Wirte leiden unter der Pandemie-Situation

Beschränkungen machen Gastronomen mürbe

12.1.2022, 17:57 Uhr
Größere Feiern, etwa zu einem runden Geburtstag, fallen derzeit größtenteils aus, berichten die Gastronomen. Das macht ihnen – ebenso wie die Sperrstunde um 22 Uhr – besonders zu schaffen.

Größere Feiern, etwa zu einem runden Geburtstag, fallen derzeit größtenteils aus, berichten die Gastronomen. Das macht ihnen – ebenso wie die Sperrstunde um 22 Uhr – besonders zu schaffen. © Dorothée Krätzer

Thorsten Kortum betreibt seit Februar 2020 die Gaststätte „Zum Holzwurm“ in Röthenbach. Die Entscheidung zwischen 2G oder 2G-plus sieht er für sich als letztlich gar nicht so dramatisch, da seine Gäste „überwiegend mittleres bis höheres Alter“ haben und in der Regel bereits dreifach geimpft sind. „Beim Kontrollieren der Impfnachweise sehen wir, dass 80 Prozent und mehr bereits geboostert sind“, sagt Kortum. 

Dazu kann der 49-Jährige auf regen Zuspruch von Gästen zählen, die ihr Essen abholen. An vielen Wochenenden habe sich hier ein Verhältnis von zwei Drittel Hausgäste zu einem Drittel Selbstabholer eingespielt. Allerdings sorgt bereits dieses Drittel für ein Minus beim möglichen Umsatz: Wer sein Essen abholt, bestellt in der Regel keine Vor- oder Nachspeisen und konsumiert vor allem keine Getränke. Dabei sei Letzteres genau der Posten, bei dem in der Gastronomie am meisten verdient werden könne.

Was Thorsten Kortum noch mehr umtreibt als 2G oder 2G-plus, sind die nicht stattfindenden Familienfeiern oder die ausgefallenen Weihnachtsfeiern im Dezember. „Da wären 50 Prozent mehr Umsatz möglich gewesen“, weiß der 49-Jährige. Dabei ist der Dezember zu normalen Zeiten der umsatzstärkste Monat in der hiesigen Gastronomie, in dem die Wirte ihr Polster für die umsatzschwächeren Zeiten aufbauen.

Doch die Firmen, die für ihre Betriebsweihnacht bei ihm reserviert hatten, hätten wieder abgesagt. Reservierungen für private Feierlichkeiten etwa zu runden Geburtstagen oder Taufen gebe es auch so gut wie nicht. „Da plant kaum jemand was, weil alle unsicher sind, wie es vielleicht schon im nächsten Monat aussieht“, beschreibt Kortum seine Erfahrungen. 

Dabei wären solche Festgesellschaften ganz wichtig für ein dauerhaft erfolgreiches Wirtschaften, weiß Thorsten Kortum aus Erfahrung. Schließlich hat er, bevor er nach Röthenbach kam, 27 Jahre lang mit seinen Eltern das Lokal „Lutzgarten“ in Nürnberg betrieben. So hat er angesichts der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten auch Pläne, in den Außenbereich seines Lokals zu investieren, vorerst auf Eis gelegt. 

Die klare Linie fehlt

Der Wirt des „Holzwurms“ wünscht sich von politischer Seite vor allem eine klarere Linie, die es Wirten wie Gästen ermöglichen würde, vorauszuplanen, auch wenn er selbst mit den 45 Innenplätzen des „Holzwurms“ zu den Gastronomen gehört, die mit einem sehr kleinen Team funktionieren und entsprechend flexibel sind. Deshalb wolle er auch nicht auf hohem Niveau jammern, so Kortum, letztlich sei er wie seine Gastro-Kollegen vor allem dankbar, überhaupt arbeiten und Geld verdienen zu können.

In Lauf betreibt Siegfried Bachmann mit seiner Familie den „Zwinger Melber“. Er tut sich schwer mit der Einordnung des Beschlusses, in Bayerns Wirtshäusern bei 2G zu bleiben: „Ich bin gespalten“, sagt er im Gespräch mit der PZ. „Aus der Perspektive eines Gastronomen ist die 2G-Lösung sicher besser“, so Bachmann. Schließlich ermögliche das auch Kurzentschlossenen einen Restaurantbesuch. Viele „Spontangäste“, die nach einem Blick aufs Wirtshaus oder in die Speisekarte Lust auf einen Einkehrschwung bekommen, würden angesichts eines notwendigen Negativtests wohl wegbleiben, meint er.

