PCR oder Antigen?

Corona-Testpflicht in der Kita sorgt für gemischte Gefühle im Landkreis Erlangen-Höchstadt

14.1.2022, 05:31 Uhr
Vor der Kita kommt der Test: Dreimal in der Woche müssen Eltern ihre Kinder nun Zuhause testen. Sonst darf der Nachwuchs keine Betreuungseinrichtung besuchen.

Vor der Kita kommt der Test: Dreimal in der Woche müssen Eltern ihre Kinder nun Zuhause testen. Sonst darf der Nachwuchs keine Betreuungseinrichtung besuchen. © imago images/photothek/Ute Grabowsky, NN

Montag, Mittwoch und Freitag sind die Tage mit dem Stäbchen: Kita-Kinder ab dem ersten Geburtstag müssen seit Montag, 10. Januar, dreimal pro Woche auf Corona getestet werden - per Antigen-Schnelltest, einer Bescheinigung für ein negatives Testergebnis aus der Apotheke oder per Pooltest in der Kita. Legen Eltern keinen Nachweis vor, darf das Kind nicht in die Einrichtung.

"Es war bis jetzt kaum der Fall, dass wir jemanden wieder wegschicken mussten", sagt Janina Knoll, Leiterin des Kindergartens "Hand in Hand" in Hemhofen. Und wenn, dann nur, weil die Familie vergessen hatte, das Formular auszufüllen. Die Kitas können selbst entscheiden, ob die Eltern als Nachweis die Testkassette oder einen jedes Mal neu unterschriebenen Vordruck mitbringen müssen. "Wir vertrauen den Familien und wollten den Müll nicht vor Ort haben", erklärt Janina Knoll die Entscheidung in Hemhofen.

Befürchtungen haben sich nicht bestätigt

Eltern, die sich gegen die neue Testpflicht sträuben, hat sie nicht erlebt. Im Gegenteil: "Alle sind einsichtig und es läuft sehr ruhig ab." Angesichts von 173 Kindern im Kindergarten und zusätzlich 65 Plätzen in der Krippe eigentlich erstaunlich. "Wir hatten schon ein bisschen Angst, wie das wird", sagt Knoll. Ihre Befürchtungen hätten sich aber nicht bestätigt.

Die Tests müssen die Eltern nicht selbst bezahlen. Der Freistaat gibt dafür Berechtigungsscheine aus, mit denen Test-Kits in Apotheken abgeholt werden können. Das bedeutet für die Einrichtungen schon bürokratischen Mehraufwand. Aber "das macht das Kraut auch nicht mehr fett", meint Dana Macioszczyk, Leiterin der Kita Regenbogen und Kita Abenteuerland in Höchstadt. Sie sieht den Aufwand eher bei den Familien als in der Kita.

Tatsächlich berichtet eine Mutter aus dem Landkreis, dass das Testen ihres Zweijährigen am Morgen natürlich mehr Stress bedeute. "Er freut sich nicht gerade, wenn er das Stäbchen sieht. Aber es geht ja um die Gesundheit." Andere Eltern können nicht nachvollziehen, warum Kita-Kinder drei Mal in der Woche testen müssen, während die Jungen und Mädchen, die schon in der Schule sind, nur zwei Mal in der Woche dran sind - dann allerdings mit PCR-Tests.

Auch in den Kindertagesstätten gibt es das PCR-Verfahren: Mit ihm wertet die Datev in ihrem Nürnberger Labor Pooltests aus - so hatte es vergangenes Jahr die Biologie der Uni Erlangen im Rahmen der Wicovir-Studie gemacht. Nach Angaben der Datev nehmen in der Stadt Erlangen 25 Kindertagesstätten mit 56 Pools teil, im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind es zwölf Kitas mit 25 Pools. Die Auswertung erfolgt aus Kapazitätsgründen zwei Mal pro Woche. Das heißt: Für den dritten wöchentlichen Test müssen die Einrichtungen eine andere Testmethode wählen.

