Platz fünf dank ganz viel Arbeitseifer

Schon ein Spitzenteam? Der HCE verneint und arbeitet mutig weiter

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

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12.10.2022, 08:59 Uhr
Steht da ein noch besserer Platz drauf? Chefcoach Raul Alonso und HCE-Kapitän Christopher Bissel, der Sohn von Aufsichtsratschef, arbeiten konsequent weiter. 

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Steht da ein noch besserer Platz drauf? Chefcoach Raul Alonso und HCE-Kapitän Christopher Bissel, der Sohn von Aufsichtsratschef, arbeiten konsequent weiter. 

Dass sich Carsten Bissel über den Höhenflug des HC Erlangen irrsinnig freut, vermittelt dieser in jedem Gespräch. "Wunderbar", nennt der Aufsichtsratsboss des HCE dessen hübsches Erscheinungsbild derzeit. Der 2010 von Carsten Bissel gerettete Verein ist so erfolgreich in eine Bundesliga-Saison gestartet wie noch nie. Die 11:3 Punkte, die Frankens Gute-Laune-Klub in Deutschlands Handball-Eliteklasse vorweist, verorten diesen auf Platz fünf.

Eine neue Erfahrung in Erlangen

Den Hauptgrund für den Höhenflug? Sieht der Cheflotse in der vom Trainerteam Tag für Tag vorgelebten Arbeitsmoral. "Die Mannschaft gibt jede Sekunde 110 Prozent. Wenn das einer nicht tut, wird er dazu aufgefordert", sagt Bissel und konstatiert: "Das ist eine völlig andere Intensität als wir es in Erlangen je hatten." Das Nicht-Schleifen-Lassen in einem breiten Kader, in dem auch die Akteure mit geringeren Spielzeiten "von hinten drücken" sei ursächlich, "warum wir soweit oben stehen".

Was dem HCE im Vergleich zu den Topteams noch fehlt? "Der Sprung nach ganz vorne ist im Spitzensport immer eine Budgetfrage", sagt Bissel. Dass Erlangens Weg dahin führte, den HCE hinter diesen zu platzieren, erklärt er mit kluger Personalpolitik. Stuttgart, Göppingen und Leipzig etwa, die "wirtschaftlich deutlich vor uns liegen, sind schlecht in die Saison gestartet, weil sie in große internationale Spieler investiert haben, die sich noch nicht gefunden haben".

Man selbst habe das Vorsaison-Team hingegen "beisammengehalten und junge Leute dazugeholt", die bereits gut performen oder durchgängig Druck machen. Wäre man noch besser, wenn man mit mehr Budget vier internationale Topspieler gekauft hätte? Für Bissel "eine hypothetische Frage, weil wir das Geld nicht haben". Es sei überdies "nicht unsympathisch ist, wie wir es machen", sagt er. Und führt die Zuschauer der Heimspiele, begeisterte Höhenflugbegleiter, als Zeugen an.

"Wir haben bislang einen guten Job gemacht, den Spielplan fast optimal genutzt" resümiert auch Raul Alonso. Dass man sich mit den einstigen Topteams-Verfolgern erfolgreich messen konnte, an diesen sogar vorbeigezogen ist, sei eine schöne Momentaufnahme. "Aufgrund der aktuellen Platzierung aber zu meinen, dass wir selbst in der Nähe der Topteams sind, entspricht nicht der Realität", wird Alonso kurz darauf jedoch deutlich. Und macht als wesentlichen Unterschied zu den Rhein-Neckar Löwen, Füchsen, Kiel und Magdeburg "die fehlende Erfahrung von 20 Jahren auf diesem Level" aus. Was sich nicht mehr unterscheide, wäre seit Anfang 2021 die Arbeitsweise. "Wir fordern das Maximale von unseren Spielern, die dafür seit mehr als acht Wochen belohnt werden", betont Alonso.

Einordnung und Arbeitsbefehl

Es werde noch Rückschläge geben, sagt der Mann, der sein Team nach dem Heimsieg gegen den BHC mit vier Tagen Freizeit belohnt hat. Schwer vermeidbar wären die gegen die etablierten Spitzenmannschaften, denen Erlangen von Mitte November an in Folge begegnet. "Wir ordnen alles richtig ein, bleiben bodenständig und arbeiten weiter hart", sagt Alonso.

"Wir werden gegen die Topteams auch Spiele verlieren. Wenn nicht, würden wir Deutscher Meister werden. Und das werden wir nicht", prognostiziert auch der Aufsichtsratschef. Das Entscheidende: Die Mannschaft werde darüber "nicht mehr ihr Gefüge verlieren", ist sich Bissel sicher. Der HCE wird sich alsbald mutig mit den Topteams messen. Und versuchen, seinen Höhenflug fortzusetzen.

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