Alonso verspricht schonungslose Analyse

Selbstkritik beim HC Erlangen: "Das ist eine Sondersituation"

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Sebastian Gloser

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9.12.2022, 13:55 Uhr
"Wir müssen so kritisch sein wie noch nie in diesem Jahr": Raul Alonso will nach dem 31:37 gegen Gummersbach nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen. 

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr "Wir müssen so kritisch sein wie noch nie in diesem Jahr": Raul Alonso will nach dem 31:37 gegen Gummersbach nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen. 

Sie hatten es selbst in der Hand, die Spieler des HC Erlangen. Ein Spaziergang mit der Freundin über den Weihnachtsmarkt, Geschenke besorgen für die Familie oder einfach nur entspannen - alles, was es für einen freien Freitagvormittag gebraucht hätte, wäre ein Sieg am Vorabend gegen den VfL Gummersbach gewesen.

"Kann man so nicht stehen lassen"

Dass aus diesem freien Vormittag nichts werden könnte, war am Donnerstagabend in der Arena Nürnberger Versicherung aber früh abzusehen. Keine fünf Minuten waren gespielt, da lagen die Bundesliga-Handballer des HCE nach einem Ballverlust mit 2:5 hinten gegen den Aufsteiger und auch wenn sie anschließend Lösungen fanden zwischenzeitlich zum 7:7 auszugleichen, liefen sie eigentlich die gesamte Partie über nur hinterher; immer bemüht - das konnte man ihnen nicht absprechen - die eigenen Fehler wieder auszugleichen, aber es waren einfach zu viele. Endstand: 31:37.

Als erste Konsequenz strich Raul Alonso den freien Vormittag am nächsten Tag. "So etwas mache ich selten", sagte Erlangens Trainer nach der Pressekonferenz, "aber das ist eine Sondersituation." Statt Weihnachtsmarkt stand früh direkt wieder eine Trainingseinheit an, wobei Alonso hinter das "früh" noch ein dickes Ausrufezeichen setzte. "Das", sagte er über diesen völlig misslungenen Auftritt, "kann man so nicht stehen lassen."

Ist das noch Handball?

Wie sich der Black Out wenige Tage nach der so stimmungsvollen Black Night erklären ließ, konnte Alonso so kurz nach dem Spiel natürlich noch nicht erklären. Umso mehr schien er bemüht zu sein, nicht an Kritik und vor allem auch nicht an Selbstkritik zu sparen.

"Es herrscht ein Riesen-Ärger, Enttäuschung und Wut, dass wir heute weder uns selbst noch unseren Fans einfach mal eine würdige Leistung gezeigt haben", eröffnete Alonso die nur im Ton sehr ruhige Wutrede und wollte sich zunächst bei den 3578 Zuschauerinnen und Zuschauern entschuldigen, die gekommen waren. "Wir können uns nicht damit zufrieden geben, dass wir Super-Leistungen gegen gute Gegner geboten haben", sagte er mit Blick auf die Handball-Feste gegen Kiel, Mannheim oder Berlin, die alle knapp verloren gegangen waren. "Auch für mich ist diese Situation neu", stellte Alonso nach der sechsten Niederlage in Serie fest, und: "Wir müssen so kritisch sein wie noch nie in diesem Jahr."

Der HCE hat in diesem Kalenderjahr, das bald zu Ende geht, zweifelsohne Schritte nach vorne gemacht - zu sehen war davon am Donnerstagabend allerdings nichts. Ob das noch Handball sei, fragte ein frustrierter Erlanger Fan in die Stille der zweiten Halbzeit hinein. Wahrscheinlich schon, allerdings keiner, der einen freien Tag verdient hatte.

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