Spendenaktion

Junge Fränkin schwer an Long Covid erkrankt - teure Behandlung als letzte Hoffnung

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Oliver Haas

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30.7.2022, 05:58 Uhr
Die 28-jährige Sarah ist schwer an Long Covid erkrankt. Die Familie sammelt nun Geld für eine teure Behandlung, damit Sarah wieder ins Leben zurück finden kann.

© Sophia Buckel Die 28-jährige Sarah ist schwer an Long Covid erkrankt. Die Familie sammelt nun Geld für eine teure Behandlung, damit Sarah wieder ins Leben zurück finden kann.

Eine extreme körperliche Schwäche, die nicht recht zu beschreiben ist und vormals fitte Menschen ans Bett fesselt. Jede Bewegung wird zur Tortur, begleitet wird alles von starken Kopfschmerzen, Herzrasen und extremen Schlafstörungen. Starke Reize, Licht und Geräusche verstärken die Symptome. Dieser Zustand ist seit drei Monaten die Realität der 28-jährigen Sarah aus Ansbach.

Alles begann mit einer Corona-Infektion im Februar, berichtet Sophia Buckel, die Schwester von Sarah. Die junge Kinderpflegerin infizierte sich in der Arbeit knapp zwei Monate nach der dritten Impfung mit dem Coronavirus. Der Verlauf an sich war mild, aber Sarah wollte danach nicht mehr richtig gesund werden. Die Diagnose der Ärztin: Long Covid.

Es folgten weitere Arztbesuche, ein Test nach dem anderen und ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt in Strüth bei Ansbach. Bis auf eine leichte Herzbeutelentzündung konnten die Ärzte jedoch nichts finden, was der jungen Frau fehlt. "Im Krankenhaus haben es die Ärzte dann recht schnell auf die Psyche geschoben", berichtet Sophia.

Das Krankenhaus kenne Long Covid in Form von Atem- und Lungenproblemen, aber die Symptome von Sarah passen nicht dazu, fasst die Schwester zusammen. Die Symptome passen jedoch auf ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Das Chronische Fatigue-Syndrom) - eine neuroimmunologische Erkrankung, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Behinderung führt. Eine Erkrankung, die es bereits vor Corona gab und ebenso wie Long Covid noch recht wenig erforscht ist. Auch im Krankenhaus wollte sich niemand so recht damit befassen, schildert die Schwester.

Erschöpft ans Bett gefesselt

Sarah kam wieder nach Hause und es ging ihr noch schlechter als zuvor. Sie kann nicht mehr ihrem Beruf nachgehen, kleinste Arbeiten verrichten oder alleine auf die Toilette gehen. Selbst Fernsehen, Musik hören oder längere Gespräche sind unmöglich. Ihr Vater zog quasi zu ihr und unterstütze sie Tag und Nacht, berichtet die Schwester: "Jede Nacht ist eine Überwindung durchzuhalten und ein Kraftakt für beide."

Sarahs Schwester Sophia nahm über Facebook Kontakt zu weiteren betroffenen Familien auf und begann mit der Recherche. Dabei stieß sie auf eine Reportage des Moderators Eckart von Hirschhausen. Darin ging es um Long Covid und Patienten mit den gleichen Beschwerden, wie sie ihre Schwester plagen. Eine vorgestellte Behandlung, bei der das Blutplasma gefiltert wird, sieht die Familie nun als einzige Rettung, wie es Sarah wieder besser gehen kann.

Sophia hat in den vergangenen Tagen mindestens 30 Ärztinnen und Ärzten kontaktiert, um ihrer Schwester diese Behandlung zu ermöglichen. "Blutwäschen werden nicht für solche Fälle angeboten, sondern für andere Krankheitsbilder. Viele Ärzte weisen einen daher ab", erklärt Sophia. Mittlerweile zeichne sich aber ein Behandlungsplatz für Sarah ab.

Spendenaktion für teure Behandlung

Zwischen 10.000 und 20.000 Euro koste die Behandlung, die nicht von der Krankenkasse übernommen wird. Aus diesem Grund hat die Schwester eine Spendenaktion gestartet, womit sie die Behandlung, aber auch weiter Kosten, die im Rahmen der Pflege anfallen werden, stemmen möchte. Bei den anvisierten 20.000 Euro werde es daher mit Sicherheit nicht bleiben.

In den ersten drei Tagen kamen durch den Spendenaufruf fast 14.000 Euro zusammen. "Wir sind einfach überwältigt, wie schnell so viel Geld zusammengekommen ist", sagt Sophia, auch wenn sie weiß, dass der Betrag bei weitem noch nicht reichen wird. Es seien vor allem auch Eltern aus dem Kindergarten, in dem Sarah arbeitet, die Geld für ihre Behandlung spenden, weil sie ihre Kinder wieder in guten Händen wissen wollen, erzählt Sophia gerührt.

"Meine Schwester kann nun schon seit drei Monaten nicht mehr arbeiten. Überall brechen durch eine solche Erkrankung Menschen weg, die wichtig für unser System sind", so ihr Appell. Ihre Schwester habe sich nachweislich im Dienste für die Gesellschaft mit Corona infiziert. Sie würde sich daher wünschen, dass mehr von offizieller Seite unternommen würde, um Betroffenen zu helfen.

Sarah habe mit Ausblick auf die Behandlung wieder neue Hoffnung gefunden, auch wenn diese Art der Aufregung ihr ebenfalls ein enormes Maß an Anstrengung abverlangt.