RKI-Wert von 491,7 lässt sich kaum erklären

Fränkischer Kreis hat niedrigsten Inzidenz-Wert in Deutschland - doch kann das alles stimmen?

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25.2.2022, 08:53 Uhr
Corona Test Selbsttest Positiv Fall Infektion Covid 19

© Privat, NN Corona Test Selbsttest Positiv Fall Infektion Covid 19

Alleine 300 neue Covid-19-Fälle am Dienstag, 242 am Mittwoch und 216 am Donnerstag, trotzdem fällt die Sieben-Tage-Inzidenz von 739,6 auf 634,9 am Donnerstag - und nun am Freitag gar auf 491,7, den niedrigste Wert in ganz Deutschland. Die täglich vom Landratsamt gemeldeten Fallzahlen würden jedoch schon seit Tagen ganz andere, viel höhere Werte ergeben - eine schlüssige Erklärung fehlt, auch wenn das Landratsamt zugibt, dass die Bearbeitungsdauer eine Rolle spielen könnte.

Am Freitag verlieren die vom Gesundheitsamt gemeldeten Corona-Fallzahlen und die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Neustadt-Bad Windsheim weiter den Bezug zueinander. Der Grund dafür ist offenbar weder für das Landratsamt noch für das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) oder das Robert-Koch-Institut (RKI) gänzlich erklärbar.

Von Neustadt/Aisch nach München

Das Landratsamt in Neustadt respektive das Gesundheitsamt meldet täglich die Fallzahlen für den Landkreis an das LGL. Von dort aus gehen diese an das RKI, das auf dieser Basis wiederum die offiziell gültige Inzidenz für den Kreis errechnet. Nimmt man selbst den Taschenrechner zur Hand, scheint da der Wurm drin zu sein.

Die Inzidenz lässt sich für den hiesigen Landkreis überschlagsmäßig relativ einfach berechnen. Die offizielle für die Inzidenz gewertete Einwohnerzahl beträgt 101 272, addiert man die gemeldeten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage, sollte diese Summe auch nahezu die Inzidenz (Infektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner) widerspiegeln.

634 statt 1326

Tut sie aber nicht. Ein Beispiel zum Stand vom Freitag, 25. Februar: 216 Corona-Neuinfektionen kamen am Donnerstag nach Angaben des Landratsamts Neustadt/Aisch hinzu, demnach müsste der Wert bei etwa 1314 liegen. Das RKI gab am Donnerstagmorgen 491,7 an, der LGL-Wert war mit 637,89 zumindest um einiges höher. Ähnlich sah es an den Tagen zuvor aus: Beispiel vergangener Mittwoch, 16. Februar: 1087 wäre der errechnete Inzidenz-Wert, 529,3 gab das RKI an.

Übrigens: An diesem Dienstag wies der Landkreis deutschlandweit laut RKI die viertniedrigste Inzidenz auf, nun ist Neustadt/Aisch-Bad Windsheim auf dieser Liste nun ganz unten, oder oben, je nach Betrachtungsweise. Wie eine "Oase" umgeben von weit höheren Werten, teils über der 1000er- und 2000er-Marke.

Vielleicht Meldeverzug?

Wie lässt sich das alles erklären?

"Wir können generell keine konkreten Abweichungen erläutern", heißt es auf Nachfrage von Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des RKI, in schriftlicher Form. Stattdessen: Gesundheitsamt oder das LGL "sollten hier weiterhelfen können", informierte Glasmacher.

"Die Diskrepanzen sind höchstwahrscheinlich auf einen starken Meldeverzug sowie auf unterschiedliche Meldestände zurückzuführen", erklärt derweil Martina Junk, stellvertretende Pressesprecherin am LGL, schriftlich auf Anfrage. Grundsätzlich sei eine "direkte Gegenüberstellung von Daten aus verschiedenen Quellen mit verschiedenen Datenständen nicht zu empfehlen".

Ähnliche Auskünfte hatte die Windsheimer Zeitung bereits im Dezember vergangenen Jahres erhalten, als ebenfalls ein Zahlenwirrwarr zu verzeichnen war. Meldeverzug müsse stets einkalkuliert werden, hieß es damals.

Suche nach Besonderem

"Erklärungsansätze" versucht auch Bastian Kallert, Pressesprecher am Landratsamt, einzubringen. "Die Fallzahl, die wir nennen, besteht nicht nur aus Fällen die heute dazukommen", sagt er. Es könne sein, dass Fälle, die vor zwei oder drei Tagen im System aufgeschlagen sind, "erst heute rausgezogen und bearbeitet werden" und dann später in die Fallmeldung einfließen würden.

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Das LGL ordne die Fallzahlen rückwirkend zu. Sobald die Zahlen beim LGL sind, liege es nicht mehr in der Hand des Landratsamtes.

Direkte Gespräche zu den Problemen

Nun hat es einen Austausch zwischen LGL in München und dem Gesundheitsamt in Neustadt an der Aisch gegeben, wie Kreis-Pressesprecher Bastian Kallert auf Nachfrage mitteilt. "Es wurde geklärt, ob es technische Probleme gibt", sagt Kallert. Dies sei nicht der Fall.

Von Bedeutung dürfte aber die Bearbeitungsdauer der gemeldeten Daten sein, wie Kallert bestätigt. Fälle müssten aufgenommen, bearbeitet und "importiert" werden. Insgesamt sind mit der Corona-Fallbearbeitung, Qualitätssicherung und dem Bürgertelefon etwa 54 Personen beschäftigt. Die Abteilung sei "sehr stark beansprucht".

Am Donnerstag waren alleine 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, erklärt Kallert. Herausgegeben wurde vom Landratsamt die Zahl an Neuinfektionen von 216 - macht 1314 in den vergangenen sieben Tagen. Doch die vom RKI angegebene Inzidenz, die gilt, liegt eben bei 491,7.

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