10. Januar 2022

Gegen Querdenker-"Spaziergänge": Grüne rufen in Eckental zu Mahnwache für Corona-Opfer auf

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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10.1.2022, 14:30 Uhr
Immer wieder gehen Menschen, darunter Querdenker und Corona-Leugner, gegen die Pandemie-Maßnahmen der Politik auf die Straße.  

Immer wieder gehen Menschen, darunter Querdenker und Corona-Leugner, gegen die Pandemie-Maßnahmen der Politik auf die Straße.   © Dwi Anoraganingrum via www.imago-images.de, NN

Genug ist genug: Der Grünen-Ortsverband in Eckental will den so genannten Spaziergängen, bei denen Impfgegner gemeinsam mit selbst ernannten Querdenkern und Rechtsradikalen bisweilen Seit´ an Seit´ laufen, nicht länger zusehen. Auch am Montag, 10. Januar, kommen voraussichtlich in deutschen Städten jene wieder zusammen, die gegen die Corona-Maßnahmen der Politik auf die Straße gehen und dabei mitunter auch (ausländerfeindliches und antisemitisches) Gedankengut verbreiten, das mit dem Recht auf Meinungsfreiheit längt nicht mehr gedeckt ist.

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es inzwischen ebenfalls solche Aufmärsche. Wie die aussehen, davon hat sich Manfred Bachmayer, Grünen-Kreisrat und stellvertretender Landrat, am Montag, 3. Januar 2022 selbst in Eckental ein Bild gemacht. Manche habe er gekannt, auch einige von der AfD seien darunter gewesen, berichtet der 55-Jährige auf Nachfrage. Auch wenn die Teilnehmer dieser lokalen Versammlungen nicht gewalttätig wirkten, wolle man ihnen jetzt etwas entgegensetzen.

"Es ist einfach unerträglich, wenn Corona-Opfer, Mitarbeitende in Kliniken und im Gesundheitswesen, Virologen, Polizisten und viele andere mehr einfach verhöhnt werden", sagt Bachmayer. Deshalb ruft der Ortsverband seiner Partei ebenfalls am Montag, 10. Januar, um 19 Uhr, zu einer Mahnwache vor dem Rathaus in Eckental-Eschenau auf. Auch in anderen Städten waren am Wochenende (8. Januar 2022) wieder Gegner der Corona-Politik auf die Straße gegangen, es gab aber dazu auch Gegendemonstrationen.

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen ist die Kundgebung auf zehn Personen beschränkt, alle müssen zudem FFP2-Masken tragen. "Andere, die dazukommen wollen, sind herzlich willkommen", sagt Bachmayer. Sie werden dann vom Rand aus an der Mahnwache mit gebührendem Abstand und allen Hygienemaßnahmen teilnehmen können.

"Wir wollen der 164 Corona-Toten im Landkreis Erlangen-Höchstadt gedenken, darunter sind auch viele Eckentaler Bürgerinnen und Bürger", sagt Bachmayer, "es sind 164 Familien die erleben mussten, wie ihre Angehörigen erkrankten und starben." Für sie soll die Mahnwache vor allem sein.

Wichtig als politisches Signal

Doch auch das politische Signal ist wichtig. "Wir möchten ein Gegengewicht setzen zu den so genannten Spaziergängern", betont der Grüne, "Eckental tickt anders, und das wollen wir zeigen". Die Mehrheit der Bevölkerung, das belegt eine Impfquote von über 70 Prozent, stehe hinter den notwendigen Corona-Maßnahmen im Land, sagt Bachmayer und er betont: "Millionen von Booster-Impfungen sind ein weit mächtigerer Ausdruck einer klaren Haltung, als recht diffuse Montagsspaziergänge in unserem Land, wie leider auch hier in Eckental."

Dass diese überhaupt (noch) stattfinden dürfen, sieht er kritisch. Zumal in den vergangenen Wochen gerade im Landkreis vermehrt solcher „Lichterspaziergänge“ stattgefunden haben. Darauf wies inzwischen auch schon das Landratsamt hin. Zu den "stummen Kundgebungen" wird insbesondere über Chatgruppen sowie Soziale Netzwerke im Internet aufgerufen. Teilnehmende ziehen dann mit Lichtern oder Laternen durch die Ortschaften.

"Spaziergang" als anzeigepflichtige Versammlung

Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt macht als zuständige Versammlungsbehörde zwar darauf aufmerksam, dass diese vorab geplanten „Spaziergänge“ anzeigepflichtige Versammlungen darstellen und Verstöße die Einleitung von Ordnungswidrigkeitenverfahren zur Folge haben können. Dennoch kommen die Demonstranten immer wieder.

Dass die Querdenker auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt mehr und mehr eine Gefahr darstellen, sagt auch Bachmayer. Man müsse die Szene deswegen genau beobachten. Wie notwendig das ist, haben unlängst Recherchen dieses Medienhauses zu Tage gefördert: Als Folge der Berichterstattung gründet sich nun eine Selbsthilfegruppe für ratlose und verzweifelte Familienmitglieder und Freunde von Corona-Leugnern und Querdenkern - und zwar in einem kleinen Ort mitten im Landkreis Erlangen-Höchstadt.