Fall 7 der Weihnachtsaktion

Zu viele Sorgen auf einmal: Wie sich Carla M. mit ihrem Sohn durchs Leben schlägt

Irini Paul
Irini Paul

Lokalredaktion

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19.11.2022, 10:22 Uhr
Zwischen Alleinerziehenden und ihren Kindern entwickelt sich oft ein sehr enges Band. Trotzdem brauchen sie ein Netzwerk.

© Marcel Kusch, NN Zwischen Alleinerziehenden und ihren Kindern entwickelt sich oft ein sehr enges Band. Trotzdem brauchen sie ein Netzwerk.

Wenn man sie in der U-Bahn sehen würde, käme man nicht darauf, was sie mit sich herumschleppt. Carla M. (alle Namen geändert) ist eine gepflegte, attraktive Frau Anfang 40 mit ausgesprochen aufrechter Körperhaltung und einem wachen, ja, ein wenig stolzen Blick. Vielleicht ist es dieser Stolz, der sie davor schützt, nicht unter der Last des Erlebten und den täglichen Problemen zu zerbrechen.

Ihre Kindheit verläuft schwierig und ist von Gewalt geprägt. Als die Probleme immer größer werden, wird Carla M. mit sieben Jahren aus ihrer Familie genommen und wächst im Heim auf. Dort hat sie Strukturen, macht ihren Abschluss, beginnt schließlich eine Ausbildung und beendet diese auch. Doch so richtig fasst sie nicht Fuß in ihrem Beruf, beginnt eine neue Ausbildung, dann eine Umschulung, immer wieder zieht sie um. "Irgendwie hatte ich nie Wurzeln schlagen können, das machte sich dann auch hier bemerkbar", sagt sie heute mit einem klaren Blick auf sich selbst.

Dennoch, sie ist immer fleißig, tingelt von einem Job zum anderen und wird von ihrem damaligen Freund mit 27 Jahren schwanger. Ein Wunschkind, wie sie betont. Doch ihr Partner zeigt wenig Verantwortungsbewusstsein, hintergeht und betrügt sie. Die Beziehung zerbricht noch während der Schwangerschaft. Für sie wird ein "Albtraum" wahr, wie sie sagt. "Ich wollte nie alleinerziehend wie meine Mutter sein."

Der Start verläuft holprig. Ihr Sohn Max kommt zu früh auf die Welt, ist ein Schreibaby, und Carla M. ist mit allem alleine. Der Vater kümmert sich nicht. Nur wenige Monate nach der Geburt erkrankt sie an einer Depression, mit der sie bis heute kämpft. Doch sie will sich nicht unterkriegen lassen, für ihr Kind funktionieren. Sie jobbt nachts in der Disko als Bedienung, während ihre Schwester auf den Kleinen aufpasst, tagsüber arbeitet sie in einer Spielhalle. Schließlich bricht sie zusammen, muss für mehrere Wochen in die Klinik. Max kommt in einer Pflegefamilie unter. Drei Mal muss sie insgesamt stationär behandelt werden. Schließlich geht es ihr so schlecht, dass sie sich nicht mehr um Max kümmern kann.

Der Job half

"Das war für mich das Schlimmste in meinem Leben, ihn mit zehn Jahren in ein Heim zu geben. Ich hatte Angst, dass sich nun bei ihm alles wiederholt." Doch während Max den Sprung auf die Realschule schafft, kommt auch sie wieder auf die Füße, sucht sich einen Job als Verkäuferin, den sie gerne und jahrelang macht. "Die Strukturen dort haben mir geholfen." Drei Jahre lebt sie ohne ihr Kind, und schöpft doch jede Möglichkeit aus, um mit ihm zusammen sein zu können. Jedes zweite Wochenende ist er über Nacht bei ihr und in den Ferien. "Mein Chef war da sehr rücksichtsvoll und gab mir da immer frei", wie sie erzählt.

Leider ist er das nicht, als sie Max wieder zurückholen will und ihr verwehrt, von der Spätschicht in die Frühschicht zu wechseln. Also kündigt sie schweren Herzens und sucht panisch nach einer neuen Stelle, die es ihr möglich macht, Max wieder zu bekommen: Ein richtiger Job, bei dem sie dennoch genug Zeit für ihn hat. Bei der Wahl hat sie wenig Glück und landet bei einem Zustelldienst, mit Arbeitszeiten, die sie schließlich an die Grenze der Belastung bringen. Zudem wird das Gehalt nicht zuverlässig gezahlt, ein Unfall im Dienst wird ihr anteilig abgezogen. An der Bemessungsgrenze, um Wohngeld beziehen zu können, scheitert sie an ein paar Euro, die sie zu viel verdient. "Es ist schon erstaunlich, wie jemand, der sich so bemüht, so viel Pech haben kann", sagt die Jugendamtsmitarbeiterin, die die Familie betreut.

Carla M. bezieht derzeit Krankengeld, danach wird sie erst einmal Hartz IV. beantragen müssen, bis sie wieder auf die Beine gekommen ist. Sie ist in Behandlung und lernt, mit ihrer Depression zu leben und hofft. bald stabil genug zu sein, um arbeiten gehen zu können - auch wegen der Strukturen. Doch das monatliche Budget ist äußerst knapp, hinzu kommen Schulden aus der Zeit, als sie vier Monate auf ihr Gehalt warten musste, die Mehrkosten für Strom und Heizung - und die Sorge um Max. Der ist inzwischen 14 Jahre, eckt in der Schule an und bräuchte dringend regelmäßig Nachhilfe, die sich die Mutter nicht leisten kann.

Mehr als 20 Euro Taschengeld im Monat sind für den Teenager nicht drin. "Er motzt dennoch nicht. Und ich habe großes Glück, dass wir ein wirklich gutes Verhältnis haben und er mit seinen Sorgen zu mir kommt." Wenn sie ihm schon nicht viel bieten könne, dann wolle sie wenigstens für ihn da sein, sagt sie. Daneben versucht sie überall zu sparen, damit er nicht auf alles verzichten muss. Den gemeinsamen Kino-Besuch im Dezember hat sie schon seit August im Hinterkopf.

"Freude für alle" bittet herzlich um Unterstützung für Carla M., deren Schicksal hier auch beispielhaft für andere Alleinerziehende steht.


Die IBAN-Spendenkonten von "Freude für alle": Sparkasse Nürnberg: DE 63 7605 01 01 0001 1011 11; Sparkasse Erlangen: DE 28 7635 00 00 0000 0639 99; Sparkasse Fürth: DE 96 7625 0000 0000 2777 72.

Gezielt und unbürokratisch: So hilft die Aktion "Freude für alle" des Verlags Nürnberger Presse (VNP) Menschen, die ins soziale Abseits und in Not geraten. Sie möchten spenden und sich an der Aktion beteiligen? Dann klicken Sie bitte hier. Alle Fälle der diesjährigen Weihnachtsaktion finden Sie unter diesem Link.

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