Drei Spiele, drei Siege

Exzellente Frühform: Darum steht der HCE so super da

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Reaktion

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13.9.2022, 08:51 Uhr
Jubeln in Serie: Mit ihrer Entwicklungsarbeit beim HC Erlangen können Raul Alonso und sein Trainerteam in der Startphase der Bundesliga-Saison überaus zufrieden sein. 

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Jubeln in Serie: Mit ihrer Entwicklungsarbeit beim HC Erlangen können Raul Alonso und sein Trainerteam in der Startphase der Bundesliga-Saison überaus zufrieden sein. 

Warum der HC Erlangen in dieser Saison so gut ist? Eine Antwortmöglichkeit schloss Raul Alonso nach dem 34:28 gegen Göppingen schon mal aus. "Es ist kein Zufall", sagte der HCE-Coach nach einem erneut schönen Heimsieg, der Erlangens Startbilanz auf drei Siege aus drei Spielen schraubt. Gut drauf war der HCE schon in der vergangenen Rückrunde, auch wenn man das mit Platz zwölf in der Abschlusstabelle einigermaßen erfolgreich versteckte. Inzwischen trägt diese Entwicklung auffälligere Früchte.

"Wir bekommen Tag für Tag ein immer besseres Gefühl", erklärt Erlangens Erntehelfer einen Prozess, der sehr ordentlich läuft. Der HCE-Coach lobt eine Mannschaft, die komplett mitzieht, das von ihm völlig veränderte Spielsystem weiter zu verinnerlichen. Ein Team, das der Trainerwechsel zu Jahresbeginn - wie Christoph Steinert unlängst bei der Saisoneröffnung erklärte - "zusammengeschweißt" habe.

Alonsos Weitermach-Befehl

Der neue Spielstil macht den HCE variabler, unberechenbarer und unempfindlicher gegen Rückschläge. Und vor allem: erfolgreich. "Trotzdem sind wir erst am Anfang", sagt Alonso. Die letzten Ergebnisse wären "weder selbstverständlich noch ein Grund, sich ausruhen", betont der 43-Jährige, der seinen Erfolgshunger auf die Mannschaft überträgt. Diese müsse "jeden Tag an ihre Leistungsgrenze gehen", lautet Alonsos Weitermach-Befehl. "Das ist alles hart erarbeitet. An dieser Einstellung ändert sich nichts, ob ich gewinne oder verliere." Seine Moral und Widerstandsfähigkeit demonstrierte der HCE bislang gekonnt. "Was mich extrem freut, ist, dass wir in unserer kurzen Schwächephase in Hälfte zwei emotional stark bleiben und wieder zurück ins Spiel finden", begeisterte Alonso das jüngste Beispiel gegen Göppingen.

Schon in der Saisonvorbereitung hatte Erlangen angedeutet, dass es weitergekommen ist, Qualitäten auf die Platte bringt, die ausgerichtet auf das durch Regeländerungen schnellere Handballspiel wertvoll werden. Geschickt im Rückzugsverhalten, konsequent und konzentriert in der Deckung, facetten- und temporeich im Angriff zeigte man sich da bereits.

Paraden, Büdel, Urgewalt

Dass das mit dem Punkten im Bundesliga-Wettstreit so gut gelingt, drei Siege zu Beginn sind für den HCE Startrekord in der Eliteklasse, hängt freilich auch mit den einzelnen Protagonisten zusammen. Mit Klemen Ferlin im Tor, der sich bei knapp 15 Paraden pro Spiel eingegroovt hat. Mit den neuen Kapitänen Firnhaber und Bissel und ihren altbekannten Qualitäten als Anführer. Mit dem jungen Yannic Bialowas, der treffsicher als Linksaußen einsprang, als Bissel in Stuttgart böse umknickte.

Mit dem vehementen Olsson auf der rechten Bahn, dem besten Werfer gegen Wetzlar. Mit einem Nico Büdel, "der seit Wochen einen überragenden Job macht", wie Alonso nach dem Göppingen-Sieg sagte. Mit Antonio Metzner und Tim Zechel, die als Shootingstars der vergangenen Rückserie beim Sieg gegen Frisch Auf an diese Leistungen anknüpften. Mit der präzisen Urgewalt von Simon Jeppsson, in der Vorsaison drittbester Feldtorschütze der Bundesliga. Oder mit Christoph Steinert.

"Wir haben wenig Fluktuation in unserem Kader. Deswegen haben wir eine Basis, auf der wir aufbauen und relativ schnell die nächsten Schritte machen können", hatte Steinert jüngst gesagt. Darauf aufbauend fügen sich die Zugänge des HCE, beim reaktionsschnellen Bertram Obling im Tor und dem enorm quirligen Manuel Zehnder kann man das jetzt schon sagen, sehr gut ein.

Sehr gut gelingt es ihnen beim HCE inzwischen auch, die positive Erwartung der Fans in Energie umzuwandeln. "Wenn sich die Arena in einen Hexenkessel verwandelt, hat es dort jede Mannschaft schwer", sagt Alonso. Seit dem Final Four bemerkt der Coach eine noch größere Lust, die Mannschaft zu unterstützen, spricht auch hier von "großem Potenzial". Und trotzdem: "Wir werden noch Spiele verlieren", weiß der Trainer nach Begegnungen mit Teams, die vor Saisonbeginn eine größere Fluktuation hatten als Erlangen, der HCE so auch zu einem günstigen Zeitpunkt traf. "Das wird uns aber nicht von unserem Weg abbringen. Wir werden unsere Arbeitsmoral aufrechterhalten."

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