Gurgelprobe auf nüchternen Magen

So funktionieren die Pooltests: Die Kinder nehmen morgens nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen eine Gurgelprobe und teilen diese auf zwei Röhrchen auf. Eines davon wird in der Kita mit maximal 29 weiteren Proben in einen gemeinsamen Behälter gekippt, so entsteht ein Pool. Die Mischung wird im Labor untersucht. Ist der Pool positiv, wird für jedes Kind, das in diesem Pool gegurgelt hat, Probe Nummer zwei individuell ausgewertet. Auf diesem Weg lässt sich bis zum Abend feststellen, welche Einzelprobe positiv war, also welcher Proband sich mit Corona infiziert hat.

Diese Art der Testung gilt aufgrund des PCR-Verfahrens im Vergleich mit Schnelltests als zuverlässiger. Sie bedeutet aber mehr Aufwand. "Die Elternschaft hilft, anders wäre es nicht machbar", sagt Katrin Leimeister, Leiterin des Kindergartens und der Krippe Saidelsteig in Tennenlohe.

Eltern übernehmen die Organisation

Die Eltern sind es nämlich, die das Material ausgeben, die Proben in den Behälter schütten, die einzelnen Röhrchen beschriften, und, und, und. 70 von 98 Kindern nehmen laut Leimeister an den Pooltests teil. Für jede Kindergartengruppe gibt es einen Pool, insgesamt sind es vier. "Wir sind sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt. Die Gurgelmethode eignet sich für die frühzeitige Erkennung hervorragend und ist verglichen mit den Schnelltests und deren Verpackung schonend für die Umwelt."

Die Teilnahme an den Pooltests ist für die Kitas kostenlos, die Datev trägt die Kosten. Der Transport ins Labor nach Nürnberg wird von einem Taxiunternehmen übernommen und von privaten Spenden getragen.

Im Waldkindergarten Uttenreuth kümmern sich federführend die Elternbeiräte Martin Gurrath und dessen Frau um die Gurgeltests. "Wir setzen seit Ostern vergangenen Jahres auf diese Methode. Persönlich halte ich Schnelltests nur für sinnvoll, wenn man Symptome hat", sagt Gurrath. 30 bis 35 Teilnehmer machen laut ihm mit, doch nicht alle sind Kinder. "Manche können das mit dem Gurgeln noch nicht so gut, dann nutzen eben die Eltern das Angebot." Kinder, die nicht gegurgelt haben, müssen dann einen Schnelltest machen, sonst dürfen sie nicht in die Kita.

14.820 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Bayern haben inzwischen die Petition unterzeichnet, die Florian Weber, Elternsprecher beim evangelischen Kindergarten in Baiersdorf, initiiert hat. Er möchte erreichen, dass in den Kindergärten PCR- statt Antigen-Tests verlangt werden. Erstere seien wesentlich sicherer, wodurch die Ansteckungsgefahr für die Jungen und Mädchen, aber auch das Personal deutlich vermindert werde.

Der Freistatt soll übernehmen

Allerdings überfordere es die Träger der einzelnen Kindertagesstätten, die PCR-Tests selbst zu organisieren, wie es das Sozialministerium nun vorgesehen habe. Wegen des logistischen Aufwand sei es nur praktikabel, wenn dies der Freistaat - wie bei den Schulen -selbst in die Hand nehme.

Leider habe er auf die verschiedenen Schreiben an die Staatsregierung lediglich Standard-Antworten erhalten, so Weber. Immerhin sei er beim Büro von Doris Rauscher, der Vorsitzenden des Sozialausschusses im Maximilianeum, auf große Zustimmung gestoßen.

Sobald die Frist zum Unterzeichnen in einigen Tagen abgelaufen ist, will der Baiersdorfer die Petition auf jeden Fall beim Landtag einbringen: "Doch dann wird es einige Zeit dauern, bis hoffentlich entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Das ist schade, denn eigentlich hätte man nach den Empfehlungen der Wissenschaftler damit schon im Sommer beginnen können."

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