidung für die Kinder vorbei. Sie hat die Familie inzwischen mehrfach besucht: "Die junge Frau ist sehr herzlich und dankbar gewesen."

Fall aus Fürth: Vermieterin meldete sich

Irgendwann meldete sich auch die Vermieterin und monierte, dass sich das Haus beim Einzug in einem weitaus besseren Zustand als von der Mutter dargestellt befunden haben soll. Ein Hinweis, den das "Freude für alle"-Team sehr ernst nahm, schließlich hat es sich allen Spenderinnen und Spendern zu größtmöglicher Transparenz verpflichtet.

Doch weder Fotos noch mehrere Telefonate unter anderem mit dem Kinder- und Jugendhilfezentrum (KJHZ), das sich um die Familie kümmert, konnten die länger zurückliegenden Umstände restlos aufklären. Das KJHZ schätzt die Mutter unverändert als glaubwürdig ein. Für "Freude für alle" ist zusätzlich die Frage entscheidend, ob die strittigen Punkte an der aktuellen Hilfsbedürftigkeit der Familie etwas ändern. Angesichts schlotternder und vor Kälte krank gewordener Kinder sehen wir dafür keine Anhaltspunkte.

Zum Glück reicht das Spendenaufkommen auch in diesem Jahr aus, um niemanden abweisen zu müssen (sofern ein vollständiger und begründeter Antrag vorliegt). Solange noch Spendenmittel vorhanden sind, kann "Freude für alle" auch während des Jahres Menschen in Not unterstützen - wie immer wieder auch Spenden eingehen, etwa anlässlich von runden Geburtstagen.

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