Mindestens zehn Prozent mehr

Ski-Fahren bald nur noch für Reiche? So teuer werden Pisten und Hotels diese Saison

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

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1.10.2022, 05:00 Uhr
Sie hat gut lachen, denn sie haben Geld und können an der Piste die Champagnerkorken knallen lassen - egal wie teuer Skifahren wird.

© imago images/Westend61, NNZ Sie hat gut lachen, denn sie haben Geld und können an der Piste die Champagnerkorken knallen lassen - egal wie teuer Skifahren wird.

In wenigen Wochen laufen die ersten Lifte in Wintersportzentren, spätestens ab Dezember ist in den Alpen Hauptsaison. Doch Russlands Krieg gegen die Ukraine und seine Erpressung mit Energieverknappung lassen unsere Wirtschaft stottern und die Preise explodieren. Pleiten und Entlassungen drohen quer durch alle Branchen. Die Deutschen werden auch am Reisen sparen, das ebenfalls deutlich teurer wird. Die Reiseindustrie blickt also wieder besonders besorgt nach vorn - zumal Corona auch noch nicht ausgestanden ist.

Ein energetisch frostiger Winter könnte also vor allem die Skigebiete treffen, die nach zwei durch Corona teils verkorksten Jahren fest mit einer guten Saison 22/23 geplant hatten - und nun zum Teil nicht wissen, mit welchen Preisen sie kalkulieren sollen.

Was erwartet uns 2023 auf den Pisten? Das sagen die Skigebiete:

Wir haben uns umgehört unter kleinen, aber auch großen Skigebieten und -verbünden in wichtigen alpinen Destinationen und allen die selben Fragen gestellt. Die ergiebigsten Antworten haben wir für Sie zusammengefasst. Insgesamt zeigen sie sich optimistisch und geben sogar behutsam Entwarnung - die Preissteigerungen orientieren sich derzeit an der Inflation.

Hand aufs Herz: Können sich in der anstehenden Wintersaison 22/23 nur noch Reiche ein Liftticket leisten?

"Die Preise der Skipässe steigen im Schnitt um rund 9 Prozent, das liegt im Bereich der Inflation. Wir führen auch ein neues Online- Frühbuchersystem unter dem Motto je früher man kauft, desto günstiger kann der Preis sein ein. Somit sollte Skifahren für die meisten unserer Gäste nach wie vor leistbar sein", sagt Christoph Eisinger, Geschäftsführer von Ski amadé.

Ein Stück weiter südlich antwortet uns Andy Varallo, Präsident des Südtiroler Skiverbunds Dolomiti Superski: "Wir haben uns bemüht, die Teuerung so niedrig wie möglich zu halten. Andere Glieder der Branchenkette mussten hingegen etwas mehr anziehen, aber das können wir Liftbetreiber nicht beeinflussen."

Josef Reiter, Chef der Zillertalter Seilbahnen, sagt: "Skifahren ist ein Volkssport im Alpenraum. Das soll auch in Zukunft so bleiben - trotz Pandemie und Energiekrise. Lifttickets wird sich auch künftig eine breite Masse im mitteleuropäischen Raum leisten können. Die Preissteigerungen waren zuletzt in vielen anderen Bereichen höher als bei den Liftkarten."

Aus Kärnten heißt es: „Auch die Seilbahnwirtschaft bekommt die Energiekrise und die Explosion der Energiepreise stark zu spüren. Neben den Energiekosten sind auch die Arbeitskosten stark gestiegen. Preissteigerungen bei den Liftkarten sind daher unausweichlich“, schreibt uns Manuel Kapeller-Hopfgartner, Obmann Fachgruppe Seilbahnen der Wirtschaftskammer Kärnten.

Die Geschäftsführung von SkiJuwel rund um die Tiroler Wildschönau/Alpbachtal schreibt: "Im Durchschnitt verbraucht der Skiurlauber 18 kWh pro Urlaubstag. Das ist ein Bruchteil dessen, was Flugurlauber oder gar Kreuzfahrt-Urlauber verbrauchen. Unsere Kosten für Strom und Diesel lagen bisher bei etwa 8 Prozent vom Umsatz. Dieser Anteil ist schon gestiegen, die Energiekosten sind bis zum Winterende nicht kalkulierbar. Eine Stromknappheit erwarten wir allerdings nicht für Tirol, da er überwiegend aus Wasserkraft hergestellt wird." SkiJuwel erhöht die Preise für Tageskarten um 6 und für Mehrtageskarten um 7 Prozent und bleibt damit deutlich unter der aktuellen Inflationsrate.

