Wie ist die Lage in Seniorenheimen?

Forchheim: Impfen, testen und Maske – das schützt gut vor Corona

Maria Däumler
Maria Däumler

Redaktion Forchheim

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14.1.2022, 20:00 Uhr
Kontrolle am Eingang des Jörg Creutzer Seniorenheim: Hier müssen Besucher einen negativen Schnelltest vorlegen und ihre Daten hinterlassen.

Kontrolle am Eingang des Jörg Creutzer Seniorenheim: Hier müssen Besucher einen negativen Schnelltest vorlegen und ihre Daten hinterlassen. © Berny Meyer, NNZ

„Wir müssen testen, testen, testen“, erklärt Pangeni. Aus der schwierigen Zeit der Pandemie vor rund einem Jahr, als in vielen Seniorenheimen das Corona-Virus grassierte und in manchen Häusern auch Todesopfer forderte, habe man viel gelernt.
So machen inzwischen in den befragten Seniorenheimen alle geimpften Mitarbeiter zwei- bis dreimal die Woche einen Corona-Schnelltest, ungeimpfte Mitarbeiter müssen sich täglich vor der Arbeit testen, berichten neben Parbati Pangeni auch Jochen Misof, Leiter des Jörg Creutzer Hauses und Wichernheimes der Diakonie in Forchheim, Paul Schlund, Leiter des Caritas-Pflegezentrums St. Elisabeth in Forchheim, Markus Wagner, Pressesprecher des Diakoneo Demenzzentrum Forchheim sowie Alexandra Dauer, Leiterin des Seniorenzentrums Martin Luther in Streitberg.

Da hören die Seniorinnen und Senioren gerne zu: Eine Mitarbeiterin liest aus der Tageszeitung vor.

Da hören die Seniorinnen und Senioren gerne zu: Eine Mitarbeiterin liest aus der Tageszeitung vor. © Berny Meyer, NNZ

Besucher können ihre Angehörigen in diesen Einrichtungen – meist nach Terminvereinbarung – zu festgelegten Zeiten besuchen, sie müssen allerdings überall einen aktuellen Schnelltest vorlegen und ihre Daten registrieren lassen.

„Schon ein Aufwand“

„Das ist natürlich schon ein Aufwand“, sagt Paul Schlund. Jeder einzelne Besucher müsse überprüft, der Schnelltest kontrolliert, die Daten dokumentiert werden. Dazu gilt in allen Häusern: Sowohl Mitarbeiter wie auch Besucher müssen im gesamten Gebäude FFP2-Masken tragen.
Während in den meisten Einrichtungen die Besucher nach ihrer Registrierung auch direkt ins Zimmer der Senioren gehen dürfen, sollen sich die Gäste im Pflegezentrum St. Elisabeth nur in den extra ausgewiesenen Besuchszonen im Erdgeschoss mit den Bewohnern treffen, erläutert Schlund.
Damit wolle man verhindern, dass zu viele externe Gäste durch das ganze Haus gehen. „Aber Ausnahmen sind natürlich möglich“, betont er. In seinem Haus seien alle 100 Bewohner geimpft, „95 Prozent auch geboostert“, so Schlund. Auch 92 Prozent seiner 74 Mitarbeitenden seien geimpft, 73 Prozent davon geboostert, sie haben also eine dritte Impfung. Nur sechs Mitarbeiter seien ungeimpft. „Ich bin gespannt, was passiert, wenn am 15. März die Impfpflicht für Pflegekräfte kommt.“

Nur leichte Verläufe

Das Pflegezentrum St. Elisabeth sei bisher relativ gut durch die Corona-Pandemie gekommen, findet Schlund. Vor einem Jahr habe es zwölf Erkrankungen im Haus gegeben, bei der zuletzt dritten Welle seien drei Bewohner infiziert gewesen, die dank milder Verläufe aber nicht einmal ins Krankenhaus mussten. „Wir hatten zum Glück bisher keinen einzigen Todesfall.“

Einen Berg von Schnelltests hat Heimleiter Jochen Misof auf seinem Schreibtisch.

Einen Berg von Schnelltests hat Heimleiter Jochen Misof auf seinem Schreibtisch. © Berny Meyer, NNZ

Das sei vor allem den Pflegekräften zu verdanken, die alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen voll mitgetragen haben. „Die Mitarbeiter in allen Bereichen haben hervorragend mitgemacht und Außerordentliches geleistet“, lobt er. „Aber langsam sind alle Beteiligten müde, die Belastung allein durch das ständige Tragen der FFP2-Masken ist schon extrem“, schildert er die Situation. Jetzt sei man gespannt, wie sich das mit Omikron entwickelt, „da können Sie ja jeden Tag was anderes lesen“, sagt Schlund. Hier gebe es viele Unsicherheiten.

