Nach ersten Fällen in der Region

Geflügelpest: Kein Grund zur Panik im Landkreis Fürth

Sabine Dietz
Sabine Dietz

Lokalredaktion Fürth

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14.1.2022, 11:00 Uhr
Am Hühnermobil, das auf der Wiese steht, haben die Hühner vom Kleinlein-Hof in Oberasbach Auslauf und können, ganz artgerecht, scharren und picken.

Am Hühnermobil, das auf der Wiese steht, haben die Hühner vom Kleinlein-Hof in Oberasbach Auslauf und können, ganz artgerecht, scharren und picken. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Allein in Deutschland wurden von Anfang Oktober bis Anfang Januar rund 400 Infektionen bei Wildvögeln erfasst, zwei waren es in Bayern, darunter eine Wildente und eine Wildgans im November im Nürnberger Land. Wolfgang Kleinlein, 54, hält an seinem Aussiedlerhof an der Leichendorfer Straße in Oberasbach 450 Hühner. 2012 hat er als erster Bauer in Franken mit Max Engewald ein Hühnermobil angeschafft. Heute sind es zwei Hühnermobile, vor denen das Federvieh an wechselnden Standorten großzügig Auslauf hat. Seit 2015, als Kleinlein seinen Milchviehhof auf Öko umgestellt hat, haben die Eier Bioqualität. Ein Standbein auf dem Hof, das ihn zum Geflügelpest-Experten machte.

Die Geflügelpest ist nun nicht gerade ein hiesiges Problem. Wie schätzen Sie die Gefahr vor Ort ein?

Ich frage mich, ob das Friedrich-Loeffler-Institut tatsächlich beabsichtigt hat, dass diese Meldung derart weit gestreut wird, wie es geschehen ist. Man muss das differenzierter betrachten: Für die Küstenregionen an Nord- und Ostsee mag die Alarmierung zutreffen. Wenn dort alle paar Kilometer eine Massentierhaltung mit Tausenden Puten kommt, muss man auch von einem Eintrag des hochinfektiösen Erregers über Luftstaub ausgehen. Bei uns in Bayern sieht es anders aus. Im Landkreis Fürth etwa gibt es nur zwei Halter, die mehr als 1000 Hühner haben.

Wolfgang Kleinlein, 54, hält an seinem Aussiedlerhof an der Leichendorfer Straße Oberasbachs 450 Hühner. 2012 hat er als erster Bauer in Franken mit Max Engewald ein Hühnermobil angeschafft. Heute sind es zwei Hühnermobile, vor denen das Federvieh an wechselnden Standorten großzügig Auslauf hat. Seit 2015, als Kleinlein seinen Milchviehhof auf Öko umgestellt hat, haben die Eier Bioqualität.

Wolfgang Kleinlein, 54, hält an seinem Aussiedlerhof an der Leichendorfer Straße Oberasbachs 450 Hühner. 2012 hat er als erster Bauer in Franken mit Max Engewald ein Hühnermobil angeschafft. Heute sind es zwei Hühnermobile, vor denen das Federvieh an wechselnden Standorten großzügig Auslauf hat. Seit 2015, als Kleinlein seinen Milchviehhof auf Öko umgestellt hat, haben die Eier Bioqualität. © Foto: Armin Leberzammer

Wie also lautet Ihre Einschätzung?

Bei uns besteht kein Anlass zur Panik. Die Geflügelpest oder Vogelgrippe ist seit 2003 bekannt, seitdem ist im Landkreis Fürth kein einziges infiziertes Tier gefunden worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das so bleibt, würde ich mal sagen, ist hoch. Natürlich ist es theoretisch möglich, dass sich jemand infizierte Tiere einkauft. Ausschließen kann man so etwas nie. Aber es ist dann immer noch ein Unterschied, ob ein Geflügelbetrieb mit unter 1000 Tieren ausgemerzt werden muss oder einer mit mehreren Zehntausend Tieren. Wer allerdings einen kranken Schwan, den er irgendwo draußen findet, in die eigene kleine Hühnerschar nach Hause mitnimmt, muss sich schon fragen lassen, wie blöd er ist.

Worauf spielen Sie an?

