Leseratten aus der Region

Das Buch stets im Rucksack dabei: Pottensteiner Metal-Sängerin über ihre Leseleidenschaft

11.1.2022, 08:00 Uhr
Lesen konnte Rebecca Spörl schon vor der Einschulung. „Ich wollte halt nicht warten“, lacht sie heute. Unheimlich gerne liest sie in ihrer knappen Freizeit anspruchsvolle Fantasy-Bücher.

Lesen konnte Rebecca Spörl schon vor der Einschulung. „Ich wollte halt nicht warten“, lacht sie heute. Unheimlich gerne liest sie in ihrer knappen Freizeit anspruchsvolle Fantasy-Bücher. © Foto: Rosi Thiem

Die Freude am Lesen begann im frühen Kindergartenalter mit der Neugierde über die unbekannten Zeichen, die die Erwachsenen "Buchstaben" nannten. "Ich fragte immer wieder, was ist das für ein Buchstabe oder wie heißt dieses Wort?" Das flüssige Lesen konnte sie dann bereits im Kindergarten, weil sie nicht lockerließ.

Hochbegabt? "Ach was", wiegelt sie lachend ab und zwinkert: "Ich wollte halt nicht warten, bis ich in die Schule komme." Im Alter von sieben Jahren durfte Rebecca Spörl aus einer Buchhandlung Neuerscheinungen mitnehmen, die sie kostenlos las. Im Gegenzug gab sie eine Stellungnahme ab, wie ihr das Buch gefallen hatte. "Da waren für mich klasse Lektüre dabei, aber es gab schon mal auch Bücher, die mir nicht so gut gefallen hatten", erzählt die heute 26-Jährige.

Nach dem Abitur am Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium zog sie mit 19 Jahren nach Finnland. Die Leseleidenschaft blieb und die Bücher zogen mit. Zwar war die Zeit knapper, denn sie besuchte zunächst zwei Jahre lang eine finnische Musikhochschule und schloss ein dreieinhalbjähriges Soziale-Arbeit-Studium an, doch in der Freizeit – die meist mit ihrer Metalband Averlanche gefüllt wird – steckt stets ein Buch im Rucksack. "In Finnland fing ich damals 2014 mit einem einjährigen Einsteigerkurs an. Der Anfang war holprig. Die Sprache war neu." Nach einem Jahr ersetzte die taffe Pottensteinerin Englisch durch Finnisch und die zuerst unbekannte Sprache funktionierte immer mehr. Heute hat sie die finnische Staatsbürgerschaft, eine verantwortungsvolle Arbeit, einen finnischen Freund und spricht fließend Finnisch. Geblieben ist ihr die Freude am Lesen – in Deutsch.

Alle Bände gelesen

Ihre Lieblingsbücher ist die Skulduggery-Pleasant-Reihe vom irischen Autor Derek Landy. Hier holt sie den allerersten Band "Der Gentleman mit der Feuerhand" ISBN 978-3-7855-7786-8 aus dem schwarzen Rucksack. "Ich habe alle Bände gelesen. Damals war ich zwölf, als ich die Reihe anfing. Die zwölfjährige Hauptdarstellerin Stephanie im Buch war gleich alt. Und von Band zu Band wuchs unser Alter mit – ich bin mit der Hauptfigur großgeworden", lacht Rebecca Spörl.

Worum geht es hier? "Stephanie sieht bei der Beerdigung ihres Onkels einen komisch aussehenden Mann und ahnt noch nicht, dass sie mit ihm große Abenteuer erleben wird. Sie taucht mit dem Skelett-Detektiv in die volle Welt der Magie ein, in der Legenden zum Leben erwachen. Es ist mal lustig, mal sarkastisch und mit Wortwitz geschrieben und immer fantasievoll", verrät sie. "Alle Bände aus der Reihe gehören zusammen. Jede Folge hat allerdings eine abgeschlossene Handlung und jede Geschichte endet. Aber", fügt die 26-Jährige hinzu, "es bleibt immer etwas offen . . ." Gelesen hat sie alle Bände auf Deutsch. Wenn es die Zeit erlaubt, so möchte sie die Bände auch in Englisch noch lesen, um die Muttersprache und Ausdrucksweise des Autors zu erleben. "Ich lese nur Fantasy-Bücher", gesteht Rebecca Spörl. "Ich liebe hierbei den Kontrast zum wahren Leben, die Magie und die Zeitreisen. Da kann ich abschalten", gesteht sie. Ein Buch ist bei der erfolgreichen Metal-Sängerin Rebecca immer im Rucksack.

Feste Hardcover-Bücher

In Finnland gibt es – wie bei uns – überall Buchhandlungen und zum Ausleihen Büchereien. "Ich kaufe mir ein Buch, das mir gefällt, lieber selbst und leihe es nicht aus. Dann kann ich es benutzen. Ich mag keine E-Books oder Taschenbücher, sondern feste Hardcover-Bücher", gesteht sie und zeigt auf den ersten Band. "Für mich gibt es ein besonderes Lesegefühl, wenn ich meine Lektüre fühlen und riechen kann. Ich brauche etwas in der Hand zum Blättern", empfindet die junge Sozialpädagogin. Wenn sie lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder in Helsinki ihre Mittagspause nimmt, dann kommt die Lektüre aus der Tasche. "Ich setze dazu meine Kopfhörer auf, dann habe ich die Hintergrundgeräusche weg. Zum Lesen höre ich Metal oder Rock – da vergesse ich alles und kann so richtig abschalten", genießt sie es.

Nach all den Feiertagen ging es für Rebecca Spörl nach Finnland zurück. Wie wird in Finnland jedes Jahr Weihnachten gefeiert? "Da kommt nicht das Christkind, sondern Joulupukki, das ist ein Weihnachtsmann. Es wird dezent im kleinsten Kreis gefeiert", erzählt sie.


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Zum Essen gibt es einen großen Schinken, der stundenlang in der Röhre gart, und als Beilage verschiedene leckere Gemüsesorten in Breiform. Vormittags steht eine Schüssel mit Reisbrei mit nur einer Mandel auf dem Tisch. Wer diese schließlich auf den Teller bekommt, der hat im nächsten Jahr ein besonderes Glück", erzählt sie von den Bräuchen aus ihrer neuen Heimat.

Und noch etwas ist bemerkenswert in ihrer nordischen Wahlheimat: Sehr dezent verhalten sich ihre finnischen Landsleute, die nach ihrer Meinung hilfsbereit und freundlich sind, auch in Aufzügen und an der Bushaltestelle, und nicht nur zur Weihnachtszeit. Hier gibt es immer einen Abstand – auch schon vor Corona, verweist sie. "Wenn jemand bereits im Aufzug ist, dann wird bei den anderen Leuten mit dem Betreten gewartet, bis dieser wieder frei ist. Oder im Bus wird der Nachbarplatz nicht besetzt, sondern man geht weiter und sucht einen komplett freien Platz. Hier", zeigt die Metal-Sängerin auf, "möchte man niemanden bedrängen und dem Anderen großzügig Raum geben." Auf zwei Sachen freut sich Rebecca Spörl ganz besonders: Sollte Corona eine Deutschlandtour ihrer Metalband möglich machen, dann steht Pottenstein als Veranstaltungsort ganz oben an. Und auf eines freut sich Rebecca Spörl ebenso: Auf den 14. Band der Skulduggery-Pleasant-Reihe.

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