Landkreise entlasten Kommunen

Bei Erweiterung der Gesamtschule Hollfeld läuft nicht alles rund

30.7.2022, 06:18 Uhr
Aktuell laufen an der Hollfelder Gesamtschule die Kanalarbeiten für das neue MINT-Gebäude – dabei ist jede Menge Fels im Weg, mehr als zwei Meter pro Tag kommt man nicht voran.
 

© Stefan Brand, NN Aktuell laufen an der Hollfelder Gesamtschule die Kanalarbeiten für das neue MINT-Gebäude – dabei ist jede Menge Fels im Weg, mehr als zwei Meter pro Tag kommt man nicht voran.  

Die Tiefbauarbeiten für die Errichtung des neuen MINT-Gebäudes, das ein Zentrum für naturwissenschaftliche Angebote werden soll, laufen bereits, wie Stefan Brückner von der Bauabteilung des Landratsamtes in der Sitzung des Zweckverbandes Gesamtschule Hollfeld bekanntgab.

Es geht zunächst um den Kanalanschluss es geht um den Anschluss an das Fernwärmenetz. Dafür zuständig ist die Firma Garten-Richter aus Glashütten. Deren Mitarbeiter hätten im Bereich der Schwimmhalle „mit massivem Fels zu kämpfen, aktuell schafft man zwei Meter am Tag“. Dennoch ist Brückner zuversichtlich, noch in diesem Jahr und damit fristgemäß das Thema Kanal abgeschlossen zu haben.

Bei Heizungsleitung fehlen zwei Meter

Für die Heizungsleitung fehlt das Material für entscheidende zwei Meter, „aber das lässt sich notfalls im nächsten Jahr nachholen“.

Die Ausschreibung für das Gebäude selbst soll im Herbst, spätestens jedoch Anfang 2023 erfolgen: „Da muss man schauen, wie der Markt reagiert“. Der günstigste Zeitpunkt hänge von den Auftragsbüchern der infrage kommenden Firmen ab, „manchmal ist der eine Termin besser, mal der andere“.

Bambergs stellvertretender Landrat Bruno Kellner wollte wissen, ob es denn eine festgesetzte Obergrenze bei den Kosten für den MINT-Bau gebe, der auf rund zehn Millionen Euro kalkuliert ist. Landrat Florian Wiedemann als Zweckverbandsvorsitzender sprach von einer „grundsätzlich herausfordernd Ausschreibung und Vergabe“, das zeige auch das Beispiel der Therme Obernsees. Er hoffe, dass Aufträge „als Paket“ vergeben werden können, „diese würden wir dann der Verbandsversammlung vorlegen“. Einstimmig erhielt Wiedemann den Auftrag, die Vergabe in Eigenregie zu steuern.

Einstimmigkeit auch bei einem anderen Thema, das den Zweckverband seit drei Jahren beschäftigt. Auslöser war ein Antrag des Plankenfelser Bürgermeisters Harald Wich, den Finanzierungsschlüssel zu ändern. Bisher trugen die beteiligten Landkreise Bayreuth, Kulmbach und Bamberg 60 Prozent der Kosten, die Kommunen 40 Prozent. Angesichts der ständig rückläufigen Zahlen beim Zweig der Mittelschule – dafür sind die Kommunen als Kostenträger zuständig – sei das nicht mehr vertretbar.

Florian Wiedemann verwies auf eine „intensive Behandlung des Themas über Monate hinweg“. Jetzt sei man zu einer Einigung gelangt. Dank gebühre dabei dem Kulmbacher Landrat Klaus-Peter Söllner und dem Hollfelder Bürgermeister Hartmut Stern für „sehr konstruktive und sehr sachliche Gespräche“ bei zwei „Verhandlungsterminen“.

Lösung ohne "Hauen und Stechen"

An deren Ende stand ein Kompromiss, „der für jeden tragbar sein dürfte“. Demnach übernehmen die drei Landkreise künftig 70 Prozent der Kosten. Hartmut Stern – „Hollfeld ist ja finanziell am meisten betroffen“ – bestätigte Wiedemanns Einschätzung, die Gespräche seien „ohne Hauen und Stechen“ verlaufen, es sei vielmehr „ordentlich diskutiert worden“. Jeder habe einen kleinen Schritt machen müssen, „am Ende war es ein gutes Miteinander und eine gute Lösung“.

Und was die auf wohl um die 50 Millionen Euro teure Generalsanierung der Schule angehe, deren Finanzierung für die Jahre 2022 bis 2027 geplant ist: „Das ist schon sportlich, vielleicht kann man das ja auf zehn Jahre strecken, um die Belastung schmerzfreier zu gestalten.“ Die neue Kostenverteilung läuft ebenfalls bis 2027, dann soll die Lage neu beurteilt werden.

Harald Wich äußerte Zufriedenheit mit dem Kompromiss, auch wenn er ursprünglich ein Verhältnis von 85:15 Prozent anvisiert hatte. Dass dies „so nicht kommen wird, war zu erwarten“. Daher ziehe er seinen alten Antrag zurück, über diesen wurde somit nicht abgestimmt.

Der Kulmbacher Landrat Klaus-Peter Söllner bezeichnete die Gesamtschule als „Erfolgsrezept, das ist keine Frage“. Auch wenn sich dieser Erfolg auf Schulen in seinem Kreis negativ auswirke wie für Thurnau und Kasendorf. Es sei auch nie um die 11.000 Euro gegangen, die der Kreis nun mehr zahlen müsse, „wir wollten nie eine Erbsenzählerei, es ging immer nur um grundsätzliche Dinge“.

Wie der langjährige Waischenfelder Bürgermeister Edmund Pirkelmann nannte auch er es „ein Trauerspiel“, dass diese Schule der besonderen Art, von der es in Bayern nur noch eine weitere gibt, durch den Freistaat so wenig unterstützt werde. Pirkelmann forderte die drei Landräte auf, „da mit einer Stimme aufzutreten“ Zugleich bezeichnete er es als „ebenfalls traurig, dass dieser Antrag drei Jahre bis zu einer Entscheidung behandelt werden muss“. Die Zahlen sprächen für sich, die Situation sei eindeutig, das Thema hätte längst vom Tisch sein müssen.

Landrat Wiedemann fiel ihm ins Wort, nannte es „schade, dass du jetzt wieder mit alten Kamellen kommst, wo wir eine Lösung gefunden haben“. Das wollte Pirkelmann so nicht auf sich sitzen lassen, schließlich gebe der Landkreis 1,6 Millionen Euro im Jahr für freiwillige Leistungen aus, „hier reden wir von 128.000 Euro für die Bildung, solche Themen müssten eigentlich einfach durchgewunken werden“.

Landrat Wiedemann bezog auch Stellung zu den Finanzhilfen aus München. Beim MINT-Bau werde wohl nicht mehr gehen als die zugesagten 64 Prozent an Förderung, bei den weiteren Bauabschnitten „bleiben wir am Ball, wir sind da immer in Kontakt mit Kultusminister Piazolo“.