Sport mit dem Tier

Tierärztin tanzt mit Hunden: und gewinnt damit Meistertitel

25.5.2022, 13:08 Uhr
Uta Opel trainiert mit Hund Takutai.

© Swen Pförtner/dpa/Archivbild Uta Opel trainiert mit Hund Takutai.

Wenn Uta Opel zum Sport geht, muss sie eigentlich nur in den Garten gehen. Manchmal geht sie aber auch in die Innenstadt oder einen Baumarkt. Immer mit dabei sind Dexter, Takutai und Puku - drei Hunde der Rasse Miniature American Shepard.

Die 62-jährige Tierärztin macht gemeinsam mit ihren Hunden Dogdance, eine Sportart bei der Mensch und Tier zur Musik Kunststücke vorführen. In Deutschland gehört Uta Opel zu den besten ihrer Sportart. Dreimal hat sie bereits die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im Team wurde sie schon Weltmeisterin. Alleine reichte es bei Welt- und Europameisterschaften immerhin für das Finale. Damit ihre Tiere durch den Lärm bei Turnieren nicht zu sehr gestresst werden, übt sie mit ihnen auch an kuriosen Orten, wie der Innenstadt oder am Straßenrand. Oder eben im Baumarkt.

Unzählige Möglichkeiten

2009 nahm die 62-Jährige, die eigentlich Inhaberin einer Tierarztpraxis in Bockenem (Landkreis Hildesheim) ist, zum ersten Mal an einem Wettkampf teil. Damals noch in der sogenannten Fun-Klasse, also der freien Konkurrenz. Zuvor war Opel in anderen Hundesportarten aktiv und auch sonst dreht sich bei ihr alles um Hunde. Selbst ihre Ohrringe sehen aus wie Hundepfoten.

Der Spaß und das Kennenlernen neuer Menschen stehen für die 62-Jährige seit ihrer ersten Teilnahme bei einem Dogdance-Wettkampf im Vordergrund. Erfolg? Nicht so wichtig, sagt sie. "Es gibt einfach unzählige Möglichkeiten bei den Kunststücken, die man mit seinen Hunden umsetzen kann", sagt Opel. Mehrere Dutzend davon führt sie bei einem Wettkampf mit ihren Hunden vor. Positiver Nebeneffekt: Es halte fit. Eine Vorführung dauert je nach Klasse zwischen zwei und vier Minuten. Unter anderem durch Auftritte in Fernsehshows hat der Dogdance zuletzt an Popularität in Deutschland gewonnen. Die Sportart stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten.

Von Posen und Sprüngen

In ihrem Garten verbringt Uta Stunden damit, die Kunststücke mit ihren Hunden, die eigentlich einer anderen Frau gehören, einzuüben. Mit der klassischen Konditionierung bringt sie Takutai, Puku und Dexter die Posen und Sprünge bei. Für richtige Darbietungen gibt es also Leckerli. Nicht immer klappt das. Wenn ein Hund partout eine Figur falsch macht, wird mitunter auch die verkehrte Ausführung ins Programm mit aufgenommen. Bis eine Choreographie fertig ist, dauert es Monate - und fast immer muss wegen kleinerer Fehler bei der eigentlichen Aufführung trotzdem improvisiert werden.

Wann die Hunde was tun sollen, macht ihnen Uta Opel mit Gesten oder Lauten deutlich: ein Fingerzeig gibt die Richtung vor, ein "Hepp" und Takutai läuft los, um über Opels Arm zu springen. Ein paar andere Signale und das Tier springt gegen Opels Brust und macht einen Rückwärtssalto. "Ich versuche möglichst viel über Laute und Rufe mitzuteilen, denn das wird besser bewertet", sagt sie. Wichtig bei der Bewertung sind auch die Originalität, der Schwierigkeitsgrad und die dargestellte Geschichte, für die die Hund-Mensch-Teams auch Requisiten nutzen dürfen.

Dogdance für die Gesundheit

Nicht bei jedem Hund gelingt eine elegante Führung durch Rufe und Laute - etwa bei Opels ältestem Hund Dexter, der taub ist. "Dexter hat schon einige Erfolge eingefahren, jetzt tritt er aber nur noch in der Klasse für Hunde mit Einschränkungen an." Ans Aufhören denkt Opel mit Dexter trotzdem nicht, schließlich sei Dogdance trotz allem gut für die Hunde. So sei der Sport gut für die Gelenke der Tiere und die Beziehung zwischen Frauchen und Hund, sagt die Tierärztin.

Wie bei anderen Hundesportarten würden auch beim Dogdance Tier und Halter in Bewegung gebracht, lobt ein Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes Niedersachsen. Da Mensch und Hund der gleichen Anstrengung ausgesetzt seien, käme es auch nicht zu einer Überforderung des Tieres. Die Hunde würden ihre Aufgaben zudem freiwillig ausführen und spielerisch dazu motiviert. Einzig viele und lange Reisen zu Wettkämpfen könnten für die Tiere zur Belastung werden. "Deswegen fahre ich immer nachts, wenn die Hunde schlafen", sagt Opel.

Gut für die Beziehung

"Der Hund lernt im Hundesport auf die Anweisungen seines Menschen zu reagieren und sein Bewegungsdrang wird befriedigt", sagt Martina Grube. Die 39-Jährige ist Fachkraft für sogenannte tiergestützte Interventionen und setzt seit 2010 ihre Hunde in der tiergestützten Pädagogik für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen ein. "Der Hund ist gerne mit seinem Menschen unterwegs, er braucht Beschäftigung und möchte dem Menschen auch gefallen", sagt sie. Die gemeinsame Arbeit und die Wechselwirkung positiver Energie durch Stolz, Lob und Freude bei gelungenen Übungen stärke die Beziehung zwischen Hund und Halter.

Dogdance im Speziellen sieht die 39-Jährige aber auch kritisch. "Kein Hund würde diese Bewegungen von Natur aus mit Freude machen", sagt Grube. Das Tier sei vor allem auf die Belohnung, also das Leckerli, aus. Mit einer guten Beziehung habe das wenig zu tun. "Da Hunde ihrem Menschen gefallen wollen, sind sie zu vielem bereit." Das weiß auch Uta Opel: "Hunde können Verletzungen mit Euphorie übertanzen - darauf muss man als Frauchen achten."

Vertrauen, Respekt und gemeinsame Pausen

Ob Hundesport im Allgemeinen letztlich gut oder schlecht für ein Mensch-Hund-Team ist, hänge auch immer von individuellen Konstellation ab, betont Grube. Viele positive Aspekte, vor allem beim Ausleben des Bewegungsdrangs und des Gehorsams des Tieres, könnten jedoch auch durch alternative Beschäftigungen erreicht werden - etwa durch Nasenarbeit wie Fährtenlesen oder andere Bewegungsangebote. Wichtig für eine gute Beziehung zwischen Mensch und Tier seien in jedem Fall Vertrauen, Respekt und auch gemeinsame Pausen abseits von Sport und Beschäftigung.

Uta Opel vertraut ihren Hunden so sehr, dass Dexter, Takutai und Puku, deren Namen an australische Ureinwohner angelehnt sind, für Kunststücke auch Platz auf dem Rücken der 62-Jährigen nehmen dürfen. So springt etwa Puku nach einem kurzen Ruf auf Opel, die ihren Oberkörper dafür nach vorne beugt. Puku thront dann wie ein König auf der Frau.