0:2-Niederlage in Darmstadt

Bruchlandung am Böllenfalltor: Club hinten fahrig und vorne harmlos

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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17.9.2022, 15:08 Uhr
Kein Mittel gegen Darmstadts Standardspezialisten: Phillip Tietz springt nach einer Ecke höher als Sadik Fofana und köpft zum 2:0 ein.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Kein Mittel gegen Darmstadts Standardspezialisten: Phillip Tietz springt nach einer Ecke höher als Sadik Fofana und köpft zum 2:0 ein.

Wenn der 1. FC Nürnberg und der SV Darmstadt 98 in der Zweiten Liga aufeinandertrafen, war das in den vergangenen Jahren meist ein Garant für relativ denkwürdige Fußballspiele. Erinnerlich sind turbulente Schlussphasen, kuriose Eigentore und diverse Platzverweise.

Diesmal geriet die Begegnung am Böllenfalltor zu einer eher unspektakulären Angelegenheit - mit einem ebenso eindeutigen wie logischen Ergebnis. Während die Lilien durch einen verdienten 2:0 (2:0)-Sieg auf Rang zwei kletterten, dümpelt der Club nach der fünften Saisonniederlage weiterhin in der unteren Tabellenhälfte umher.

Robert Klauß schenkte wenig überraschend erneut jener Startelf das Vertrauen, die zuletzt auch beim 1:0-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld aufgelaufen war. Neben Lukas Schleimer, Taylan Duman, Pascal Köpke und Tim Handwerker stand kurzfristig der angeschlagene Innenverteidiger Florian Hübner (Rückenprobleme) nicht zur Verfügung. Auch taktisch hielt Klauß am zuletzt bewährten 4-2-3-1-System fest. Lilien-Coach Torsten Lieberknecht musste nach dem wilden 3:3 in Kaiserslautern zwei Positionen umbesetzen, Jannik Müller und Frank Ronstadt begannen an Stelle von Christoph Zimmermann und Matthias Bader.

In 22 Zweitliga-Duellen mit den Lilien kassierte der Club 37 Gegentreffer - so viele wie gegen keinen anderen Verein im Fußball-Unterhaus. Bis zu Gegentor Nummer 38 sollte es gerade mal acht Minuten dauern. Nach einem Stellungsfehler von Linksverteidiger Erik Wekesser drang Braydon Manu unbedrängt in den Strafraum ein und fand mit seiner Hereingabe in der Mitte den ebenfalls sträflich freistehenden Tobias Kempe. Mir einer Direktabnahme aus fünf Metern ließ der Ex-Nürnberger seinem früheren Mannschaftskollegen Christian Mathenia in dessen 100. Zweitliga-Spiel für den Club keine Abwehrchance.

Auszeichnen durfte sich der Keeper in der 26. Minute, als nach einem Fehlpass des diesmal fahrigen Sadik Fofana einen Distanzversuch von Fabian Schnellhardt zur Ecke lenkte (26.). Dumm nur, dass aus eben jener von Kempe getretenen Ecke dann prompt das 0:2 resultierte, weil Fofana am Fünfmeterraum auch noch das Kopfballduell mit Phillip Tietz verlor (27.). Klauß' Warnung vor der ausgeprägten Darmstädter Stärke bei Standardsituationen war offenbar wieder einmal ungehört verhallt.

Defensiv fahrig, offensiv harmlos

Nach knapp einer halben Stunde schien die Partie also ihre Richtung gefunden zu haben - weil die Gäste defensiv sehr unsortiert wirkten, aber auch nach vorne trotz rund 60 Prozent Ballbesitz keinerlei Tordrang entwickelten. Kwadwo Duah hing einmal mehr völlig in der Luft, auch Felix Lohkemper und Mats Möller Daehli fanden gegen tiefstehende und mit einer Dreier- bzw- Fünferkette kompakt verteidigende Hessen kaum Lösungen. Mit etwas Glück hätten die Gäste vielleicht einen Elfmeter bekommen können, weil Müller der Ball im Strafraum an den Arm gesprungen war (18.) - es nicht zu pfeifen, war aber vertretbar.

Allerdings ist Darmstadt nicht gerade bekannt dafür, einen Vorsprung souverän verwalten zu können. Erst vor einer Woche hatten die Lilien auf dem Betzenberg eine vermeintlich komfortable 2:0-Führung verspielt. Darauf dürfte auch Klauß gehofft haben, als er zur Pause für Jens Castrop mit Christoph Daferner einen weiteren echten Stürmer brachte und damit das Signal für etwas mehr Offensivpower gab. Zudem ersetzte Johannes Geis den diesmal noch etwas überfordert wirkenden Fofana.

Umstellungen ohne Effekt

Forscher wurden Nürnbergs Bemühungen durch diese Umstellungen allerdings nicht, Gelbe Karten für Wekesser und Enrico Valentini zeugten eher von einem steigenden Frustlevel. Und auch im Gästeblock vergaßen einige Anhänger wieder einmal alle Grundregeln einer zivilisierten Welt. Vor einem Eckball wurde Kempe von einem Bierbecher am Hinterkopf getroffen (65.); der Ex-Nürnberger schüttelte sich kurz, spielte dann aber - keine Selbstverständlichkeit - weiter. Auch schon beim Auswärtsspiel in Sandhausen waren Club-Fans durch dieses ebenso grenzdebile wie asoziale Verhalten negativ aufgefallen, und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis dies womöglich fatale Folgen für den Verein haben wird.

Auf dem Platz tat sich derweil nicht mehr viel. Die Lilien konnten ihren Vorsprung diesmal recht souverän verwalten, weil dem Club bis zum bitteren Ende erschreckend wenig einfiel - in einem Zweitliga-Spiel, an das man sich zumindest in Nürnberg sicher nur sehr ungern erinnern möchte.

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