Mehr Klarheit gefordert

Das beschäftigt auch alle anderen Heimleiter sehr: „Ich gucke jeden Tag die RKI-Meldung an“, berichtet Parbati Pangeni. Wie weit ist Omikron schon vorgerückt? Der Sohn einer Mitarbeiterin sei positiv getestet, aber man weiß nicht, mit welcher Virusvariante. Ein Test auf Omikron würde 200 Euro kosten, das könne sich aber nicht jeder leisten. Die Mitarbeiterin sei voll geimpft und müsse eigentlich laut geltender Regelung nicht in Quarantäne, doch das ist Parbati Pangeni zu heikel, denn auch voll Geimpfte können bekanntlich das Virus weitertragen.
„Was ist, wenn die Frau auch mit Omikron infiziert ist und das Virus ins Seniorenzentrum trägt?“, beschreibt sie die Problematik. Hier wünscht sich die Heimleiterin von den Politikern und den Behörden dringend mehr Klarheit. „Ich will nichts riskieren“, betont Pangeni. Daher sei die Mitarbeiterin derzeit krank geschrieben. Im BRK-Seniorenzentrum ist die Impfquote unter Bewohnern und Mitarbeitern ebenfalls sehr hoch. Nur sechs Beschäftigte seien nicht geimpft, sie testen sich aber täglich.

Ähnlich verhält es sich im Jörg Creutzer Seniorenheim der Diakonie: Hier sind laut Jochen Misof von 111 Bewohnern inzwischen 105 doppelt geimpft oder geboostert, im Wichernheim liegt die Quote sogar bei 100 Prozent. Unter den 154 Mitarbeitern in beiden Häusern seien insgesamt elf nicht geimpft. Das seien aber in der Regel keine Impfgegner, sondern eher Menschen, die aus persönlichen Gründen Angst vor der Impfung haben, weiß er.
Auch in den beiden Diakonie-Häusern herrschten vor allem im vergangenen Winter, als die Senioren noch nicht geimpft waren, maximale Vorsichtsmaßnahmen: „Wir haben nach außen die Mauern hochgezogen, aber im Inneren lief und läuft alles ganz normal“, sagt Misof, daher habe es keine Probleme mit Vereinsamung oder Depression unter den Bewohnern gegeben. Manche Angehörige hätten sich sogar bedankt, „dass bisher bei uns alles so gut gelaufen ist“, erzählt er.

Viel gelernt

Auch im Seniorenzentrum Martin Luther in Streitberg ist eine gewisse Form von Normalität eingekehrt. Hier sind im vergangenem Winter 27 Bewohner an Corona gestorben. „Das beschäftigt uns immer wieder, das hat an allen sehr gezehrt. So was wollen wir nicht mehr erleben“, sagt Alexandra Dauer. „Im Moment ist die Situation relativ entspannt, bedingt durch die Impfung.“ Von 68 Bewohnern seien 97 Prozent geimpft, davon 98 Prozent geboostert. Auch 98 Prozent der 85 Mitarbeiter seien geimpft, davon 63 Prozent geboostert. „Wir haben gelernt, dass Impfen vor schweren Verläufen schützt und die Gefahr, andere anzustecken, deutlich reduziert“, betont Dauer. „Außerdem helfen Schnelltests, hochinfektiöse Menschen schnell heraus zu filtern und FFP2-Masken schützen gut vor Ansteckung“, fasst sie ihre in der Praxis gesammelten Erkenntnisse zusammen.


Lebensqualität bieten

„Für unsere Bewohner versuchen wir so viel Normalität und Lebensqualität wie möglich anzubieten.“ So gebe es Veranstaltungen und Konzerte, natürlich mit entsprechenden Hygieneregelungen, nur größere Veranstaltungen habe man jetzt wieder abgesagt. Dazu werden für die Senioren Beschäftigungen wie Gymnastik und Gedächtnistraining angeboten, zwar aktuell nicht mehr hausübergreifend, sondern nur noch gruppenbezogen, um im Falle eines Falles das Ansteckungsrisiko zu minimieren.
Ein Anliegen hat Alexandra Dauer am Ende des Gespräches: „Eine Impfpflicht nur für Pflegekräfte finde ich gar nicht gut, hier ist die Impfquote eh schon sehr hoch und Pflegekräfte sind sowieso schon so belastet. Viel besser wäre eine generelle Impfpflicht, denn wir hier in den Seniorenheimen leiden auch durch die hohe Inzidenz draußen“, gibt sie zu bedenken.

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