Zittern die Skigebiete nicht trotzdem vor unabsehbar steigenden Energiekosten für Lifte, Schneekanonen, Pistenraupen?

Madeleine Pritz von der Österreichischen Ferienregion Lungau antwortet: "Die steigenden Energiepreise werden sich auf die Preise der Seilbahnen und Beherbergungsbetriebe auswirken, die Gäste werden dann im Urlaub sparen. In welchem Ausmaß, ist derzeit nicht seriös zu beantworten." Aus Südtirol heißt es von Andy Varallo: "Ein Ausblick für die Wintermonate ist noch verfrüht. Man kann ja nicht ausschließen, dass die Strom- und Treibstoffpreise sogar zurückgehen. Trotzdem werden wir die Situation genau im Auge behalten. Die Wintersaison steht derzeit gar nicht in Frage." Josef Reiter aus dem Zillertal: "Wir können durch organisatorische und durch Verhaltensänderungen Energie einsparen, ohne an Qualität zu verlieren. Das werden wir ja auch privat lernen müssen."

Geben Sie die Mehrkosten 1:1 an die Skifahrer weiter?

"Nein, sonst hätten wir die Kartenpreise stärker erhöhen müssen", schreibt das Tiroler SkiJuwel kurz und knapp. Die Kärntner sagen: "Es wird nur ein Teil der Kostensteigerung an die Skifahrer weitergegeben." Aus dem Zillertal heißt es: "Nein. Derzeit ist nicht absehbar, wie hoch diese Mehrkosten tatsächlich sein werden. Seit Jahresbeginn sind unserer Ersatzteilkosten um mehr als 15 Prozent gestiegen, unser Diesel hat im Einkauf um 50 Prozent mehr gekostet und Strom kostet ein Vielfaches. Das geht auf Kosten der Ertragskraft."

Lange Gesichter dürfte es an mancher Liftkasse angesichts der zu erwartenden Preise geben, falls sie doch noch mehr steigen als die Inflation.

Lange Gesichter dürfte es an mancher Liftkasse angesichts der zu erwartenden Preise geben, falls sie doch noch mehr steigen als die Inflation. © imago images/Eibner Europa, NNZ

"Zu einem guten Teil müssen wir die Mehrkosten an den Skifahrer weitergeben", so das Statement des Ski amadé-Chefs. "Unsere Gewinnmarge war auch bislang nicht sehr hoch, insbesondere nach den zwei Corona-Saisonen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir in der kommenden Saison wirtschaftlich ausgeglichen bilanzieren können." Sein Kollege von Dolomiti Superski sagt: "Das wäre nicht möglich. Wir haben als Liftbetreiber bei den gängigsten Skipassarten die laufende Inflation als Richtwert hergenommen."

Das kosten die Liftkarten in der Skisaison 2022/23

Werden Sie bitte konkret: Was müssen wir im Vergleich zur letzten Saison im Winter 22/23 für Liftkarten zahlen?

"Alle Informationen zu den Skipasspreisen 2022/23 finden Sie auf der Seite des Tarifverbunds SkiLungau“, schreibt Madeleine Pritz. Hier können Sie lesen, was die Tickets im kommenden Winter kosten werden: Erwachsene zahlen in der Hauptsaison für die Tageskarte 54,50 Euro (3 Tage 161 Euro, 7 Tage 331,50 Euro), das Kind 27 Euro (3 Tage 80 Euro, 7 Tage 166 Euro) - das sind moderate Preiserhöhungen. Josef Reiter sagt fürs Zillertal: "Wir haben die Preise um 9,7 Prozent erhöht. Der Skipass für 6 Tage kostet heuer 315,- gegenüber 287,- im Vorjahr. Eine Preiserhöhung um 28,- Euro wird nicht urlaubsentscheidend sein, wobei natürlich auch die Unterkünfte ebenfalls auf die Preisspirale reagieren müssen."

So muss das sein: Tolles Wetter, Schnee und Panorama - hier im Südtiroler Eggental. Können wir uns das bald noch leisten? Die Skigebiete sagen: Ja.

