Zweite Heimniederlage

Gute Energie, schlechtes Resultat: Der HCE muss sich auch den Löwen beugen

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

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19.11.2022, 22:12 Uhr
Durchsetzungsstarke Dynamik: Lutz Heiny war auch gegen Mannheim auffällig. 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Durchsetzungsstarke Dynamik: Lutz Heiny war auch gegen Mannheim auffällig. 

Leicht wird es gegen Schwergewichte nie. Da sich die anstrengenden Kraftproben mit den Topteams für den HC Erlangen gerade in der Endlosschleife befinden, war dies natürlich auch gegen die Rhein-Neckar Löwen der Fall. "Wir müssen am Samstag sehen, wieviel Energie wir noch im Tank haben", sagte HCE-Coach Raul Alonso. Energiegeladene Auftritte hatten so gut wie noch nie in eine Saison gestartete Franken zuletzt auch gegen Flensburg und Kiel gezeigt.

Noch viel im Tank

Nach einer knappen und einer deutlichen Niederlage, beide unnötig kassiert, richtete sich beim Kräftemessen mit wiedererstarkten Löwen der Blick daher nur zu nachvollziehbar auf Erlangens Tankanzeige. Das Fazit nach 60 intensiven Handball-Minuten in Nürnberg? Gegen den zweimaligen Meister aus Mannheim, der zwischen 2014 und 2018 die Bundesliga-Spielzeiten stets als Erster oder Zweiter abschloss und unter Sebastian Hinze dank erfolgreichem Tempohandball wieder Meisterambitionen hegen darf? Der HCE hat zwar noch viel im Tank. Für Siege gegen die Topteams reichte das aber auch gegen die Löwen nicht. Ein 30:33 (18:16) und damit die zweite Heimniederlage des HCE verdeutlichte dies auf der Anzeigetafel am Samstag.

403 Tore und damit die meisten in der Bundesliga hatten die gelb-blauen Tempohandballer aus der Kurpfalz vor ihrer Anreise an den Kurt-Leucht-Weg erzielt. Den 404. Treffer markierten sie nach ihrer Ankunft dort in Minute zwei, als Uwe Gensheimer einen Siebenmeter verwandelte. Der HCE wehrte sich prompt, Simon Jeppsson warf aber links am Tor vorbei. Nach einer frühen Ferlin-Parade blieb die Stimmung in der Arena auch außergewöhnlich gut, als Heiny den Ball ebenfalls nicht im Löwen-Käfig untergebracht hatte. 0:3 hieß es wenig später sogar. Erlangen bäumte sich mit der Macht des Publikums aber auf. Steinert, der zielsicher abschloss, brachte den HCE auf den Videowürfel, Ferlin parierte weiter, Heiny traf nun. Als Kapitän Bissel die Kugel ins kurze Eck gedonnert hatte, war Erlangen und die Arena vollends da, 4:4 (8.).

Es ging nun flott hin und her. Der HCE glich durch Jeppsson erneut aus, lag alsbald aber dennoch mit 5:7 hinten. Büdels Anschlusstreffer war wichtig, Steinerts Nervenstärke vom Siebenmeterstrich ebenfalls. Weil der HCE zupackte, kämpfte und auch in der Folge traf, ließ er die Löwen nicht enteilen. Die Fans pumpten zusätzlich Kraftstoff ins Team. Heiny fand Steinert, 9:10, doch Mannheim antwortete immer wieder fast zu schnell. Heinys Dynamik und die Gegenstoß-Kombi Bissel/Sellin stellten auf 12:12. Zehn Minuten waren in Hälfte eins da noch zu absolvieren.

Heiny-Festspiele und Ferlin-Paraden

Wilder gegen die Löwen: Wurde es, als Schlussmann Birlehm pariert und auf der Gegenseite der Pfosten Klemen Ferlin geholfen hatte. Der auffällige Heiny warf Erlangen erstmals in Front (22.). Die Heiny-Festspiele gingen mit dem 14:12 und dem 15:14 wenig später weiter. Die Arena? Gab Erlangen Energie. Sellin traf, Ferlin parierte ein weiteres Mal. Alonso pushte das Publikum, ein Zuckerwurf von Sellin bedeute in hitzigen Schlussminuten der ersten Hälfte das 17:16. Sellins Tor zum Halbzeitstand machte alles noch viel schöner.

Die Zwei-Tore-Führung war kurz nach der Pause weg, die Arena aber immer noch unglaublich laut – auch, als Gensheimer bei einem Siebenmeter den Ball per Aufsetzer über den HCE-Kasten befördert hatte. Jeppsson fand Tim Zechel, doch Mannheim glich erneut rasch aus. Als auch Heiny Zechel gefunden hatte, führte Erlangen mit 20:19 (37.), nach Kempa-Zuspiel auf Steinert eine Minute später 21:20. Der formstarke Steinert war es auch, der die Hausherren danach vorne hielt. Ein von Sellin, im Gegensatz zum Kiel-Spiel deutlich verbessert, erfolgreich abgeschlossener Gegenstoß ließ die Arena am Kurt-Leucht-Weg beben, Steinerts Qualität aus sieben Metern auch. Nachdem Ferlin pariert hatte, traf Steinert auch vom eigenen Kreis aus ins leere Tor (25:23, 44.).

Appelgren wird zum Faktor

Absetzen konnte sich Erlangen vor 6078 Zuschauern allerdings nicht. Es brauchte wieder Zusatzenergie gegen Löwen, die erst zweimal beim HCE gewonnen hatten. Sellin, der zweimal binnen kurzer Zeit an Gäste-Torwart Mikael Appelgren scheiterte, konnte sie den Hausherren in dieser Phase nicht geben. Ein weitere von Appelgren stark vereitelte Doppelchance später glich Firnhaber gleichwohl zum 26:26 aus (52.).

Die zunehmenden Ungenauigkeiten bei Abspielen und Abschlüssen schlugen bei den Gastgebern ins Kontor. Sellin, nun wieder erfolgreich, brachte den HCE nach einem Zwei-Tore-Rückstand zurück. Gleiches galt für Fäth mit einem Prachtwurf. Das Publikum pumpte noch einmal Extra-Energie in den HCE. Heiny markierte die Anschlusstreffer zum 29:30 und 30:31. Erlangen hatte sich mindestens einen Punkt verdient. Als Steinert kurz vor Schluss nur den Pfosten traf, war die Hoffnung darauf dahin.

HC Erlangen: Ferlin, Obling; Sellin (8), Heiny (8), Steinert (7/2), Zechel (2), Fäth (1), Firnhaber (1), Büdel (1), Bissel (1), Jeppsson (1).

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