Doch der Laufer Gastwirt blickt auch über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus und sieht für sich Positives in einer bundesweit einheitlichen Regelung statt des nun beschlossenen bayerischen Sonderwegs. „Angesichts der Pandemie wäre es nicht verkehrt, wenn alle an einem Strang ziehen“, glaubt er. Einheitliche Regelungen in allen Bundesländern würden auch dazu beitragen, die oft spürbare Verunsicherung zu mindern. „Viele kennen sich doch gar nicht mehr aus“, bedauert er.

„Was weg ist, ist weg“

Einbußen verzeichnet auch der „Zwinger Melber“, trotz des Geschäfts mit Selbstabholern, das nach Bachmanns Schätzung zwischen zehn und 20 Prozent seines Umsatzes ausmacht. So habe er einen zu ruhigen November hinter sich, den Dezember hat er noch gar nicht komplett ausgewertet. Doch das muss er auch gar nicht, um zu einem Fazit zu kommen: „In den nächsten Monaten bewegen wir uns auf dünnem Eis.“ Lockdownbedingt konnte er zusammengenommen sieben Monate nicht öffnen, „und was weg ist, ist weg“.Deshalb ist auch er vor allem froh, überhaupt arbeiten zu können, selbst wenn derzeit sehr viel Flexibilität nötig sei; egal, ob es um das Angebot, die Öffnungszeiten oder das Personal gehe. Aber das sei eben so in der Gastronomie, die auch schon vor Pandemiezeiten kein leichtes Geschäft gewesen sei.

Das ist auch der Standpunkt von Hans-Peter Bauer, dem Dehoga-Kreisvorsitzenden, der in Hersbruck das Restaurant „Café Bauer“ führt. Er bewertet die jüngste Kabinettsentscheidung als „kleinen Lichtblick in der dunklen Zeit“. Wenigstens könne die Branche nun für weitere vier Wochen einigermaßen vorausschauen, auch wenn das gerade aus Sicht der Speisegastronomie immer noch keine vernünftige Planung ermögliche. Immerhin könne der Betrieb weiterlaufen, denn falls 2G-plus gelte, würden viele Lokale wieder schließen, „weil es sich einfach nicht lohnt“, weiß Bauer.

Kritik an der Sperrstunde

In diesem Zusammenhang kritisiert er besonders die geltende Sperrstunde um 22 Uhr. „Bars und Schankwirtschaften haben ja ohnehin zu, wer wechselt denn da am späten Abend noch die Gaststätte?“, fragt er. Das bringe aus seiner Sicht nichts, hindere die offenen Lokale aber daran, ihre Tische am Abend zweimal zu besetzen und so entsprechenden Umsatz zu generieren.Er glaubt, dass das vorgeschrieben frühe „Aus“ am Abend die Branche auch zahlreiche Veranstaltungen kostet. Denn wer feiert schon Geburtstag oder Taufe, wenn um zehn Uhr alle Gäste vor die Tür gesetzt werden müssen? Die Folge sei außerdem, dass solche Feiern dann wieder vermehrt im privaten Bereich stattfinden – „und da wird dann nicht so kontrolliert wie bei uns“, meint Bauer.

Dabei zähle aktuell jeder Cent. Den größten Druck haben laut Bauer Betriebe, die in Pacht geführt werden. Diese müsse Monat für Monat erwirtschaftet werden. Dabei weiß er von verschiedenen Kollegen, dass gerade Privatvermieter eher bereit seien, den Wirten entgegenzukommen und Pacht nachzulassen. Dagegen würde von Pächtern, deren Wirtsstuben größeren Firmen gehören, oft der reguläre Pachtzins gefordert. Ein weiterer Faktor, der der Branche aktuell zusetze, auch wenn nach Kenntnis des Dehoga-Kreischefs coronabedingte Geschäftsaufgaben im Landkreis bisher noch die Ausnahme sind. „Aber das alles zusammen macht die Kollegen einfach mürbe“, so Bauer.