Damals Büskens, heute Leitl

Geschichte wiederholt sich: Fürth diskutiert mal wieder über seinen Trainer

Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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13.4.2022, 06:00 Uhr
"Es geht nicht um Wahrscheinlichkeiten": Trainer Stefan Leitl vermeidet weiterhin ein klares Bekenntnis zum Kleeblatt.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink "Es geht nicht um Wahrscheinlichkeiten": Trainer Stefan Leitl vermeidet weiterhin ein klares Bekenntnis zum Kleeblatt.

Geschichte wiederholt sich. Vor zehn Jahren erlebte die kleine Fürther Fußballwelt einen 44 Jahre alten Trainer, der mit dem Kleeblatt Historisches vollbrachte. Mike Büskens nahm einem ganzen Verein innerhalb von drei Jahren die Trägheit und nach einer fußballerisch herausragenden Saison auch die vermeintliche Unaufsteigbarkeit. Doch als das Kleeblatt zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen war, wollte sich Büskens nicht festlegen. Der Trainer haderte mit sich und seiner Zukunft - die Frage, ob er in Fürth bleibt, wollte er lange nicht beantworten.

Als er nach langem Grübeln dann doch eine Antwort gefunden hatte, da sagte er einen Satz, den sich viele Menschen auch zehn Jahre später von einem anderen Fürther Trainer erhoffen. "Es war wichtig, nach einer auch kräftezehrenden Serie die Saison zu analysieren und einen perspektivischen Blick nach vorne zu werfen", so Büskens. "Meine Familie musste sich wiederfinden, und sie steht voll hinter meiner Entscheidung, den erfolgreichen Weg mit der SpVgg weiterzugehen."

Ob Stefan Leitl seinen lange sehr erfolgreichen Weg, der ihn und seine Mannschaft abermals in die Bundesliga geführt hatte, weitergehen will, ist Mitte April offen. Trotz eines bis 2023 laufenden Vertrages. Wieder erlebt Fürth einen 44 Jahre alten Trainer, der sportlich Historisches vollbrachte - der sich aber auch nicht festlegen möchte. Der mit sich und seiner Zukunft hadert und die Frage, ob er auch in der kommenden Saison Trainer der Spielvereinigung ist, nicht beantworten will.

Am vergangenen Wochenende, beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, gab es vor allem für den übertragenden Fernsehsender kein anderes Thema. Vor dem Anpfiff wurde Leitl nach seinen Zukunftsplanungen gefragt, antwortete aber nur sehr ausweichend. Man diskutiere "in alle Richtungen", betonte er - und als er die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs in Fürth beziffern sollte, da sagte der Trainer nur: "Es geht nicht um Wahrscheinlichkeiten."

Leitls Chef, mit dem er im engen Austausch steht, bestätigte nach dem 0:2 dann nochmal, dass es eine Klausel im Vertrag gibt, die es dem Trainer ermöglicht, den Verein auch vorzeitig zu verlassen. "Wenn er eine Ausstiegsklausel hat, dann kann die gezogen werden und dann schauen wir weiter", sagte Geschäftsführer Rachid Azzouzi. Über die genaue Ausgestaltung dieser Klausel aber gibt es unterschiedliche Angaben.

Die "Bild" vermeldete zuletzt, dass diese "bis Ende April und unabhängig von Abstieg oder Klassenerhalt" gelte, der "kicker" schrieb, "Fürth würde aber in jedem Fall eine Ablöse für Leitl bekommen". Womöglich aber hängen die Frist und eine mögliche Ablösezahlung von Leitls neuem Arbeitgeber auch zusammen - eine klare Aussage darüber gibt es jedoch von Vereinsseite nicht. Rachid Azzouzi will diese Internas, aus gutem Grund, nicht öffentlich besprechen.

Für den Geschäftsführer des Kleeblatts ist die Diskussion ohnehin eine überflüssige. "Auch wenn er keine Ausstiegsklausel hat und gehen will, ist es für einen Verein schwer, ihn zu halten", sagte er bei "Sky". Der Trainer selbst hatte sich vergangene Woche noch etwas Bedenkzeit erbeten. Offenbar steht auch eine Auszeit Leitls im Raum, der in der Vergangenheit immer wieder betont hat, wie fordernd und aufreibend sein Job sei.

Geschichte wiederholt sich? Womöglich. Und nicht exakt so, wie vor zehn Jahren. Damals verlängerte Mike Büskens seinen Vertrag nur um ein Jahr. Beim Kleeblatt würden sie Stefan Leitl sicherlich einen längerfristigen Kontrakt anbieten.

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