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Lasst uns kämpfen - auch für eine Zukunft des Norisrings

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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2.7.2022, 12:52 Uhr
Souvenirs eines umstrittenen Wochenendes als Symbole der Freiheit. 

© Sportfoto Zink / Schumacher, Sportfoto Zink / Schumacher Souvenirs eines umstrittenen Wochenendes als Symbole der Freiheit. 

Koffer gehen verloren. Urlaubsträume platzen am Check-in-Schalter. Der Wirtschaftsminister gibt Duschtipps und der Vizepräsident des Bundestags will länger duschen. Alles wird teurer und der Bundeskanzler einsilbig. Momentaufnahmen aus einem Land, dem es nicht gelingen will, sich mit einer Zukunft auseinanderzusetzen, die anders und keineswegs besser sein wird als die Gegenwart. Wie die genau aussehen wird, kann man bereits in Norditalien beobachten, wo Flüsse austrocknen und das Wasser rationiert wird. Im Schatten dieser Zukunft wird alles andere verschwinden – auch die Frage, wie zeitgemäß es ist, hochgerüstete Rennautos mitten in Stadt im Kreis fahren zu lassen.

Das Norisring-Wochenende ist eine Großveranstaltung, die sich kaum wird greenwashen lassen. Man kann sich über Müllkonzepte Gedanken machen, immer mal wieder eine Serie mit ins Programm nehmen, die auf dem Kurs nicht ganz so viele endliche Ressourcen verschwendet – die kritische Co2-Gesamt-Bilanz wird das alles trotzdem kaum positiv beeinflussen.

Auf dem Zeppelinfeld entsteht jedes Mal eine kleine Stadt, die aus riesigen VIP-Räumen und Autohäusern besteht. Der DTM-Zirkus zieht von Kontinent zu Kontinent, Tausende Zuschauer kommen mit dem Privatauto. Die Rennen selbst machen da nur einen kleinen Teil aus. Das gilt auch für andere Großveranstaltungen.

Tränen als Beweis

Die Co2-Bilanz eines alltäglichen Club-Heimspiel interessiert trotzdem niemanden. Bei Rock im Park geht es nur um den Müll, der am Ende zwischen den abgebrannten Zelten liegenbleibt, aber nicht um den Dreck, den hundert Bands und Tausende Fans auf ihrer Anreise in die Luft blasen. Und den Challenge-Triathlon würde auch niemand in Frage stellen, obwohl sich dieses wunderbare Großereignis über einen gesamten Landkreis erstreckt und von Athleten zu Leben erweckt wird, die eben nicht alle mit dem Neun-Euro-Ticket nach Roth kommen.

In Roth wurde der Sport selbst gefeiert, so emotional wie schon lange nicht mehr. Allein die Tränen von Jan Frodeno waren dafür Beweis. Und am Norisring wurde eine Freiheit gefeiert, die für viele Menschen laut ist und stinkt. Diese Traditionsveranstaltungen gegeneinander aufzurechnen, in gut und böse, in gestrig und nachhaltig einzuteilen, das hilft niemanden. Schon eher endlich auf allen Ebenen alles dafür zu tun, dass wir Norisring und Challenge auch in zehn, 15, 20 Jahren noch genießen können.

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