Historischer Stammtisch

Als sich auf dem Rohrberg die Weißenburger Tuberkulose-Patienten erholten

12.5.2024, 18:50 Uhr
Die ehemalige Lungenheilstätte auf dem Rohrberg in Weißenburg ist Thema beim nächsten historischen Stammtisch.

© Stadtarchiv Weißenburg Die ehemalige Lungenheilstätte auf dem Rohrberg in Weißenburg ist Thema beim nächsten historischen Stammtisch.

Tuberkulose war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine weit verbreitete und oftmals tödlich verlaufende Krankheit. Vor der Entdeckung wirksamer Antibiotika gegen die Bakterien, die Tuberkulose verursachen, verfolgten die Menschen verschiedene Ansätze zur Eindämmung und Bekämpfung der Krankheit.

Eine davon war die Errichtung von Sanatorien, die darauf abzielten, Tuberkulosepatienten zu isolieren und sie in einer sauberen, gesunden Umgebung zu behandeln. Diese Sanatorien wurden gezielt in abgelegenen Gebieten mit frischer Luft und viel Sonnenschein gebaut, um die Heilung zu fördern. Vielen ist die Heilanstalt Beelitz in Brandenburg ein Begriff.

Hohe Tuberkulose-Rate in Weißenburg

Auch in Franken wütete die Krankheit gehörig. „Weißenburg wies laut einer Quelle aus dem Jahr 1919 von jeher eine überraschend hohe Erkrankungs- und Sterblichkeitsziffer an Tuberkulose auf“, weiß Historikerin Anna Weichmann. In Weißenburg existierte zwar kein Sanatorium, aber eine Walderholungsstätte, in der Tuberkulosepatienten wieder zu Kräften kommen sollten.

Als Ort diente der Rohrberg, der als idealer Platz für Erholungsaufenthalte von Lungenkranken ausgemacht wurde. Betrieben wurde die Walderholungsstätte vom Weißenburger „Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose“, finanziell unterstützt von verschiedenen Stellen, allen voran der Landesversicherungsanstalt Mittelfranken und der Stadt Weißenburg.

1910/11 wurde das Hauptgebäude mit Waschhaus, zwei Liegehallen, einem Hofraum, einem Gärtchen und einer Parkanlage errichtet. Bereits 1912 gab es erste Bestrebungen zur Erweiterung, weil in dem errichteten Gebäude nur Tagesbetrieb in den Sommermonaten möglich war.

Während der Kriege ein Lazarett

Doch erst 1926 waren die Mittel zum Ausbau vorhanden. Die Arbeit der Stätte konzentrierte sich zunehmend auf Kinder, die Verdacht auf Tuberkulose hatten oder gefährdet waren. Sie sollten dort „bei guter Verpflegung gestärkt und widerstandsfähiger gegen alle Krankheitskeime“ gemacht werden.

Während der Weltkriege diente das Haus als Lazarett. Am 1. Juli 1956 wurde die Walderholungsstätte stillgelegt und diente in der darauffolgenden Zeit der Stadtranderholung sowie der Unterbringung von „Gastarbeitern“. Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz.

In ihrem Vortrag im Rahmen des historischen Stammtischs am Mittwoch, 15. Mai, berichtet die Historikerin Anna Weichmann von den Maßnahmen, die in Weißenburg gegen die häufig tödlich verlaufende Tuberkulose unternommen wurden, und von der Entwicklung der Erholungsstätte auf dem Rohrberg. Beginn des Vortrags ist um 19.30 Uhr im Gasthof Goldener Adler.

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