Emotionale Debatte

Königsbad Forchheim wird generalsaniert – für rund 14,6 Millionen Euro

Datum: 20.12.2019, Abrechnung: Pauschale Motiv: Philipp Rothenbacher, Portrait, Porträt, Mitarbeiterportrait, NN-Redakteur, Verlag Nürnberger Presse, VNP
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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12.1.2022, 06:00 Uhr
Beliebtes Ziel: Das Königsbad wird nicht nur wie hier zur Weihnachtsferien–Zeit von Menschen aus der ganzen Region besucht.
 

Beliebtes Ziel: Das Königsbad wird nicht nur wie hier zur Weihnachtsferien–Zeit von Menschen aus der ganzen Region besucht.   © Berny Meyer

Der allgemeine Schock über die Höhe der Kosten für die Sanierung, Modernisierung und geplanten Neubauten war schon in der letzten Sitzung des Forchheimer Stadtrats im Dezember groß – und damals ging man noch von "nur" 13 Millionen Euro aus. Summen, die für enormen Diskussionsbedarf sorgten. Deshalb wurde nun eine Sitzung des Rathaussanierungs-Ausschusses zur Sondersitzung "Königsbad" umgemodelt.

"Heute geht es um alles, nur nicht um das Rathaus", machte OB Uwe Kirschstein (SPD) gleich zu Beginn klar. "In aller Ausführlichkeit" gelte es stattdessen, die Sanierung des Königsbades sowie die Neugestaltungsmaßnahmen zu erörtern. Und damit hatte Architekt Stefan Paptistella vom gleichnamigen Hirschaider Planungsbüro das Wort. Er fing mit den dringenden Arbeiten zur Schadensbeseitigung an.

Der Planer präsentierte den Räten eine Grafik des Hallenbades, auf der sämtliche Bodenbeläge, die wegen akuter Durchfeuchtung ausgetauscht werden müssen, in blauer Farbe markiert waren. Der Eindruck: Blau ist es so ziemlich überall, mit Ausnahme des Kleinkinderbecken-Bereichs. Die Folge: Alles muss raus, Bodenfliesen, Estrich, Dämmschichten. Neue, wirklich rutschfeste Fliesen in Natursteinoptik werden eingebaut.

Auch die Wände werden saniert, die Decken im Duschenbereich sollen erneuert und mit Holzakustikplatten ausgestattet werden, als Angleichung zu den bestehenden Holzdecken in der Badehalle. So viel zur Schadensbeseitigung, deren Kosten auf knapp 4,5 Millionen Euro geschätzt werden.

Mehr Attraktivität

Weiter ging es mit den Modernisierungsmaßnahmen, im Architekten-Jargon "Attraktivierung" genannt: Die bisherigen fünf Sammelumkleiden seien nach allgemeiner Meinung zu wenig, so Paptistella. Sie sollen ausgebaut, erneuert und erweitert werden: Zu insgesamt acht Umkleiden, die besser angeordnet sind, mit farbigem Leitsystem.

Chlordioxid sorgte für kaputte Rohre sowie durchfeuchtete Böden und Wände: Betriebsleiter Christian Lenkl begutachtet einige der vielen Schäden im Bad.
 

Chlordioxid sorgte für kaputte Rohre sowie durchfeuchtete Böden und Wände: Betriebsleiter Christian Lenkl begutachtet einige der vielen Schäden im Bad.   © Eduard Weigert

Auch die bestehende Holztreppe zur Galerie soll zur Edelstahltreppe werden, die rutschigen Holzdielen sollen rutschfesten Dielen aus dem naturfaserverstärkten Kunststoff WPC weichen. Ebenso geht es an den innenarchitektonischen Umbau des Bad-Restaurants, das erweitert wird und "ein modernes, einladendes Flair" erhält, so der Architekt.

Im Zuge der Sanierung sollen Teile der Beleuchtung auf energiesparende und langlebigere LED-Technik umgerüstet werden. Nach Angaben der Planer reduzieren sich dadurch nicht nur die Stromkosten: Mit LED würden jährlich an die 104 Tonnen CO₂ im Bad eingespart.