So muss das sein: Tolles Wetter, Schnee und Panorama - hier im Südtiroler Eggental. Können wir uns das bald noch leisten? Die Skigebiete sagen: Ja. © TVB Eggental

Ski amadé schreibt zwar auf seiner Homepage, "Preise und Details folgen mit Ende September 2022!", listet aber unter "Mehrtageskarten" schon jetzt konkrete Ski amadé Online Frühbucher-Bonus-Preise bis weit in den März 2023. Dort zahlt der Erwachsene in der Hauptsaison für 3 Tage je nach Kaufzeitpunkt und Nachfrage zwischen 171,50 Euro Frühbucher- bis 202 Euro Kassenpreis (7 Tage 316 Euro bis 372 Euro) und das Kind für drei Tage 86 Euro bis 101 Euro sowie für 7 Tage 158 bis 186 Euro. Auch das eine Preiserhöhung, die das Skifahren weiter möglich macht.

Dolomiti Superski hat seine Skipasspreise bereits Anfang September publiziert: Liftkarten wurden rund zehn Prozent teurer, die Saisonskipässe 2,8 Prozent. Zum Vergleich: Erwachsene zahlen in der Hauptsaison für die Tageskarte 74 Euro (3 Tage 212 Euro, 7 Tage 396 Euro), Jugendliche pro Tag 52 Euro (3 Tage 149 Euro, 7 Tage 277 Euro). "Kinder unter 8 Jahren zahlen nichts, wenn ein begleitender Erwachsener den Skipass kauft. Ab 8 und unter 16 Jahren gibt es einen Rabatt von 30 Prozent. Wer den Skipass online bis zwei Tage vor Benutzung kauft, erhält weitere 5 Prozent Rabatt auf den Listenpreis", schreibt der Verbund. Hier finden Sie die vergleichsweise günstigen Preise von SkiJuwel in Tirol.

Wer früh bucht, kann sich den Preis sichern

Sind die jetzt verkündeten Preise fix oder wird es doch noch teurer werden?

Christoph Eisinger (Ski amadé) sagt: "Unter den derzeit abschätzbaren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden wir die Skipass-Preise für die Wintersaison 2022/23 halten können. Wir gehen dabei davon aus, dass keine wesentlichen Einschränkungen bei der Energieversorgung oder aufgrund der Corona Situation auf uns zukommen. Und bei Skipässen, die bereits gebucht sind, wird der Preis gehalten." Vom Tiroler SkiJuwel heißt es: "Da Reiseveranstalter für ihre Prospekte, Schulen für ihre Skiwochen, Skiclubs für Training und Rennen, Frühbucher etwa für Weihnachten und Fasching frühzeitig ihre Quartiere sichern wollen, stehen unsere Tarife für den Winter 22/23 seit längerer Zeit fest und sind auf unserer Homepage veröffentlicht." Das heißt: Wer heute schon das Ticket bucht, ist mit dem Preis auf der sicheren Seite.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, dass Skifahren bezahlbar bleibt?

Ski amadé wird die Fahrgeschwindigkeit der Seilbahnanlagen dem Gästeaufkommen stärker als bisher anpassen. Flutlichtskilauf wird stark eingeschränkt, die Sitzheizungen werden abgeschaltet. Man wolle alles daransetzen, die Skigebiete in gewohntem Umfang zu betrieben. Kärnten sagt: "Gerade für Familien und Kinder werden wieder sehr attraktive Saisonangebote geschnürt, Skifahren soll leistbar bleiben."

Versorgen Sie sich schon mit eigenem Strom und sind somit unabhängiger?

„In den vergangenen zehn Jahren konnten die österreichischen Seilbahnunternehmen – gemessen an der Förderkapazität – 20 Prozent an Energieverbrauch einsparen. Das liegt auch an der technischen Weiterentwicklung von Seilbahn- und Beschneiungsanlagen. Trotz hoher Energieeffizienz prüfen wir alles, um den Energiebedarf ohne Einschränkung unserer Angebote zu reduzieren“, sagt Manuel Kapeller-Hopfgartner aus Kärnten.

Im Frühling, wenn es wärmer wird, schmelzen hoffentlich die Preise wie der Schnee beim Skifahren vor Ostern.

Im Frühling, wenn es wärmer wird, schmelzen hoffentlich die Preise wie der Schnee beim Skifahren vor Ostern. © Niese Ski Winter Coronazeiten, NN

Andy Varallo von Dolomiti Superski beklagt: "Mit ganz wenigen Ausnahmen können wir das leider nicht tun. In Italien wird die Stromverteilung zentral geregelt, obwohl wir in den Bergen zur Genüge Strom aus Wasserkraft hätten, um weit mehr als unseren Bedarf zu decken – zu räsonablen Preisen. Derzeit wird jedoch alles anders geregelt."

