Von der ÖPNV-App bis zu neuen Radwegen

Altmühlfranken und die Mobilität der Zukunft

Robert Maurer
Robert Maurer

Weißenburg

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13.1.2022, 06:06 Uhr
Radfahren wird immer beliebter - nicht nur entlang der Seen. Landrat Manuel Westphal möchte gern Lücken im Netz schließen und will dafür Mittel in den Kreishaushalt für dieses Jahr einstellen lassen.

Radfahren wird immer beliebter - nicht nur entlang der Seen. Landrat Manuel Westphal möchte gern Lücken im Netz schließen und will dafür Mittel in den Kreishaushalt für dieses Jahr einstellen lassen. © Tourismusverband Franken

Das Radverkehrskonzept soll in diesem Jahr in die Umsetzung gehen. Darauf hatten sich die Kreisgremien bereits geeinigt. Dass es noch keinen Beschluss gibt, hat einzig damit zu tun, dass die Verwaltung vorher die Fördermöglichkeiten abklopfen will. Das ist inzwischen geschehen Noch im Januar will sich der Lenkungsausschuss mit dem Thema befassen, dann können die nächsten Schritte angepeilt werden.

Und auch der Ausbau des Radwegenetzes könnte relativ schnell konkret werden. Im Haushaltsentwurf für 2022 will Westphal schon Mittel hierfür einstellen lassen. Denkbar sei sowohl, dass der Landkreis selbst Radwege baut, aber auch, dass er Gemeinden, die das tun wollen, finanziell fördert. Der Landrat kann sich grundsätzlich beides vorstellen, wie er in einem Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt feststellte, machte aber auch deutlich, dass er persönlich die Zuschusslösung eher favorisieren würde.

Das Leitbild sieht aber nicht nur für Radfahrer Verbesserungen vor. Die E-Ladeinfrastruktur generell soll ausgebaut werden – für E-Bikes und für E-Autos. Stadt und Gemeindewerke im Landkreis arbeiteten bereits daran, noch in diesem Jahr neue E-Ladestationen zu eröffnen , erklärte Westphal.

Der Landrat möchte diese Bemühungen gerne in geordnete Bahnen lenken und verweist auf den Landkreis Cham. Dort habe man gemeinsam einen Plan erarbeitet, wo Ladestationen erforderlich sind und auch verschiedene Kriterien festgelegt. Es geht zum Beispiel um die Frage, wie viel Strom dort fließen soll. Denn gerade kleinere Autos können eine zu hohe Leistung nicht verarbeiten, andrerseits soll das Laden aber natürlich auch möglichst schnell gehen, was wiederum mehr Stromleistung erfordert.

ÖPNV-Ausbau 2024

Ein anderer Aspekt in diesem Zusammenhang sind Photovoltaikanlagen auf Garagen oder Hausdächern. Mit solchen ließe sich relativ unkompliziert der Eigenbedarf der E-Auto-Besitzer decken. „Aber was ist mit Menschen, die zur Miete wohnen?“, gibt Westphal zu bedenken. Hierfür eine Lösung zu finden sei als Forderung in der Kommunalpolitik sehr wohl angekommen.

Neben dem Individualverkehr bleibt der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) natürlich auch eine Dauerbaustelle. Von der versprochenen Bahnreaktivierung auf der Strecke von Gunzenhausen nach Wassertrüdingen und möglicherweise weiter nach Nördlingen erhofft sich der Landrat einen Schub für den ÖPNV.

2024 soll der nötige Umbau des Bahnhofes in Langlau erfolgen, kündigte er an. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 sollen dann wieder regelmäßig Züge zwischen Pleinfeld und Wassertrüdingen rollen. Der Betreiberwechsel der Bahnlinie Treuchtlingen–Würzburg in diesem Jahr könnte ebenfalls zu einer Ausweitung des Angebots führen – zumindest wird das von vielen gehofft.

Damit der ÖPNV auch genutzt wird, braucht es eine ordentliche Verzahnung der Angebote, so die Überzeugung Westphals. Sprich, die Fahrzeiten von Bussen und Bahnen müssen aufeinander abgestimmt sein. Möglichst bald in diesem Jahr will Westphal gut funktionierende Beispiele aus anderen Landkreisen im Kreistag vorstellen lassen. Eine Mobilitäts-App wie in Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wäre sicher eine schöne Sache, doch wird die auch nicht ganz billig sein, warnt Manuel Westphal vor zu viel Euphorie.

Die Ausweitung des Rufbusangebotes zu Jahresbeginn auf die Weißenburger Ortsteile hat bereits Verbesserungen gebracht. Wenn das Beispiel Schule macht, sind weitere Angebote denkbar. Generell braucht es einen „Mindestfahrplan“, der dann durch flexible Lösungen ergänzt wird, findet der Landrat.

Bald ein neuer Nahverkehrsplan?

Um all diese Ideen unter einen Hut zu bringen, muss der Nahverkehrsplan (NVP) vermutlich schneller als bisher fortgeschrieben werden. Der aktuelle NVP stammt von 2019 und es ist erst der dritte seiner Art im Landkreis in 20 Jahren. Diesmal wird man wohl keine acht Jahre warten können, wie zuletzt.

Unterm Strich bedeuten die Ideen, die sich in Sachen Mobilität im Leitbild finden eine Menge Arbeit. Aber wenn wirklich alles auf der Liste konsequent angegangen wird, könnte Landrat Manuel Westphal in ein paar Jahren vielleicht auch der Punkt „Modellregion Mobilität im ländlichen Raum“ einen Haken machen.