Rowe: "So etwas habe ich noch nie gesehen"

Wie der 16-jährige Max Merkl sogar den erfahrenen Ice Tigers-Coach überrascht

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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3.1.2023, 15:00 Uhr
"Es ist ihm egal, mit wem er sich in den Ecken anlegt": Hier nimmt es Maximilian Merkl mit Jerome Flaake auf. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / Thomas Hahn "Es ist ihm egal, mit wem er sich in den Ecken anlegt": Hier nimmt es Maximilian Merkl mit Jerome Flaake auf. 

Marcel Goc hat nach 699 Spielen in der National Hockey League und 388 Partien in der Deutschen Eishockey Liga auch noch eine Olympische Silbermedaille geholt. Moritz Seider gilt inzwischen als einer der besten Verteidiger der Welt. Und Marco Sturm ist ohnehin eine lebende deutsche Eishockeylegende. Es ist ein ziemlich exklusiver Kreis, dem Maximilian Merkl aus Nürnberg neuerdings angehört.

Diese nicht ganz vollständige Auflistung zeigt aber auch, dass der junge Nürnberger nicht der erste 16-Jährige ist, der sich in der Deutschen Eishockey-Liga gegen Männer beweisen darf, die seine Väter sein könnten und mitunter beinahe doppelt so schwer sind. Tom Rowe, Trainer in der NHL, in der KHL, in Österreich und seit einem Jahr in Nürnberg, hat "so etwas" trotzdem noch nicht gesehen. Rowe sprach nach dem 2:3 gegen Ingolstadt nach Verlängerung am Montagabend von Merkls Skating und Merkls Furchtlosigkeit. "Manchmal lehne ich mich einfach zurück und muss lachen, weil er einfach noch so jung ist. Der Junge hat so viel Energie, in der Kabine aber sagt er keine zwei Worte."

Fürsorgliches Feedback

In Nordamerika spielen 16-Jährige noch nicht mit Männern Eishockey. Talente haben eine größere Auswahl zwischen den kanadischen Jugendligen oder der US-amerikanischen USHL. "Ich bin das vielleicht noch nicht so gewohnt", stellte Rowe deshalb auch fest. Nur hindert ihn das nicht daran, Merkl ungemein wertvolle Erfahrungen sammeln zu lassen. "Ich habe Kofi heute gesagt, dass er ihm ruhig mehr Eiszeit geben kann." Und genau das hat Rowes Trainerkollege Manuel "Kofi" Kofler dann gemacht.

Wobei interessant ist, wie er das gemacht hat: Merkl wird normalerweise nur mit dem erfahrenen Oliver Mebus aufs Eis geschickt und eigentlich nur, bei Bullys in der Angriffszone oder im neutralen Drittel. Im intensiven Derby gegen Ingolstadt kam er so auf 7:51 Minuten Eiszeit. So viele wie bislang in keinem seiner sieben Einsätze für die Ice Tigers. Nach jedem Wechsel ließ Kofler den Teenager wieder zu Atem kommen, legte dann seinen Arm um die naturgemäß noch schmalen Schultern, lobte und sprach an, was Merkl noch besser machen könne. Dieser eine Punkt, den sich die Ice Tigers gegen beeindruckend starke Ingolstädter dank einer konzentrierten Defensivleistung und einem herausragenden Niklas Treutle im Tor verdient hatten, war wichtig für die Ice Tigers. Wichtig ist in Nürnberg aber auch weiterhin die Entwicklung junger Spieler.

"Wenn er Nürnberg verlässt..."

Maximilian Merkl würde nicht spielen, wenn die Verteidiger Blake Parlett, Marcus Weber und Hayden Shaw alle einsatzbereit wären. So gehen Rowe und Kofler ein Risiko ein, das für alle Beteiligten nicht wegzudiskutieren ist. Läuferisch kann Merkl mithalten, vor allem auch, weil er Eishockey schnell genug denkt, körperlich nicht. Die DEL kann gefährlich sein - auch weil es nicht wenige Spieler gibt, die ein Gitter am Helm eines Gegner als Bildungsauftrag verstehen, dem jungen Mann die Härte des Spiels nahezubringen. In Schwenningen wurde Merkl von Sebastian Uvira überfahren. "Aber er ist gleich wieder aufgestanden. Es ist ihm einfach egal, mit wem er es in den Ecken aufnimmt. Aber wäre ich sein Vater, wäre ich schon nervös", gab Rowe zu.

Den Ice Tigers geht es auch darum, Merkl zu zeigen, dass man in Nürnberg auf ihn setzt - in dem Wissen, dass er sich andernorts auf weit höherem Niveau mit Gleichaltrigen messen könnte. "Er hat eine strahlende Zukunft. Ich habe ihm gesagt, dass Berlin oder München oder ein anderer dieser großen Klubs anrufen werden", sagte Rowe noch und ließ glücklicherweise sein charakteristisches Lachen folgen, "aber wenn er Nürnberg verlässt, werde ich ihn umbringen, also sollte er besser bleiben."

Am Mittwochabend (1930. Uhr) stellen sich die Fischtown Pinguins in der Arena Nürnberger Versicherung vor. Weber könnte sich da zurückmelden, Blake Parlett vielleicht am Freitag (19.30 Uhr) in Augsburg. Dringend gebraucht wird Merkl dann nicht mehr. Allmählich zeigt er aber, dass er nicht mehr nur als Lückenfüller gebraucht wird. So wie einst ganz große Namen im deutschen Eishockey.

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