Woche der Diplomatie zwischen dem Westen und Putin

Russland, die Nato und die USA: Endlich reden sie wieder miteinander

Alexander Jungkunz
Alexander Jungkunz

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9.1.2022, 18:20 Uhr
Bei einer orthodoxen Weihnachtsfeier: Wladimir Putin.

Bei einer orthodoxen Weihnachtsfeier: Wladimir Putin. © Aleksey Nikolskyi via www.imago-images.de

Es wird Zeit, höchste Zeit: An diesem Montag treffen sich hochrangige diplomatische Vertreter Russlands und der USA in Genf, am Mittwoch tagt endlich mal wieder der Nato-Russland-Rat - zweieinhalb Jahre liegt dessen letzte Beratung zurück.

Jede Menge Gesprächsbedarf

Gesprächsbedarf gibt es jede Menge zwischen Washington, Moskau und Brüssel. Zu viel wurde zuletzt übereinander geredet, und zwar in der Regel schlecht - viel zu wenig miteinander. Natürlich ist ein Erfolg der Treffen keineswegs garantiert angesichts der Interessens-Unterschiede. Aber der Dialog ist wichtig, um Positionen zu erläutern und um gegenseitiges Verständnis zu werben.

Der Westen - also vor allem die USA und die Nato - sehen Putin als Machthaber, der zurückkehren will zur alte Größe des Sowjet-Imperiums. Der Kremlchef liefert dafür auch Belege. Er selbst beschwört diese Vergangenheit, er spricht etwa der Ukraine ihre eigene Staatlichkeit ab und sieht sie als russisches Territorium - bei der Krim hat er 2014 bereits entsprechend gehandelt, aktuell ballt er Truppen nahe der Grenze zur Ukraine. Das muss auf das Land bedrohlich wirken.

Putin verlangt zu viel

Putin interpretiert die Lage anders: Er verweist auf Nato-Übungen nahe der russischen Grenze. Und er verlangt, dass der Westen einen Nato-Beitritt der Ukraine und anderer Staaten explizit ausschließt. Das ist zu viel verlangt für ein Bündnis, das offen ist für interessierte Länder.

Und es ist schwer nachvollziehbar, warum sich das militärisch nach wie vor sehr starke Russland von der Ukraine bedroht fühlt - das ist in der Tat etwa so, wie es US-Außenminister Blinken beschrieb: Man solle "dem Fuchs glauben, dass der Hühnerstall eine Bedrohung für ihn ist".

Heikle Wortwahl

Eine heikle Wortwahl. Wer Fortschritte will, sollte sein Gegenüber nicht unbedingt als "Fuchs" abwerten. Es sind auch solche Demütigungen, die Putins Großmachts-Streben erklären. Er liefert dafür aktuell auch in Kasachstan, einer anderen ehemaligen Sowjet-Republik, ein Beispiel: Der Kreml sieht die Chance, seinen Einfluss im südöstlichen Nachbarland auszuweiten. Zugleich aber muss Putin erneut erkennen, dass engagierte Bürger aufstehen gegen ein erstarrtes Regime. Das schlägt zwar, auch mit russischer Hilfe, äußerst brutal zurück. Doch wie schon in Belarus zeigt sich nun auch in Kasachstan, dass sich Unmut irgendwann Bahn bricht - vor ähnlichen Unruhen in Russland hat Putin Angst.

Was tun? Miteinander reden, auf jeden Fall. Interessant übrigens, dass die EU dabei bisher kaum eine Rolle spielt. Putin verhandelt lieber direkt mit den USA, das stärkt sein Prestige. Und er spielt mit den keineswegs einheitlichen Reaktionen aus den Hauptstädten Europas. Annalena Baerbock, die neue Außenministerin, ist da im Augenblick gar nicht gefragt - auch deshalb, weil Europa nicht mit einer Stimme spricht.

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