Erlangen fordert den Liga-Primus

Und Neuer schaut zu! 28:30 gegen Berlin - HCE wehrt sich in der Black Night vergeblich

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

zur Autorenseite

3.12.2022, 22:16 Uhr
Machte Tore und Stress: Nico Büdel gehörte gegen die Füchse zu den auffälligsten und treffsichersten Erlangern.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Machte Tore und Stress: Nico Büdel gehörte gegen die Füchse zu den auffälligsten und treffsichersten Erlangern.

Eine Maximalanstrengung aller Beteiligten, das wussten sie vorher schon, würde nötig sein, um dieses Spiel zu gewinnen. "Es ist das beste Team, das du für diesen besonderen Abend bekommen kannst", betonte HCE-Coach Raul Alonso. Alles zu geben, war angesagt bei der Verabredung zur Black Night, bei der Herkulesaufgabe gegen Tabellenführer Berlin. "Wir brauchen jeden Einzelnen, um über uns hinauszuwachsen und gemeinsam mit unseren Fans die Sensation zu schaffen", gab Kapitän Sebastian Firnhaber als Losung aus. Trotz Schulterschluss mit einem sensationellen Heimpublikum gelang dem HCE der große Wurf nicht. Das 28:30 (12:16), das der Videowürfel als Entstand am Kurt-Leucht-Weg festhielt, gab Auskunft darüber, dass man es trotz Maximalanstrengung verpasst hatte, ein noch stärkeres Signal in die tiefschwarze Nacht zu senden.

Vier Niederlagen in Folge hatte Erlangens Lieblingsverein im Vorfeld seiner Lieblingsveranstaltung kassiert. Nachdem sich der Rauch der tausendfach abgebrannten Wunderkerzen verzogen hatte in der Arena, kassierte der HCE seine ersten beiden Gegentreffer durch den ewigen Hans Lindberg, der sich schon drei Mal, zuletzt im Sommer, zum Torschützenschützenkönig der Bundesliga gekürt hat. Dass die Stimmung in der Halle wunderbar blieb, hatte damit zu tun, dass Steinert und Firnhaber jeweils Antworten parat hatten und Klemen Ferlin im HCE-Gehäuse rasch ein erstes Mal parierte.

Zechel - und vorne!

Obwohl insbesondere Simon Jeppsson in der Anfangsphase so ziemlich alles misslang, kämpfte sich Erlangen immer wieder auf Augenhöhe. Nachdem Sellin getroffen und Büdel den Ausgleich zum 5:5 bewerkstelligt hatte, war es eine weitere Ferlin-Parade später Tim Zechel, der den HCE erstmals in Führung warf (11.). Die in Schwarz gekleideten 7054 Zuschauer in Arena juchzten vor Freude.

Diese Führung war wenig später jedoch schon wieder weg. Weil die Hausherren weiterhin zu ungenau und fehlerhaft im Spiel nach vorne blieben und in der Abwehr zu nachlässig, waren die Füchse alsbald einigermaßen komfortabel vorne.

Die Halle wehrte sich, Erlangen auch. Im erfolgreich praktizierten Schulterschluss von Fans und Mannschaft waren es die erfahrenen Steinert, Sellin und Büdel, die Verantwortung übernahmen. Als Büdel zweimal in Folge getroffen und Link nach Zuspiel auf 12:13 gestellt hatte (25.), war der HCE wieder dran.

Entschlossene Gegenwehr

In der Abwehr präsentierte sich Erlangen nun aufmerksamer und zupackender, was den Fans gefiel, den Füchsen weniger. Nachdem Steinert an Berlins Schlussmann Milosavljev gescheitert war und Lindberg sich noch zweimal in Folge zielsicher gezeigt hatte, entfernte sich Berlin wieder. 12:16 hieß es zur Pause.

Zwei schnelle Tore des Meisterschaftsanwärters nach Wiederbeginn machten die Situation für den HCE prekärer. Es brauchte ein Hoffnungszeichen in der schwarzen Nacht, Leuchtfeuer in der Black Night. Steinert organisierte eines per Siebenmeter, Büdel aus dem Spiel heraus. Weil Ferlin vor den Augen des aus Katar nach Hause gekehrten Fußball-Nationaltorhüters Manuel Neuer nun nur noch wenig hielt, hatte dies aber kein größeres Vorankommen der Heimmannschaft zu Folge. In einer inzwischen auch deutlich hitzigeren Atmosphäre – Büdel, der mehrfach auch ruppig angegangen wurde, legte sich mit halb Berlin an - war Erlangen gleichwohl nach 35 Minuten mit 14:20 hinten.

Neuer springt auf

Wieder brauchte es Hoffnungszeichen in der schwarzen Nacht. Jeppsson traf. Als auch Christopher Bissel energiegeladen zum 16:20 getroffen hatte, sprang Manuel Neuer von seinem Sitz, hämmerte in seine Klatschpappe. Zwei Firnhaber-Tore hielten die gute HCE-Stimmung in dieser Phase aufrecht. Die Arena tobte vor Wut, als Fabian Wiede nach fiesem Foul an Bissel nur eine Zeitstrafe statt Rot bekommen hatte. Stöhnte auf, als Steinert vom Siebenmeterstrich vergeben hatte. Und schrie vor Begeisterung, als Sellin ins leere Tor getroffen und Heiny mit seiner Dynamik eine Viertelstunde vor Schluss das 20:22 erzielt hatte.

Doch kein Ausgleich

Heiny hielt den HCE auch fortan zunächst auf Schlagdistanz. Das Publikum und Erlangen kämpften um jeden Ball. Obwohl eine Parade von Obling – für Ferlin inzwischen zwischen den Pfosten - begeistert gefeiert wurde, machten Hans Lindbergs abgezockte Gäste bald wieder ernst und eine Fünf-Tore-Führung aktenkundig (26:21). Steinerts Nervenstärke aus sieben Metern ließ den HCE hoffen, Bissels und Sellins Treffer machte es noch spannender. Alle Zuschauer - inklusive Manuel Neuer - erhoben sich im Klatschpappengewitter, Zechel markierte das 26:28 (57.). Laut und wütend versuchte Erlangen, die Niederlage gegen den haushohen Favoriten zu verhindern. Nachdem Obling pariert hatte, bot sich wenig später sogar Chance zum Anschluss. Berlins Treffer zum 29:26 verhinderte bald danach auf der Gegenseite, dass es aufgrund der Erlanger Maximalleistung fast noch zu einem Punkt reichte.

HC Erlangen: Ferlin, Obling; Büdel 5, Sellin 5, Steinert 5, Zechel 4, Firnhaber 3, Bissel 2, Heiny 2, Jeppsson 1, Link 1.

Verwandte Themen


2 Kommentare