So ist das Saarland kürzlich zu seinem ersten belegten Geflügelpest-Fall überhaupt gekommen: Vorsorglich mussten alle Tiere des Halters getötet werden. In der Gegend wurde eine Stallpflicht erlassen.

Die Befalls-Wahrscheinlichkeit vor Ort ist nicht hoch, sagen Sie. Trotzdem hat das Landratsamt bereits Anfang Dezember wieder eine Allgemeinverfügung zum Schutz gegen die Geflügelpest erlassen.

Stimmt, und das in einer Form, die ich auch für angemessen halte: Vorgeschrieben sind jetzt Biosicherheitsmaßnahmen, die durchaus sinnvoll sind und an die wir uns letztlich sowieso halten.

Wie sehen die aus?

Beispielsweise sollten keine Fremden mit den Beständen in Berührung kommen. Die Tiere sollten nur unter Dach gefüttert werden, sodass das Futter nicht mit dem Kot von Wildvögeln, der als Hauptüberträger des Erregers gilt, in Kontakt kommt. Hygienemaßnahmen, wie das Desinfizieren von Schutzkleidung, Gerätschaften oder Transportmitteln gehören dazu. Verboten sind seitdem auch Ausstellungen oder Märkte. Vor dem Hintergrund, dass sich immer wieder schwarze Schafe finden, die über wandernde Stände oder Verkaufswägen auch bundesländerübergreifend infizierte Jungtiere verkaufen, macht das Sinn.

Im vergangenen Frühjahr wurde auch für den Landkreis Fürth eine Stallpflicht erlassen. Sie lehnen das vehement ab, wieso?

Weil die Stallpflicht dem Tierwohl nicht dient. Ich bin als Halter ja auch an das Tierschutzgesetz gebunden. Mittlerweile aber hat sich die Gesetzeslage geändert: Verfügungen zum Schutz vor der Vogelgrippe sollen nun risikoorientiert erlassen werden, das heißt: individueller und unter größerer Beachtung des Tierwohls. Und wenn ich meine Hühner artgerecht halte, so also, dass sie beispielsweise im Freien scharren und picken können, stärkt das ihr Immunsystem, sie sind deutlich robuster. Es ist eben immer die Frage, wie weit so eine Verfügung gehen muss. Die Stallpflicht, die im vergangenen Frühjahr verhängt wurde, hat bei uns im mobilen Hühnerstall auch zu Todesfällen geführt – weil sich die Hennen in der ungewohnten Enge gegenseitig erdrückt haben.

Trotz aller Entwarnung für das Fürther Land: Die Geflügelpest beschäftigt alle Jahre wieder. Wie könnte Ihrer Meinung nach eine Strategie gegen die Tierseuche aussehen?

Tatsache ist, wir haben Gegenden mit Massentierhaltungen vor allem in Norddeutschland, in denen die Geflügeldichte höher ist als die der Bevölkerung. Dort ist man mittlerweile so weit, dass man der Lage nicht mehr Herr wird. Muss ein Großbetrieb gekeult werden, schaffen das örtliche Tierbeseitigungsunternehmen mitunter nicht mehr, dann kommt ein Unternehmen aus dem Ausland. Und beim Transport fliegen dann die Federn durch die Gegend, das ist auch kontraproduktiv. Die Tierseuchenkasse, die wirtschaftliche Schäden bei Seuchenausbrüchen kompensiert, kann das auf Dauer nicht mehr leisten, dann muss sie teurer werden, das geht dann wieder an die Wirtschaftlichkeit. Nur die Ställe einfach zu schließen, geht auch nicht, sie wurden über Jahre hinweg gefördert, aus der Nummer kommt man schlecht raus. Und man kann den Besitzern auch schlecht verbieten, Geflügel in Massentierhaltung zu halten.

Was also ist zu tun?

Da sind politische Lösungen gefragt – hin zu kleineren Haltungen, die ja eigentlich auch gesellschaftlich gefordert sind. Hätten wir hier vor Ort Sumpfgebiete oder eine Seenplatte mit massig Wildvögeln, würden wir wahrscheinlich auch keine Hühner im Hühnermobil mit Freilauf halten.

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