"Bypass" zu den Rutschen

Weitere Posten: die Vergrößerung der Dachterrasse des Saunabereichs, neue Liegen und Stühle für Bad, Sauna und Freibad sowie der barrierefreie Umbau des Foyers/Kassenbereichs und die Verschönerung der teils veralgten Außenfassade.

Auch der Zugang zum Rutschenturm, der bisher (und oft störend) durch das Lehrschwimmbecken erfolgt, soll mittels "Bypass", also einem neuen abgetrennten Gang, entzerrt werden. Von rund 5,5 Millionen Euro an Kosten für all diese Maßnahmen geht Paptistella aus.

Die bisherigen fünf Sammelumkleiden seien nach allgemeiner Meinung zu wenig, sie sollen erneuert und erweitert werden.

Die bisherigen fünf Sammelumkleiden seien nach allgemeiner Meinung zu wenig, sie sollen erneuert und erweitert werden. © Eduard Weigert

Zuletzt standen die geplanten Neubauten auf dem Königsbad-Gelände zur Debatte. Das größte Vorhaben (für knapp eine Million Euro) ist ein "Ruhehaus" zwischen Sauna- und Kleinkinderareal: In Massivbauweise (mit Holzverkleidung und begrüntem Dach) sollen Gäste darin Entspannung finden, Liegemöglichkeiten und Feuerstelle mit Gaskamin inklusive. Die Mitarbeiter wünschen sich zudem einen kleinen Vorbereitungsraum für Sauna-Aufgüsse. Ein garagenartiger Betriebshof (vornehmlich zur Lagerung von Ausrüstung und Werkstoffen) steht im Außenbereich des Freibads ebenso auf der Wunschliste.

Daneben sollen Mietschränke für Freibad-Besucher angeschafft und neue Außenduschen mit barrierefreiem WC unweit des Kiosks errichtet werden. Kleinere Posten sind ein Vordach über dem Haupteingang sowie eine versenkbare Abdeckung für das Außenbad im Saunagarten. Auf rund 3,3 Millionen Euro beläuft sich die Neubau-Rechnung alles in allem.

Preissteigerung befürchtet

Zusammen käme man damit auf Gesamtkosten von etwa 13,3 Millionen Euro. Doch gehen die Planer wie die Verwaltung durch voraussichtliche diesjährige Preissteigerungen im Bausektor davon aus, dass dieser Betrag nicht zu halten sein wird. Sicherheitshalber rechnet man mit einer zehnprozentigen Steigerung – was zu 14,6 Millionen Euro führen würde.

Auch die Galerie und der Gastro-Bereich sollen künftig neu erstrahlen.
 

Auch die Galerie und der Gastro-Bereich sollen künftig neu erstrahlen.   © Eduard Weigert

Inklusive Außenanlagen und Co. würde das generalsanierte und modernisierte Königsbad einen Neubauwert von etwa 38 Millionen Euro haben, rechnete Paptistella vor – "denn man muss bedenken, dass wir das Gebäude quasi erst mal in einen Rohbauzustand versetzen". Zum Vergleich: Als das Königsbad 2010 eröffnet wurde, beliefen sich die Baukosten auf knapp 22 Millionen Euro.

Emotionale Diskussionen

An all diesen Beträgen hatten die Ausschuss-Mitglieder freilich schwer zu schlucken. "14,6 Millionen, eine Wahnsinnszahl", meinte etwa Markus Schmidt (CSU). "Bei den erschreckenden Kosten wird das Königsbad ja zum Kaiserbad", merkte Erwin Held (FW) bitter an und mahnte, "einige Posten bitte nochmal genau zu überprüfen, wo es eventuell Einsparmöglichkeiten gibt". Auch wollte er mit Blick auf die 4,5 Millionen Euro für die Schadensbeseitigung wissen, wie hoch wohl die Chancen stünden, "dass wir davon etwas als Schadensersatz von der Versicherung zurückbekommen?"

Hier musste ihn OB Kirschstein vertrösten: "Die Verfahren mit unserem Anwalt laufen noch." Allerdings gebe es in wenigen Tagen eine entscheidende juristische Besprechung – und im März sollen dann die endgültigen Ergebnisse aus der Schadensersatz-Verhandlung vorliegen. In der Verwaltung ist man guten Mutes, dass sie für die Stadt positiv ausfallen. Sigrun Wagner vom Bauamt merkte auch an, dass es sich bei den genannten Kosten um Brutto-Beträge handele – "und wir sind mehrwertsteuer-abzugsberechtigt".