Ski amadé bezieht seinen Strom für die Beschneiung und den Seilbahnbetrieb fast komplett aus aus erneuerbaren Energien, in den Bergen ist das vor allem Wasserkraft. Mittel- bis langfristig soll fast die gesamte Energie selbst hergestellt werden. Aus dem Zillertal heißt es: "Wir alle haben bereits in erneuerbare Energie investiert und produzieren so zumindest eine kleinere Menge Strom selbst. Es werden aber Großprojekte geplant."

Könnten nach Corona auch noch zu hohe Preise vielen das Skifahren für immer verleiden?

"Unsere Preisanpassungen sind ausgewogen, da sehen wir keinen Preisschock auf den Skifahrer zukommen. Deshalb nehmen wir an, dass unsere Ski amadé-Skigebiete gut besucht werden", so Christoph Eisinger. Sein Südtiroler Kollege sieht das ähnlich: "Einen Preisschock sehen wir nicht so gravierend, die Skipässe wurden ja nur um 10 Prozent erhöht - also im Rahmen der Inflation. Die Mehrheit der Reaktionen waren eher verhalten, teils sogar verwundert, dass es nur 10 Prozent sind." Josef Reiter: "Der Urlaub in den Bergen ist ein Lebensgefühl, dass die Menschen speziell aus den Großstädten auch weiterhin begeistert. Steigende Löhne werden dafür sorgen, dass die Haushaltseinkommen an die steigenden Kosten angepasst werden." Auch SkiJuwel sagt: "Skifahren wird leistbar bleiben, wenn sich Einkommensentwicklung und Ticketpreise die Waage halten."

Auch die Hütten-Gastronomie wird kräftig zulangen – was tut man, damit die Preise nicht aus dem Ruder laufen?

Von Josef Reiter aus dem Zillertal heißt es dazu nur: "Wir gehen davon aus, dass auch die Gastronomie nur im absolut notwendigen Ausmaß ihre Preise anpasst." Und SkiJuwel meint: "Kräftig zulangen wird gar nicht gehen. Schon aus Eigeninteresse werden die Wirte am Berg ihren Gästen einen guten Service bieten. Sie sind ja auch nicht konkurrenzlos."

Was müssen Sie anders machen, damit Skifahren krisensicher wird?

Vielleicht jubeln wir ja wieder in der Saison 23/24, wenn sich alles entspannt hat.

Vielleicht jubeln wir ja wieder in der Saison 23/24, wenn sich alles entspannt hat. © Matthias Niese

Andy Varallo von Dolomiti Superski: "Ich würde unseren Weg fortführen: Hohe Qualität, längerfristige Planung, rasche Reaktionszeiten und Zusammenarbeit mit allen Akteuren in der Kette." Und aus dem Zillertal heißt es: "Durch die aktuelle Entwicklung wird sich der Umstieg auf alternative Energien beschleunigen. Skifahren ist grundsätzlich krisensicher, schon bei Corona haben die Seilbahnen umsichtig die nötigen Maßnahmen getroffen."

Skihotels könnten bis zum Winter 40 Prozent teurer werden

Michael Lidl, Chef eines Touristik-Beratungsunternehmens und Hotelier, sagt zum Portal reisevor9: "Die ohnehin durch die Folgen der Corona-Pandemie geschwächte Hotellerie hüpft angesichts der massiven Preissteigerungen für Energie und drohende Engpässe von einer Krise in die nächste." Vor allem Hotels mit großen Spa- und Wellness-Landschaften, die häufig in den Wintersportorten stehen, senken schon jetzt die Nutzungszeiten und Temperaturen. Für den kommenden Winter rechnet Lidl mit noch mehr Einschränkungen in den Wellness-Bereichen.

Fehlendes Personal, hohe Kosten für Heizung, Inventar und Lebensmittel: Im Durchschnitt lag die Preissteigerung etwa in deutschen Hotels 2022 im Vergleich zu 2019 bei 26 Prozent - mit steigender Tendenz. Bis zum Winter halten Experten bis zu 40 Prozent höhere Kosten für möglich - auch in anderen Ländern.

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