Besucherschwund

Wegen 2G+: Treuchtlinger Kino "Central" fehlt die Laufkundschaft

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15.1.2022, 08:01 Uhr
Das Treuchtlinger Kino „Central“ hält sich aktuell nur aufgrund treuer Stammkunden und der Corona-Finanzspritzen. Insbesondere weil es ein Ein-Saal-Kino ist, hat es Probleme.

Das Treuchtlinger Kino „Central“ hält sich aktuell nur aufgrund treuer Stammkunden und der Corona-Finanzspritzen. Insbesondere weil es ein Ein-Saal-Kino ist, hat es Probleme. © Lidia Piechulek, NN

Das Treuchtlinger Kino "Central" hat es dieser Tage nicht leicht - denn wie so viele andere Betriebe ächzt auch dieser unter einem Besuchereinbruch aufgrund der 2G+-Regelung. Hierbei handelt es sich um eine Verschlechterung der ohnehin schon seit März 2020 schlechten Situation. Seit dem Beginn der Pandemie ist dieses kleine Juwel in zentraler, wenn auch gut versteckter Lage, ein Ort geworden, an dem der Kinosaal nie voll ist.
Und das, obwohl in dem Saal für 160 Personen heute nur noch 80 Personen Platz finden. Einen Einlassstopp hatte man in all den Monaten nicht ein einziges Mal ausrufen müssen, erzählt das Betreiber-Ehepaar, Stefan Massopust und Corrinna Wörlen. Stattdessen sei man froh über jeden einzelnen Stammkunden, der kommt.

Von jeher ist das Kino Central aufgrund seiner Kinderfilme beliebt, zudem kommen viele Menschen, die das nostalgische und gemütliche Flair anspricht. Beliebt ist das Kino nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei Cinneasten aus Monheim und Wemding, Westheim und Pappenheim, ja sogar Solnhofen und Eichstätt, verrät die Betreiberin. Die Generation der 20- bis 30-Jährigen wird aber eher weniger angesprochen. "Wer kommt, der schätzt, dass wir so klein sind, dass wir kein hochmoderner Kinokomplex sind", weiß Wörlen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist alles anders, findet sie: Die Spielregeln der Verleiher, das Verhalten der Filmemacher und leider auch die Qualität der Filme, sowie das Klientel ihres eigenen, kleinen Kinos. "Wir machen das, weil wir Kino lieben", stellt die Treuchtlingerin klar - Doch nur wegen der Coronahilfen trägt sich die Einrichtung derzeit noch.

Mittlerweile kommen Besucher nur noch, nachdem sie sich per Mail angemeldet haben, sie planen ihren Kinobesuch auf lange Sicht. Die Menschen gehen abends nicht mehr einfach so raus - und werden zur spontanten Laufkundschaft. Wer kommt, ist meist ein Stammgast, und hat den Kinoabend samt vorgelagerten Testtermin von langer Hand geplant.

Was viele noch nicht wissen: Die Belegschaft des Kino "Central" hat extra eine Schulung absolviert und bietet nun selbstständig und direkt vor Ort einen Schnelltest für alle Kinobesucher an, der kostenlos ist. Man erhält sogar ein 24 Stunden gültiges Zertifikat über das Ergebnis (Die weiteren Regeln zum Kinobesuch stehen im am Ende dieses Berichts).

Doch leider sind die Corona-Maßnahmen nicht das einzige Manko am Kinobesuch. Seit geraumer Zeit bekommt das Treuchtlinger Kino neue Filme nicht mehr pünktlich zum Bundesstart. Die Verleiher entscheiden sich aufgrund der Kosten zunächst für all jene Kinos, die einen großen Umsatz versprechen: Also diejenigen, die mehrere Säle haben und sich in großen Städten befinden.

Unter anderem deshalb leiden die Ein-Saal-Kinos im Bundesgebiet überdurchschnittlich unter den Auswirkungen der Corona-Beschränkungen. Sie können mit ihrem Programm kaum mit den größeren Einrichtungen konkurrieren und schlechte Besucherzahlen nicht mithilfe von einem diversifizierteren Programm, das unterschiedliche Zielgruppen anspricht, ausgleichen. Die Problematik, dass Filmemacher seit dem Beginn der Pandemie die Starttermine der umsatzstarken Blockbuster immer weiter in die Zukunft schieben und andere Filme nur noch über Streamingdienste wie Netflix und Disney Plus zu sehen sind, tut ein übriges.

Das Fazit des Betreiberehepaars: "Normalerweise sind die besten Monate für die Kinobetreiber jene im Herbst und Winter - doch nun ist es genau andersrum." Sie freuen sich auf das Hahnenkamm und Treuchtlinger Open-Air-Kino, welche sich beide in den vergangenen Jahren großer Beleibtheit erfreuten. Noch mehr Veranstaltungen im Freien trauen sich die beiden allerdings nicht zu: "Jegliche neue Investition ist derzeit fraglich", findet Wörlen. Zu groß sind hier die Risiken, die ein solches Event mit sich bringt, führt ihr Ehemann, Stefan Massopust, aus: "Es kostet 300 bis 400 Euro, einen Film für einen solchen Abend auszuleihen", die Vorbereitung koste Zeit, das Marketing Geld, man müsse in Vorkase gehen und trage letztlich das volle Risiko bis zum eigentlichen Tag der Veranstaltung, weil an diesem das Wetter schlecht sein könnte.

In Anbetracht der aktuellen finanziellen Lage ist dies schlichtweg nicht möglich, sind sich die beiden einig. Freuen können sich die Fans und Liebhaber des Kino "Central" aber auf ein besonderes Ereignis in diesem Sommer: Im August 2022 ist die Belegschaft des Treuchtlinger Kinos im Eberhofer-Krimi "Guglhupf-Geschwader" zu sehen. Als Komparsen haben sie dort nämlich mitgewirkt. "Wir planen ein Gewinnspiel bei denen man etwas gewinnen kann, wenn man uns in dem Kinofilm findet", erzählt Corinna Wöhrle augenzwinkernd. Details zu dieser Aktion werden noch folgen. LIDIA PIECHULEK

Wie aufwändig ist es tatsächlich?

So läuft ein Besuch im Kino derzeit ab

Aktuell gilt für den Besuch des Treuchtlinger Kinos wie für alle Kinos die 2G-Plus-Regelung. Nur wer geboostert ist, muss kein negatives Testergebniss bei der Einlasskontrolle vorweisen. Für alle anderen gilt, dass ein Nachweis über den Genesenenstatus oder die Impfungen mitzubringen ist sowie ein Personalausweis oder Reisepass.

Im Treuchtlinger Kino kann man auch vor Ort einen Schnelltest durchführen. Dieser Service gilt nur für Kinobesucher und ist kostenlos. Beim Betreten und Verlassen des Kinos sowie an der Popcorntheke gilt die FFP2-Maskenpflicht.

Während des Verzehrs von Popcorns, Nachos und Getränken entfällt sie logischerweise. Wer von seinem Platz im Kinosaal aufsteht, muss die Maske wieder aufsetzen. Die Betreiber des Kinos bitten darum, den Mindestabstand zu anderen immer einzuhalten. Das aktuelle Programm gibt es hier.

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