Zwischen Türrahmen und Mauer Messer entdeckt

Polizei entdeckt zufällig Drogen: 40-jähriger Forchheimer vor Gericht

13.1.2022, 17:26 Uhr
Unser Symbolfoto zeigt die besonders gefährliche Droge Crystal Meth bei einer Präsentation durch die Polizei in Sachsen vor einigen Jahren.
 

Unser Symbolfoto zeigt die besonders gefährliche Droge Crystal Meth bei einer Präsentation durch die Polizei in Sachsen vor einigen Jahren.   © Arno Burgi, NN

Sie sind unterwegs, um die Wohnung eines Drogen-Großhändlers zu durchsuchen. Bei der Begehung in dem unübersichtlichen Anwesen betreten die Beamten der Kriminalpolizei Bamberg auch ein Nebengebäude. Dort lagerte der Cannabis-Lieferant einst seine Ware. Erst als die Polizisten schon im Wohnzimmer stehen, fällt ihnen auf, dass es sich um die Zimmer eines ganz anderen handelt.

Da ist es für den Mieter, nennen wir ihn Christopher, aber bereits zu spät. „Ich habe gleich gerochen, dass irgendwo Marihuana lagern muss,“ so ein Ermittler. Kurzerhand besorgt man sich auch für diese Wohnung einen Durchsuchungsbeschluss und stöbert darin herum.

Messer zwischen Türrahmen und Mauerwerk griffbereit verstaut

In einer Schreibtisch-Schublade liegen etwa 15 Gramm eines kristallinen Pulvers, das von einem Laborchemiker des Landeskriminalamtes in München als Crystal Meth klassifiziert wird. Beim Aufschlitzen des Unterbodens der Wohnzimmer-Couch taucht zudem ein Plastikbeutel mit 40 Gramm Marihuana auf. Nach Angaben des Ermittlers ist das die Quelle des auffälligen Geruches. Der dringe auch durch Vakuumverpackungen und sei dann in Zimmern bemerkbar, die nicht regelmäßig gelüftet würden. Auch eine Einwegspritze mit einer weißen Paste kommt zum Vorschein. Der anfängliche Verdacht, es handle sich auch dabei um illegale Substanzen, wird allerdings von den LKA-Fachleuten zerstreut. Es ist eine cortisonhaltige Salbe zur Behandlung eines Ohrenleidens.

Stutzig werden die Kriminaler, als sie zwischen einem Türrahmen und dem Mauerwerk ein Küchenmesser finden, das im Bauschaum steckt. Die 20 Zentimeter lange Klinge deuten sie als Waffe, um bei möglichen Rauschgift-Geschäften schnell einen „Helfer“ zur Hand zu haben. Damit könnte man aufgebrachte Kunden, die eine Reklamation wegen schlechter Qualität haben, oder solche, die Gratis-Joints mitnehmen möchten, notfalls auf Abstand halten. Dahinter steckt der Tatbestand des bewaffneten Handeltreibens, der wegen seiner Gefährlichkeit für alle Beteiligten mit fünf Jahren und mehr Gefängnis bestraft werden kann. Allerdings prüfen die Polizeibeamten weder, ob sich auf dem Messer Fingerabdrücke oder DNA-Spuren Christophers finden lassen, noch ob der Klein-Kriminelle überhaupt an die über Kopf befindliche Waffe herankommen kann.

40-Jähriger gibt an, die Betäubungsmittel nur für sich selbst gekauft zu haben

Freilich spielte das vor der Zweiten Strafkammer letztlich keine große Rolle. Der Vorsitzende Richter Markus Reznik und seine Beisitzer nahmen nämlich kein Handeltreiben an, sondern nur den Besitz einer nicht geringen Menge. Das reicht aber auch schon für mehrere Jahre hinter Gittern. Christopher konnte glaubhaft machen, dass er die Betäubungsmittel nur für sich selbst eingekauft hatte – als Vorrat, um einen günstigeren Preis von fünf Euro pro Gramm Marihuana und 40 Euro pro Gramm Crystal Meth zu bekommen. Als arbeitsloser Hartz IV-Empfänger muss man halt mit jedem Cent rechnen. Für die Version des Konsumenten sprach auch, dass sich weder eine bei Drogen-Dealern übliche Feinwaage in der Wohnung befand, noch irgendwelche Chats mit der Kundschaft auf dem Mobiltelefon.

Angesichts seiner Vorstrafen hatte der Verdacht allerdings nahegelegen. Denn seit 14 Jahren beschäftigt Christopher das für seinen früheren Wohnort zuständige Amtsgericht Erlangen. Mit Kumpels zusammen hatte er in mehreren Untergrund-Laboren in Garagen, Werkstätten und Wohnungen in Röttenbach und Adelsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt), sowie in Burghaslach (Landkreis Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim) das Crystal Meth eigenhändig angerührt.

Laufende Bewährung wurde ihm zum Verhängnis

Aus frei verkäuflichen Medikamenten aus der Apotheke und Chemikalien wie Reinigungsbenzin oder Jod war man daran gegangen, insgesamt 39 Gramm zu erzeugen. Außerdem hatte er mehrere Haschischplatten „über die Straße“ verkauft. Christopher wurde zum Verhängnis, dass er während des Zufallsfundes in seiner Wohnung in Forchheim unter laufender Bewährung stand, was insbesondere Staatsanwalt Alexander Baum ärgerte. Er forderte mehr als drei Jahre Haft.

Am Ende des Prozesses in Bamberg wurden es zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Allerdings wird Christopher nach fünf Monaten in U-Haft nicht mehr lange in der JVA Bamberg bleiben müssen. Denn auf Grund seiner jahrzehntelangen Drogenabhängigkeit muss er eine eineinhalbjährige Therapie in einer Entziehungsanstalt durchlaufen. Das hatte der psychiatrische Sachverständige Dr. Michael Zappe aus Bayreuth wegen der guten Erfolgsaussichten vorgeschlagen. Schließlich geht es darum, künftige Straftaten zu verhindern. „Das ist Ihre letzte Chance,“ so Richter Reznik. „Nutzen Sie diese, damit Sie von den Betäubungsmitteln loskommen.“

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