Familienvater berührte Kollegin unsittlich und stand deshalb vor dem Amtsgericht Hersbruck

Bewährungsstrafe für Busengrapscher

14.1.2022, 17:04 Uhr
Ein 34-jähriger Hersbrucker stand wegen sexuellen Übergriffs auf eine Kollegin vor dem Amtsgericht Hersbruck.

Ein 34-jähriger Hersbrucker stand wegen sexuellen Übergriffs auf eine Kollegin vor dem Amtsgericht Hersbruck. © Sembritzki

Eigentlich sollte es ein schöner Abend für die Mitarbeiter eines Unternehmens aus dem Nürnberger Land werden, doch die Entgleisung von Sebastian Küster (Namen von der Redaktion geändert), der auf der Betriebsfeier im vergangenen Juli nach seinen Angaben „nur einen Spaß“ machen wollte, mündete für den 34-Jährigen aus Hersbruck nun in einem Prozess vor dem Amtsgericht Hersbruck. „Sexueller Übergriff“ lautete die Anklage des Staatsanwalts gegen Küster. Laut Strafgesetz wird jeder, der gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser vornimmt, oder dazu einen Überraschungsmoment ausnutzt, mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Ein solches Überraschungsmoment hatte Küster laut der 53-jährigen Klägerin Marie Heider am Abend der Betriebsfeier vor sechs Monaten genutzt. Denn als sie sich mit drei Kollegen nach der Feier noch ein Getränk im Altdorfer MacDonalds holen wollte, wurde Küster – der nüchtern war – während der Autofahrt plötzlich übergriffig. „Ich saß auf dem Beifahrersitz und Herr Küster hinter mir. Auf einmal hat er an meinem BH gezogen“, sagt Heider aus. Der 34-Jährige habe ihren BH-Träger schnalzen lassen und sie an ihrer rechten Körperseite betatscht. „Ich habe ihm gesagt, er soll damit aufhören, doch stattdessen hat er seine Hand unter meinen BH geschoben und die nackte Brust angefasst.“ Erst als die Fahrerin Erika Lorenz Küster mit einer „Watschen“ gedroht habe, hätte er aufgehört, Heider zu belästigen. 

Rock hochgehoben

Doch die Zurückhaltung hielt nicht lange an. „Auf dem Parkplatz hat Herr Küster von hinten zwei Mal meinen Rock gehoben, so dass man meinen Schlüpfer sehen konnte. Er wolle nur mal meine Unterhose sehen, hat er gesagt.“ 

Beim zweiten Mal sei gerade der Mann der vierten Kollegin im Bunde, Judith Dalles, dazu gekommen und habe Küster gefragt, ob er sich nicht schäme. Dann habe der 34-Jährige endlich Ruhe gegeben, doch nicht ohne Heider zum Abschluss sexistisch zu beleidigen. Das zuvor gute Verhältnis der Kollegen war von da an zerrüttet. „Er hat mich in der Arbeit weiter beleidigt“, sagt Heider. Im Herbst kündigt sie deswegen schließlich ihre damalige Stelle. 

„Ich habe mich geschämt“

Eigentlich wollte Heider den Abend der Betriebsfeier tief im Karton ihrer verdrängten Erinnerungen vergraben. Die Schilderung des Vorfalls vor der Polizei ist für sie eine grauenhafte Vorstellung. „Ich habe mich so geschämt.“ Auf das Drängen ihrer Freundin Erika Lorenz hin, habe Heider sich schließlich ein Herz gefasst. Anfang September 2021 zeigt sie Sebastian Küster bei der Polizei an. 

Wie schon während seiner polizeilichen Vernehmung, macht der Vater von fünf Kindern vor Gericht aus seiner Meinung keinen Hehl, dass Heider die Tat völlig übertrieben darstelle und der Abend eine „große Gaudi“ gewesen sei. Im Auto habe er seine Kollegin nur gekitzelt, ihren Rock habe er nie hochgeschoben. „Nach der Fahrt war die Stimmung wie vorher, Marie hat nichts gesagt, wir haben Späße gemacht.“ „Und warum haben Sie Ihre Kollegin gekitzelt?“, will Richter Klaus Schuberth wissen. „Ich weiß auch nicht, es kam so über mich.“Nach Küster und Heider werden die Zeuginnen Erika Lorenz und Judith Dalles aufgerufen, doch der Mehrwert ihrer Aussagen hält sich in Grenzen. Zwar bestätigt Erika Lorenz den Übergriff im Auto und das Hochziehen des Rocks am Parkplatz, doch nach ihrer Aussage bleibt vor allem ihr Satz: „Keine Ahnung. Ich war Fahrerin und habe nach vorne geschaut“ im Gedächtnis. 

"Gaudi gemacht"

Insgesamt stuft Lorenz die Tat als deutlich harmloser als bei ihrer polizeilichen Vernehmung ein und betont Heiders gute Laune, auch nach Küsters Übergriff. Genau wie Judith Dalles: „Wir haben halt Gaudi gemacht und Sebastian hat Maries BH-Träger schnalzen lassen. Ich bin erstaunt, dass sie sich da so reinsteigert.“

In seinem Urteil stellt Richter Schuberth die Aussage von Lorenz und Dalles am Ende stark infrage. Es wirke, als folgten die Zeuginnen einer Anweisung, sich zurückzuhalten. „Vielleicht soll da kein schlechtes Licht auf die Firma fallen.“ Für ihn seien die Schilderungen der Geschädigten völlig glaubwürdig. 

So sieht es auch der Staatsanwalt und fordert in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Laut Küsters Rechtsanwalt hätte die Verhandlung den sexuellen Übergriff nicht bestätigt, unter anderem da die Zeuginnen sich widersprochen hätten. Sein Mandant sei freizusprechen oder die Tat als „minderschwerer Fall“ zu bewerten.

1000 Euro ans Frauenhaus Nürnberg

Beides kommt für Richter Schuberth nicht infrage. Er verurteilt Küster wegen sexuellen Übergriffs zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Zu den Bewährungsauflagen zählt eine Zahlung von 1000 Euro an das Frauenhaus Nürnberg. Küsters fehlendes Geständnis werte er zulasten des Angeklagten.

„Herr Küster, ich hoffe, Sie begreifen jetzt, was Sie getan haben. Natürlich ist jeder Griff an die Brust eine sexuelle Handlung und für das Opfer entwürdigend“, so Schuberth. Küsters Verharmlosung der Tat gefalle ihm gar nicht. „Wir leben in einer Zeit der Gleichberechtigung.“