Die meisten Probleme mit dem vorgestellten Maßnahmenpaket hatte Sebastian Körber (FDP): "Alter Schwede!", meinte er bei derlei Geldbeträgen. "Wir geben hier das Geld der Steuerzahler ganz schön großzügig aus" – insbesondere mit Verweis auf die Vielzahl an Großprojekten (wie Rathaussanierung, Paradeplatzumgestaltung, Kolpinghaussanierung), die dann alle parallel liefen. Körber: "Wer hat in der Stadtverwaltung dann eigentlich noch den Überblick? Da bin ich ja mal gespannt." Ähnlich wie Held bereiteten ihm die vielen einzelnen Posten des Sanierungspakets "in ihrer Summe" Sorgen.

Und geradezu "beschämend" fand Körber die langen Warteschlangen (mit teils wieder enttäuscht abreisenden Gästen), die sich in den letzten Wochen vor dem Königsbad gebildet hatten. Er plädierte für die Einführung eines digitalen Reservierungssystems. Klar gegen ein solches sprach sich aber der OB aus: "Das wird es in der Stadt Forchheim nicht geben", so Kirschstein. Man wolle ein "Familienbad" bleiben, das man auch spontan besuchen könne, ohne Zeitlimit. Die Warteschlangen seien "absolut Corona geschuldet gewesen", erklärte der Rathaus-Chef: "An normalen und guten Tagen haben wir 4000 Gäste im Bad, wegen der Pandemie dürfen es aktuell nur 150 Personen gleichzeitig sein."

Dem pflichtete Forchheims ehemaliger "Bäder-Chef" Walter Mirschberger bei: Einerseits die Corona-Beschränkungen, andererseits der kurzzeitige Andrang, weil Weihnachtsferien waren. "Schon am Tag nach den Ferien ist die Situation wieder normal", so Mirschberger. Er berichtete, dass es einige Bäder gebe, die zwar ein solches Reservierungssystem hätten, dieses aber nicht nutzen würden, "weil es mehr Probleme schafft als sie zu lösen".

Hans-Werner Eisen (CSU) sowie Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) brachten die Meinung vieler Räte auf den Punkt, als sie sich dafür aussprachen, "jetzt nicht an der falschen Stelle zu sparen" (Eisen), gelte es doch, das Königsbad "für unsere Bürger" zu sanieren und gleichzeitig attraktiv zu halten – bei "stabilen, verlässlichen Eintrittspreisen, die sich alle leisten können" (Prechtel). Die Bürgermeisterin forderte ihre Kolleginnen und Kollegen auf, "dass wir jetzt Mut beweisen und diese dringenden und absolut nicht übertriebenen Maßnahmen angehen".

Kein "Glücksritter"

Dafür gab es von etlichen Seiten stille Zustimmung – auch wenn, wie der OB formulierte, "wir das ganze Vorhaben als Stadtrat kritisch begleiten werden". Erwin Held forderte zudem, dass man "diesmal bei der Ausschreibung und der Auftragsvergabe bitte wieder nicht auf irgendwelche 'Glücksritter' setzen" möge, sondern versuchen solle, "die qualifiziertesten Firmen zu gewinnen".

Wie viele Emotionen am Königsbad hängen, wurde zuletzt bei der Abstimmung klar, bei der es mitnichten so etwas wie einen "Fraktionszwang" gab. Mit 12:3 stimmte das Gremium den geplanten Maßnahmen und dem zeitnahen Start des Vergabeverfahrens zu, die drei Gegenstimmen kamen von FDP-Mann Körber, FGL-Rat Steffen Müller-Eichtmayer und dem Freien Wähler Held.

Sanierungsstart soll nach den Osterferien sein, der Mai ist dafür angepeilt. Acht bis zehn Wochen werden laut Wagner dann erst einmal die Abbrucharbeiten in Anspruch nehmen – was starke Einschränkungen in der kommenden Badesaison mit sich ziehen dürfte. Insgesamt geht man von einer Bauzeit von knapp 1,5 Jahren aus.

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