Pop-up-Kunstladen

Sie bringt die Farbe nach Fürth: Yvonne Germann serviert im Kulturlokal

Sigrun Arenz

8.4.2022, 10:30 Uhr
Zum „Work in progress“ bittet Yvonne Germann im Pop-up-Kunstprojekt von Kulturamt und Wirtschaftsreferat – Dienstags bis freitags von 14 bis 18, sonntags von 10-14 Uhr.

© Foto: Hans-Joachim Winckler Zum „Work in progress“ bittet Yvonne Germann im Pop-up-Kunstprojekt von Kulturamt und Wirtschaftsreferat – Dienstags bis freitags von 14 bis 18, sonntags von 10-14 Uhr.

Wann ist ein Vorhaben, wann ist ein Werk fertig? Es ist eine Frage, mit der sich Malerin und Designerin Yvonne Germann in ihrer Arbeit immer wieder konfrontiert sieht. "Jetzt hier", so der Titel ihrer Ausstellung im kultur.lokal.fürth am Bahnhofplatz, ist auf jeden Fall neben "fertigen" Gemälden ihre Arbeit im Prozess zu sehen.

Der Pop-up-Laden ist ein Gemeinschaftsprojekt des Kulturamtes und des Fürther Wirtschaftsreferates, im Zwei-Wochen-Takt wechseln die Künstlerinnen und Künstler. Schon im Vorjahr hatte das Kulturamt infolge der Pandemie die bildende Kunst verstärkt gefördert, unter anderem mit der Frei Luft Galerie, die im Sommer 2022 eine Fortsetzung finden soll.

Zwei Bilder lehnen bei unserem Besuch noch an der Wand; es handelt sich um Naturthemen, Grüntöne in verschiedenen Schattierungen dominieren. Am Ende der zwei Wochen, die Germann in den Räumen der ehemaligen Tourist-Information verbringt, sollen die Bilder fertig sein, der untere Teil der Ausstellung zum grünen Wohnzimmer mit Sofa, Zimmerpflanzen und Kunst mutiert sein.

Es ist nicht die Pandemie, die Germann dazu gebracht hat, von den Menschenbildern, die im oberen Teil des Raumes zu sehen sind, zu träumerischen Arbeiten von Wäldern, Baumkronen und Blätterdächern zu wechseln, erklärt sie. Eher will sie bei ihrem künstlerischen Neustart in die Selbstständigkeit auch die Malerei wieder neu für sich entdecken.

Sonnenlicht, das durch Zweige scheint

Perfektionismus und Kontrolle spiegeln sich etwa in der Darstellung einer jungen Frau wider, die, das Gesicht nach oben gewandt, mit geschlossenen Augen zu sehen ist, innehaltend, kontemplativ, genießend. Noch älter ist ein kleinformatiges Ölbild, das mehrere ältere Menschen auf einer Bank zeigt, hinter ihnen flächig angedeutet Stadt und Grün, vor ihnen das Grau von Asphalt. Zusammen sitzen sie da, aber nicht gemeinsam, die Blicke nach vorne gerichtet, als ob sie auf etwas warteten.

Es sind zweifellos "fertige" Arbeiten, ganz anders als die Naturbilder, die Impressionen vermitteln - von Blättern und Bäumen, von schattigen Ecken, von Sonnenlicht, das durch Zweige scheint. Auch ihnen liegt eine klare Idee zugrunde, aber abgeschlossen sind sie nicht, und der Fortgang der Arbeit hängt auch von der jeweiligen Stimmung ab.

Perfektionismus, verrät Germann, kann dabei manchmal auch zum Problem werden. Denn wann ist ein Bild fertig? Fragen, denen die Künstlerin und die Besucher bis 12. April gemeinsam nachgehen können.

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