Fitness und Laufen

Kostenloser Sport im Lockdown: Trimm-Dich und Fitness in Fürth

18.3.2021, 10:59 Uhr
Kostenloser Sport im Lockdown: Trimm-Dich und Fitness in Fürth

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Alles begann mit vier Worten und einem kleinen Männchen im weißen Laufshirt. Vor knapp 50 Jahren warb der Deutsche Sportbund, der heute Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) heißt, mit dem Motto "Trimm Dich durch Sport" für mehr Bewegung.


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Das Gesicht der Kampagne war Trimmy, ein kleines Männchen, über das der Zeichner damals sagte, es sei "kein Supermann und kein Held, ein ganz durchschnittlicher, kleiner, schmächtiger und unscheinbarer Bursche".

Mit dem Wirtschaftswunder wuchs nicht nur der Wohlstand, sondern bei vielen Menschen auch der Körperumfang. Die Gesellschaft wurde dicker, Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahmen zu – genau da sollte die Aktion ansetzen.

Im Fernsehen wurde nicht für Glücksspiele oder Anti-Falten-Cremes geworben, sondern für Prävention. "Ein Schlauer trimmt die Ausdauer", hieß es da zum Beispiel, in vielen Städten und Gemeinden entstanden sogenannte Trimm-Dich-Pfade nach dem Vorbild der Schweizer "Vita-Parcours". Also rannten die Menschen fortan durch die Wälder, machten Klimmzüge oder Liegestützen, die Anzahl solcher Pfade wuchs immer weiter. In den 1980er-Jahren sollen es deutschlandweit knapp 1500 gewesen sein. Nur ist es nicht damit getan, ein paar Holzbalken in den Wald zu stellen, weshalb viele Parcours im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verfielen.

Kein Absperrband mehr

Die Stadt Fürth unterhält derzeit zwei öffentlich zugängliche Bewegungsparks, zu denen der Trimm-Dich-Pfad im Stadtwald gehört, um den sich die Stadtförsterei kümmert, und der Aktiv-Fitness-Platz am Waldmannsweiher (siehe Grafik unten).


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"Die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung gelten selbstverständlich auch für alle städtischen Bewegungsparks", erklärt Julian Gutbrod, der Leiter des Sportservice der Stadt Fürth, lieber vorsorglich. Doch im zweiten Lockdown habe die Stadt, mit Ausnahme der Bolzplätze mit Einfriedung und Tor, keine Spielflächen abgesperrt.

Denn Gutbrod hat von Beginn der Pandemie an eine Beobachtung gemacht: "Es zeigt sich, dass seit der Corona-Zeit der Trimm-Dich-Pfad wieder stärker frequentiert wird. Er ist für die Bürger vor allem viel wichtiger geworden, weil die Studios geschlossen haben."

Auch der Aktiv-Fitnesspark werde stark genutzt, vor allem von jüngeren Leuten, während der Trimm-Dich-Pfad eher die ältere Zielgruppe anspreche. Aber reichen zwei solche Einrichtungen aus für eine Stadt mit rund 130 000 Einwohnern?

Freie Flächen sind in Fürth knapp

"Die Relevanz wird schon gesehen, dass man attraktive Bewegungsräume schaffen muss", sagt Gutbrod. Doch in einer wachsenden Stadt seien freie Flächen immer knapp. Sobald sich Lücken auftäten, würde der Sportservice aber um seine Einschätzung gebeten, "die Hoffnung ist da", dass sich das Angebot vergrößern werde. Spruchreif aber sei derzeit nichts. Grundsätzlich gelte das Motto: "Theoretisch kann es immer mehr sein."

Zumal Gutbrod zu bedenken gibt: "Selbstorganisierter Sport hat einen großen Stellenwert. Aber er kann die Vereine nicht ersetzen im Hinblick auf soziale Kontakte und Ausrüstung." Nach der Pandemie würden die Leute auch eher wieder zu ihren Vereinen zurückkehren anstatt Individualsport im Freien zu treiben, so die Vermutung.


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Trotzdem glaubt er mit Blick auf die zwölf Bolzplätze und den Skatepark am Julius-Hirsch-Sportzentrum, dass die Kleeblattstadt gut aufgestellt sei mit kostenlosen Einrichtungen. Er wolle in nächster Zeit eher das Problem angehen, "dass viele Bereiche noch nicht ausreichend bekannt sind".

Viele Jugendliche wüssten nicht, wo sich die Plätze befinden und wie sie ausgestattet sind. "Das Bestehende besser bekannt machen und besser kommunizieren. Das können wir noch am besten umsetzen", hat er sich vorgenommen.

Keine schnelllebigen Trends für Jugendliche

Um herauszufinden, was bei Freizeitsportlern ankommt, nutze die Stadt etwa das Jugendforum und höre Interessengruppen an.

Zumindest bei Jugendlichen hätten sich laut Gutbrod die Wünsche über Jahre nicht groß verändert: "Fußball, Basketball und Krafttraining – es ist nicht ganz so schnelllebig. Auch Skaten ist nach wie vor in. Der Platz am Julius-Hirsch-Sportzentrum ist stark frequentiert und ein wichtiger Treffpunkt."

Wirklich neu hingegen sei die Pump-Track-Strecke für BMX- und Mountain-Bike-Fahrer auf der Hardhöhe.

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